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1,14 Milliarden Euro angepeilt : Renault will über Nacht Daimler-Aktienpaket verkaufen

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Im Jahr 2010 begründeten Carlos Ghosn (links) und Dieter Zetsche die Renault-Daimler-Partnerschaft. Bild: AFP

Vor mehr als zehn Jahren untermauerten die Autobauer ihre Partnerschaft mit gegenseitigen Aktienanteilen. Jetzt will Renault die Papiere an Investoren weiterreichen. An der Kooperation ändere das aber nichts, hieß es.

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          Der französische Autobauer Renault will sich in einer Blitzaktion von seinem kompletten milliardenschweren Paket von Daimler-Aktien trennen. Die 16,45 Millionen Papiere des Stuttgarter Konzerns sollen über Nacht bei institutionellen Anlegern plaziert werden, wie Renault am Donnerstag mitteilte. Den Franzosen winkt ein Erlös von rund 1,14 Milliarden Euro, mit dem sie einen Teil ihrer Schulden abbauen wollen.

          An der deutsch-französischen Auto-Partnerschaft werde sich durch den Ausstieg nichts ändern, betonte Renault. „Die Kooperation wird fortgesetzt“, bestätigte ein Daimler-Sprecher. Der Verkauf sei Sache von Renualt. Die Autobauer arbeiten unter anderem bei Vans und Transportern zusammen, andere Pläne haben sich zerschlagen.

          Nach Angaben einer beteiligten Bank sollen die Daimler-Aktien zu 69,25 bis 69,50 Euro verkauft werden. Das ist ein Abschlag von rund vier Prozent auf den Xetra-Schlusskurs vom Donnerstag (72,09 Euro).

          Renault hält das Daimler-Aktienpaket seit mehr als zehn Jahren. Damals hatten die beiden Autobauer und der japanische Renault-Partner Nissan eine umfassende Kooperation verkündet und diese mit einer Überkreuzbeteiligung untermauert. Renault und Nissan halten seither je 1,55 Prozent an Daimler. Der Stuttgarter Oberklasse-Hersteller war mit je 3,1 Prozent bei Renault und Nissan eingestiegen. Er hat die beiden Beteiligungen inzwischen in den eigenen Pensionsfonds eingebracht, aus dem die Betriebsrenten für die Belegschaft gezahlt werden. Das Renault-Aktienpaket ist heute nur noch rund 360 Millionen Euro wert.

          Seit der Dieselabgas-Skandal vor drei Jahren auch Daimler erfasste – als erstes wegen eines Dieselmotors von Renault im Van-Modell Vito –, soll sich die Partnerschaft der beiden Hersteller abgekühlt haben. Daimler bestritt das immer wieder. Doch arbeiten die Schwaben inzwischen mehr mit dem chinesischen Autobauer Geely zusammen, dem Unternehmen des Daimler-Großaktionärs Li Shufu: etwa beim Bau des Elektro-Smart und bei Motoren. 2010 hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche und seinem Pendant Carlos Ghosn noch eine gemeinsame Plattform für den Smart und den Renault Twingo vorgeschwebt. Beide sind nicht mehr im Amt.

          Der kleine Mercedes-Transporter Citan teilt sich die Fahrzeugarchitektur mit dem Renault Kangoo. Zuletzt hatten zwei Insider gesagt, Renault und Daimler seien in Gesprächen über die Entwicklung großer Transporter. Es gehe um die nächste Generation des Renault-Kastenwagens Master. Das Projekt könnte der Zusammenarbeit neuen Auftrieb geben. Es sei aber unsicher, ob daraus etwas werde. Das Pendant zum Master, der im Renault-Werk Batilly vom Band rollt, ist der Mercedes Sprinter.

          DAIMLER

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