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Neue Vorwürfe : Ermittler finden drei weitere Privatflugzeuge von Carlos Ghosn

Ghosn ist in Tokio mehrerer Vergehen angeklagt (dieses Bild zeigt in auf einer Pressekonferenz 2013). Bild: AFP

Untersuchungen von Renault haben neue Vorwürfe gegen den ehemaligen Vorstandschef Ghosn ans Licht gebracht. Ins Visier geraten jetzt auch einige seiner „Berater“.

          Die Anschuldigungen gegen den ehemaligen Topmanager Carlos Ghosn reißen nicht ab. Nach den mutmaßlichen Privatfeiern im Schloss von Versailles kommen nun neue Verdächtigungen über das Finanzgebaren des früheren Renault-Nissan-Chefs ans Tageslicht: Wenn die Vorwürfe stimmen, ließ er sich von den Unternehmen, die er führte, eine Yacht und Privatjets bezahlen sowie ein Unternehmen seines Sohnes finanzieren. Diese Vorwürfe sind Gegenstand interner Renault-Untersuchungen; sie werden dem Vernehmen nach an diesem Mittwoch im Verwaltungsrat von Renault diskutiert. Der Autohersteller hat seine jüngsten Erkenntnisse an die französische Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die umstrittenen Zahlungen sollen verdeckt über eine Gesellschaft im Oman namens Suhail Bahwan Automobiles (SBA) gelaufen sein, die ein Vertriebsunternehmen der Autohersteller ist. Ein erheblicher Teil des Geldes wurde zudem über die libanesische Gesellschaft GFI (Good Faith Investment Holding) überwiesen, die der Ghosn nahestehende Anwalt Fady Gebran kontrolliert.

          Renault soll auf diesem Wege, verteilt über mehrere Jahre, 10 Millionen Euro an Ghosn geleitet haben, von Nissan kamen zusätzlich 35 Millionen Dollar. Damit wurde unter anderem eine auf den Britischen Virgin-Inseln gekaufte Yacht finanziert, die Ghosn mit seiner Familie benutzte; zudem soll sein Sohn Anthony 27,5 Millionen Dollar für eine Investmentgesellschaft in Kalifornien erhalten haben, die er mit gegründet hat.

          Sarkozys Justizministerin war Ghosns „Beraterin“

          Ghosns Anwalt in Paris bestritt die Vorwürfe “kategorisch”. Im  Zusammenhang mit dem Oman seien keine Gelder veruntreut worden. Ghosns Sohn soll zudem die Herkunft der Gelder für seine Gesellschaft nicht gekannt haben, betont der Anwalt.

          Die Ermittler stellen indes auch Fragen zu vier Geschäftsflugzeugen. Bisher war ihnen offenbar nur ein Jet unter Nutzung von Ghosn bekannt, jetzt stießen sie auf drei weitere, mit denen Leasingverträge abgeschlossen worden waren. Die Manipulation von Rechnungen gilt als möglich. Im Zuge der Enthüllungen geraten obendrein jetzt einige „Berater“ von Ghosn ins Zwielicht. Die ehemalige Justizministerin unter Präsident Nicolas Sarkozy, Rachida Dati, die im kommenden Jahr für das Bürgermeisteramt von Paris kandidieren will, soll von der in den Niederlanden registrierten Gesellschaft Renault-Nissan B.V. 600.000 Euro erhalten haben. Sie sowie der Sicherheitsexperte Alain Bauer betonen indes, dass sie für echte Beratungsleistungen bezahlt worden sind.

          Die Anwälte von Carlos Ghosn bei einer Pressekonferenz am Dienstag

          In Japan sind die 35 Millionen Dollar aus der sogenannten CEO-Reserve über Nissan Middle East an SBA in Oman geflossen, wie eine Person, die mit den Vorgängen vertraut ist, dieser Zeitung berichtete. Von dort sei ein Teil des Geldes gleichfalls in die Gesellschaft GFI im Libanon weitergeleitet worden und von dort in die Investmentgesellschaft des Sohnes sowie in die Yacht.

          „Freunde von Ghosn“ im Blickpunkt

          Ghosn ist in Tokio mehrerer Vergehen angeklagt: Er soll sein Einkommen in den Finanzberichten Nissans um rund 82 Millionen Dollar zu gering angegeben haben und Nissan zeitweise verlustreiche Wertpapiere übertragen haben. Im Mittelpunkt der Anklage stehen weiter vier Zahlungen an den saudischen Geschäftsmann Khaled Al-Jufalli über insgesamt 14,7 Millionen Dollar. Khaled Al-Jufalli soll ebenso wie der Chef von SBA in der Region als „Freund von Ghosn“ bekannt sein. Ghosn bestreitet, dass diese Zahlungen unrecht gewesen seien. Er hat argumentiert, dass die Zahlungen an den Saudi vom Regionalmanager Nissans abgezeichnet wurden.

          Die neuen Vorhaltungen über suspekte Zahlungen von Nissan in den Oman sind in Japan bislang nicht Gegenstand des Strafverfahrens. Der Chefanwalt eines Verteidigerteams von Ghosn, Junichiro Hironaka, schloss am Dienstag vor Journalisten indes nicht aus, dass die Staatsanwaltschaft weitere Anklagen gegen den erfolgreichen Automanager vorbringen könne.

          Neben Ghosn sind in Tokio wegen der angeblich falschen Angaben in den Finanzberichten auch der Autobauer selbst und Ghosn Vertrauter Gregory Kelly angeklagt. Die Verteidiger von Ghosn beantragten am Dienstag vor Gericht, dass Ghosns Verfahren separat und von einem anderen Richter verhandelt werde. Nissan arbeite mit der Staatsanwaltschaft zusammen, argumentierte Verteidiger Hironaka. Ghosn könne deshalb kein faires Verfahren erwarten, falls die Fälle zusammen verhandelt würden.

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