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Rekordverlust : Aufseher erzwingen größeren Verlust der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank in Frankfurt Bild: dpa

Die Deutsche Bank macht einen Rekordverlust. Erstmals seit 60 Jahren könnte es keine Dividende geben. Das liegt auch an Auflagen der Bankenaufsicht.

          2 Min.

          Die Europäische Bankenaufsicht hat nach Informationen dieser Zeitung die Deutsche Bank ein Stück weit dazu gezwungen, vor dem höchsten Quartalsverlust ihrer Unternehmensgeschichte zu warnen.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Aufsicht hat dem Vernehmen nach der Deutschen Bank, aber auch anderen europäischen Banken nach den Sommerferien signalisiert, dass sie ihr riskantes Geschäft mit höheren Eigenkapitalquoten ausstatten müssen. Dies zwingt die Deutsche Bank zu einem Teil der Wertkorrekturen. Denn binden die Geschäfte mehr teures Eigenkapital, verlieren sie an Rendite und damit an Vermögenswert, der in der Bilanz angesetzt werden darf. Obwohl ein Test auf Werthaltigkeit (Impairment) erst Ende 2014 stattfand, muss die Deutsche Bank deshalb gerade im Investmentbanking weitere Abschreibungen vornehmen.

          Vor allem aber versucht der neue Vorstandsvorsitzende John Cryan schon nach kaum mehr als 100 Tagen im Amt, zügig reinen Tisch in der aufgeblähten Bankbilanz zu machen. Die Firmenwerte der von seinen Vorgängern Hilmar Kopper, Rolf-Ernst Breuer und Josef Ackermann teuer erworbenen Banken Bankers Trust, Postbank und Hua Xia müssen in der Vermögensbilanz der Deutschen Bank erheblich herabgesetzt werden.

          Damit nicht genug, muss die Deutsche Bank die Rückstellungen für drohende Strafen wegen fast ausschließlich von Mitarbeitern im Investmentbanking hervorgerufener Rechtsstreitigkeiten auf rund 5 Milliarden Euro aufstocken. Alle Lasten, zusammen 7,6 Milliarden Euro, werden im dritten Quartal 2015 – dem ersten unter Cryans Verantwortung – gebucht, wie die Deutsche Bank am späten Mittwochabend bekanntgegeben hat. Nach einigen Schrecksekunden, in denen der Aktienkurs der Deutschen Bank um 3 Prozent fiel, lag der Kurs am Donnerstag sogar zeitweise im Plus, schloss jedoch letztlich 1,8 Prozent im Minus.

          Aktionäre sind beeindruckt

          Viele Anleger zeigten sich beeindruckt davon, wie entschlossen Cryan durchgreift. Dabei hatte die Deutsche Bank am Mittwochabend weitere unangenehme Botschaften an die Aktionäre abgegeben: Die Dividende wird gekürzt, fällt möglicherweise sogar erstmals seit den fünfziger Jahren für 2015 ganz aus. Allerdings ist die Gewinnausschüttung mit zuletzt 0,75 Euro je Aktie ohnehin nicht üppig. 2014 ging an alle Aktionäre insgesamt nur rund 1 Milliarde Euro. Die Mitarbeiter im Investmentbanking dagegen bekamen allein an Erfolgsprämien (Bonus ohne Festgehalt) 1,7 Milliarden Euro überwiesen. Aktionäre, Mitarbeiter im Privatkundengeschäft und die Öffentlichkeit beklagen seit längerem ein Missverhältnis zwischen den Boni der Investmentbanker und den Gewinnen der Bank, die auch durch Strafen für Fehlverhalten der Investmentbanker aufgezehrt werden.

          Cryan stimmte nun am Donnerstag die Mitarbeiter in einem Brief auf Boni-Kürzungen ein: „Unsere Aktionäre erwarten zu Recht, dass die Mitarbeiter einen Teil der Belastung tragen.“ Der Brite verspricht, sich persönlich dafür einzusetzen, einen „fairen Ausgleich zwischen Mitarbeiter- und Aktionärsinteressen zu finden“. Den Aktionären gefällt, dass Cryan damit zu beginnen scheint, was er zum Amtsantritt im Juli versprochenen hatte: die Kosten und Komplexität zu verringern. Gleichwohl ist die überraschend positive Reaktion der Börse am Donnerstag erklärungsbedürftig. Schließlich schätzt die Deutsche Bank, dass sie wegen der am Mittwoch bekanntgegebenen Lasten im dritten Quartal 6,2 Milliarden Euro Verlust ausweisen muss. Ganz genau wird man das erst am 29. Oktober wissen. Bis dahin hat die Bank ihr Geschäftsergebnis genau ermittelt, dann will Cryan auch Details zur Strategie bis 2020 bekanntgeben. Dazu gehören Investitionen in Informationstechnik, vermutlich aber auch ein Abbau von 10.000 der ohne die Postbank rund 83.000 Stellen im Konzern.

          Bild: dpa

          Falls die Deutsche Bank am 29. Oktober tatsächlich 6,2 Milliarden Euro Verlust mitteilen muss, wäre dies nicht nur der höchste Quartalsverlust ihrer 145 Jahre langen Unternehmensgeschichte. Wie bedrohlich hoch der Quartalsverlust ist, zeigt sich auch daran, dass die Deutsche Bank zuletzt 2007 in einem Gesamtjahr einen Gewinn in dieser Größenordnung erzielen konnte. Im ersten Halbjahr 2015 hat die Bank nach Abzug von Steuern 1,4 Milliarden Euro verdient. Nun, nach den hohen Belastungen im dritten Quartal, kippt das Ergebnis nach neun Monaten auf 4,8 Milliarden Euro Verlust.

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