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Reisen gemäß der Scharia : Ein riesiger islamischer Markt entsteht

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Seit einem Monat ist die malaysische islamische Fluggesellschaft Rayani Air im Geschäft. Bild: AP

Flugzeugfliegen nach den Geboten des Koran: Immer mehr Fluggesellschaften bieten Reisen für gläubige Muslime an. Experten sagen diesem Markt viel Wachstum voraus - die Zahl 200 Milliarden Dollar steht im Raum.

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          Abdullah Al Mubarak würde erwägen, Rayani Air regelmäßig zu nutzen, sollte die erste Scharia-konforme Fluglinie von Malaysia ihrem Ruf gerecht werden. „Ich habe gehört, dass die Fluggesellschaft der islamischen Lehre folgt, wie vor dem Abflug ein Gebet zu sprechen“, sagt der 30 Jahre alte Lehrer im Wartebereich eines Flughafens in der Nähe von Kuala Lumpur, vor seinem Flug mit einer Maschine der Airline in die Stadt Kota Bharu gegenüber der Nachrichtenagentur „Bloomberg“: „Die Flugbegleiterinnen sind anständig bekleidet, was gut ist, weil ich einen jungen Sohn dabei habe. Wenn der Service gut ist, werde ich vielleicht immer mit ihnen fliegen.“

          Rayani Air nahm den Flugbetrieb am 20. Dezember des vergangenen Jahres auf und wurde damit zur vierten Fluggesellschaft, die islamischen Grundsätzen folgt - nach Saudi Arabian Airlines, Royal Brunei Airlines und Iran Air. Das bedeutet: An Bord wird kein Alkohol ausgeschenkt, Halal-Essen wird angeboten und das weibliche muslimische Kabinenpersonal trägt eine Kopfbedeckung.

          Die malaysische Airline fliegt derzeit drei Ziele im Inland an und plant, bis zum Jahr 2017 auch Ziele im Ausland anzusteuern, erklärt Geschäftsführer Jaafar Zamhari. Rayani Air könnte sich seiner Aussage nach um Kredite bemühen oder andere Investoren an Bord holen und würde letztlich gerne an der Börse notiert sein. Das Unternehmen wetteifert mit seiner Konkurrenz um ein Stück des nach Angaben „Bloombergs“ 145 Milliarden Dollar großen muslimischen Reisemarkts, der dem Reiseberater Crescent Rating aus Singapur zufolge bis zum Jahr 2020 auf rund 200 Milliarden Dollar wachsen könnte.

          Dies birgt Chancen für Kapitalgeber: Saudi Arabian Airlines erwägt einen Börsengang, während Fluggesellschaften wie Emirates und PT Garuda Indonesia seit dem Jahr 2008 als Sukuk bezeichnete islamische Anleihen im Wert von 12 Milliarden Dollar verkauft haben. „Muslimische Reisende schauen sich nach Dienstleistungen und Angeboten um, die ihre Bedürfnisse berücksichtigen“, sagt Fazal Bahardeen, Chef von Crescent Rating in Singapur. „Es gibt definitiv Wachstumspotenzial für Fluggesellschaften“, die Alkohol verbieten, Hahal-Kost servieren und Gebetsmöglichkeiten haben, fügt er an.

          Der Anbieter Rayani Air arbeitet derzeit mit zwei Boeing-737-400-Maschinen, will die Flotte aber bis zum Jahr 2017 um zwei Flugzeuge des Typs 737-800 erweitern, sagt Geschäftsführer Jaafar. Kommendes Jahr sollen Manila, Jakarta, Phuket und Tiruchirappalli in Südindien angeflogen werden. Innerhalb von zehn Jahren soll es dann auch nach Europa gehen, zum Beispiel um Pilger nach Saudi-Arabien zu bringen. Die Passagiere der Fluggesellschaft unterliegen dabei keinen Kleidervorschriften und es gibt keine Geschlechtertrennung in den Maschinen.

          „Glaube beeinflusst Kaufentscheidungen“

          Daneben wollen auch Anbieter aus nicht-muslimischen Ländern offenbar auf dem Scharia- konformen Reisemarkt Fuß fassen. Firnas Airways etwa, eine Fluggesellschaft mit Sitz in Großbritannien, die von dem Geschäftsmann Kazi Shafiqur Rahman aus Bangladesh gegründet wurde, will in diesem Jahr den Betrieb aufnehmen und nach Südasien fliegen.

          Die Kundschaft wächst derweil wohl ebenfalls sehr schnell: Die Anzahl der muslimischen Reisenden werde bis zum Jahr 2020 um beinahe 40 Prozent auf 150 Millionen Menschen zunehmen, schätzen Crescent Rating und Mastercard in einer gemeinsamen Analyse. Das bringe viele neue Dienstleistungen hervor wie Berechnungshilfen für die Gebetszeiten auf Flügen und Mobiltelefon-Anwendungen, um die Standorte der nächstgelegenen Moscheen herauszufinden.

          „Muslime werden jetzt für die ganze Welt zu einem wichtigen Verbrauchermarkt“, heißt es in der Analyse: „Glaube beeinflusst zunehmend ihre Kaufentscheidungen.“

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