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Reiseführer : „Lonely Planet“ gehört jetzt ganz der BBC

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Besonders bei Rucksackreisenden beliebt: „Lonely Planet”-Reiseführer Bild: Lonely Planet

Millionen Urlauber haben mit „Lonely Planet“ die Welt entdeckt. Von Melbourne aus setzten die Gründer der Reiseführerserie mehr als 30 Jahre lang Maßstäbe. Jetzt gehört der Verlag komplett der BBC.

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          Die weltbekannten „Lonely Planet“-Reiseführer kommen ab jetzt vollständig aus dem Haus des britischen Senders BBC. Die in Melbourne ansässigen Gründer Maureen und Tony Wheeler stiegen aus - sehr zum Bedauern der australischen Medien. „Eine weitere australische Ikone wird nun von Ausländern kontrolliert“, lamentierte die Zeitung „Sydney Morning Herald“ am Sonntag.

          Lonely Planet ist einer der größten Reisebuchverlage der Welt. Er hat im Januar sein 100-millionstes Buch verkauft und beschäftigt rund 500 Mitarbeiter in Melbourne, London und Oakland in Kalifornien.

          Die größtenteils gebührenfinanzierte BBC war bereits 2007 zu 75 Prozent bei Lonely Planet eingestiegen (siehe BBC kauft Lonely Planet). Sie hat den traditionellen Buchverlag zu einer Multimedia-Plattform weiterentwickelt und damit den Marktanteil in den wichtigsten Märkten nach eigenen Angaben von 18,2 auf 20,6 Prozent erhöht.

          Lonely-Planet-Gründer Tony Wheeler
          Lonely-Planet-Gründer Tony Wheeler : Bild: AP

          Das war nicht die Welt der Wheelers. Sie hatten ihren ersten Reiseführer 1973 praktisch am Küchentisch produziert. Er hieß „Across Asia on the Cheap“ - etwa: Billig durch Asien. Sie waren zuvor monatelang von Europa nach Australien unterwegs gewesen. Die Buch-Reihe war und ist besonders bei Rucksackreisenden beliebt.

          Die Wheelers zogen sich jedoch offensichtlich ohne Groll zurück. „Wir wünschen dem Unternehmen und der Lonely-Planet-Gemeinde jeden erdenklichen Erfolg für die Zukunft“, zitierte die BBC die Wheelers auf ihrer Webseite. Tony Wheeler ist gerade in der Südsee unterwegs und schreibt einen Reise-Blog für die Lonely Planet-Webseite.

          Die BBC-Übernahme des letzten Viertels der Anteile vollzog sich in den vergangenen Tagen fast unbemerkt. Die BBC zahlte nach eigenen Angaben 67,2 Millionen australische Dollar (rund 50 Millionen Euro) für die 25 Prozent. Beim Einstieg 2007 hatte sie 201 Millionen Dollar investiert.

          Den Australiern gilt Lonely Planet als australisches Kultobjekt wie Vegemite, der salzige Brotaufstrich aus Hefeextrakt, oder der Schwimmmodehersteller Speedo. Vegemite gehört dem amerikanischen Nahrungsmittelkonzern Kraft, Speedo der britischen Pentland Holding.

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