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Reisebüro für Kuscheltiere : Gute Reise, lieber Teddy!

Ein Teddybär vor dem Berliner Reichstag Bild: Picture-Alliance

Auch Kuscheltiere haben ein Recht auf Urlaub. Eine Agentur bietet Sightseeing-Touren für sie an. Aber wer zahlt für so etwas?

          Urlaub hilft gegen Stress, das ist allseits bekannt. Und Stress haben – natürlich – vor allem Arbeitnehmer, die viel arbeiten, sich über ihren Chef ärgern und dann auch noch jeden Tag im Stau stehen. Es gibt aber auch andere, die sich eine Auszeit verdient haben: Kuscheltiere. Dieser Meinung ist zumindest Karsten Morschett, der in Berlin mit „Teddy Tour Berlin“ die erste Reiseagentur für gestresste Kuscheltiere gegründet hat und damit sehr erfolgreich ist.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          „Inzwischen haben Hunderte Kuscheltiere Berlin besichtigt“, berichtet Morschett nicht ohne Augenzwinkern. Die Anreise der Kuscheltiere erfolgt auf dem Postweg. Oft sind die Päckchen liebevoll gestaltet, Teddys und Häschen reisen nicht nur aus dem Rest von Deutschland, sondern aus der ganzen Welt nach Berlin. „Der am weitesten gereiste Teddy kam aus Tasmanien“, sagt Morschett. Wie alle anderen Tiere wurde auch der tasmanische Teddy von Morschett und seinem Geschäftspartner Thomas Vetsch in einen Fahrradkorb gesteckt und dann kreuz und quer durch Berlin gefahren. „Sie sollen ja schließlich etwas sehen und werden dabei auch noch schön durchgelüftet.“

          Die Idee zu der ungewöhnlichen Reiseagentur kam Morschett nach eigener Aussage, als er auf der Suche nach einem Geschenk für einen Freund war. Er erfuhr, dass dieser ein Kuscheltier hat, das er regelmäßig zum Einkaufen mitnimmt. Morschett entführte den Bären kurzerhand, fotografierte ihn an verschiedenen Sehenswürdigkeiten in Berlin und landete mit dem Fotoalbum einen Riesenerfolg auf der Geburtstagsparty des Freundes. Das war der Anfang.

          Auch Nilkreuzfahrten im Angebot

          Die Agentur „Teddy Tour Berlin“ gibt es seit 2005, also schon deutlich länger als Instagram oder Facebook. Doch die digitalen Plattformen haben den Trend zur Kuscheltier-Reise verstärkt, inzwischen gibt es beispielsweise auch Anbieter von Nilkreuzfahrten und Hüttenzauber für Kuscheltiere. Auf Instagram existiert eine regelrechte Community von reisenden Kuscheltieren: Deren Besitzer – in der Regel sind es Erwachsene, keine Kinder – schicken sie rund um die Welt und lassen sie vor den Pyramiden, vor dem Taj Mahal oder auf der Brooklyn Bridge in New York fotografieren.

          Die Kuscheltier-Fahrt durch Berlin ist ab 39 Euro buchbar, Picknick im Tiergarten inklusive. Die Luxusvariante inklusive Besuch auf dem Ku’damm kostet 109 Euro. Von jeder Reise geht ein Betrag an den gemeinnützigen Verein Nestwärme, der sich um Familien mit kranken und behinderten Kindern kümmert. Zum Leben reichen die Einnahmen aus dem Kuscheltier-Tourismus für den Gründer nicht, im Hauptberuf ist er Schauspieler und organisiert mit einem Tourneetheater Krimi-Dinner. Das Geschäft mit den Kuscheltieren nimmt Morschett nicht bierernst. Willkommen seien alle Tiere, sagt er, die in ein Standardpäckchen der Post passen. „Egal welche Rasse, welches Geschlecht oder welche sexuelle Orientierung die Tiere haben, wir nehmen alle auf.“ Auch Tiere mit Behinderungen könnten die Tour problemlos mitmachen. „Manchmal fehlen Ohren und Beinchen, aber wir sind sehr tolerant.“

          Ein devoter Teddy auf Clubtour

          Besonders gern erzählt der Gründer die Geschichte von der zwei Meter großen Stoffgiraffe aus Helsinki, die per Spedition anreiste und deren Rückreise sich besonders schwierig gestaltete. Einmal habe eine Domina angerufen, die ihren devoten Teddybären auf Clubtour durch Berlin schicken wollte. Ein anderes Mal habe einem Bären eine Schachtel Viagra beigelegen, zusammen mit der Bitte, er möge doch in Berlin endlich mal eine Bärin kennenlernen. (Am Ende, verrät Morschett, verliebte der Bär sich in eine Barbie aus Finnland.)

          „Bei allem Spaß ist das aber eine wirklich emotionale Gelegenheit“, sagt der Reiseveranstalter. „Manche schicken uns ihre Kuscheltiere, weil sie selbst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sind, zu reisen. Das ist dann schon sehr rührend.“

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