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Reise : Die Kreuzfahrt lockt

  • Aktualisiert am

Aida Cruises dominiert den deutschen Markt Bild: picture-alliance/ dpa

Der Kreuzfahrtmarkt in Deutschland wächst ungebremst weiter. Nachdem die Aida-Flotte dem deutschen Markt neue Impulse gegeben hat, will nun auch TUI mit neuen Schiffen unter dem Namen „TUI Cruises“ ins Geschäft einsteigen.

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          Der Kreuzfahrtmarkt Deutschland wächst ungebremst weiter. Das weckt auch bei der TUI AG Begehrlichkeiten, an diesem Geschäft teilzuhaben. Nachdem die Aida-Flotte dem deutschen Markt neue Impulse gegeben und auch das Image der Kreuzfahrt mit ihren Clubschiffen verjüngt hat, richten sich die Blicke nun nach Hannover. Ende des vergangenen Jahres hatte der TUI-Vorstandsvorsitzende Michael Frenzel angekündigt, er plane den Einstieg in den Massenmarkt mit neuen Schiffen unter dem Namen „TUI Cruises“.

          Auf der Hauptversammlung der TUI an diesem Mittwoch wird Frenzel wohl wieder auf die neue „Zwei-Säulen-Strategie“ des Konzerns - Tourismus und Schiffahrt - eingehen. Denn mit der Konzerngesellschaft Hapag Lloyd ist die TUI sowohl in der größeren Containerschiffahrt mit einem Umsatz von 3,1 Milliarden Euro als auch bei den Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten mit 148 Millionen Euro Umsatz tätig. Mit dem letztjährigen Zukauf der kanadischen CP Ships wurde das Containergeschäft deutlich ausgebaut. Nun ist die Branche gespannt, wann Frenzel im Kreuzfahrtgeschäft nachlegt. Im März, bei der Vorstellung der Bilanzzahlen, mied Frenzel in seiner Rede allerdings das Thema Kreuzfahrt. Erst auf Nachfragen deutete er an, daß es „ein Zeitfenster bis Ende des Jahres“ gebe. Der Entscheidungsdruck komme aus dem Markt, der seit Jahren in Deutschland beträchtliche Zuwachsraten ausweise, sagte Frenzel damals.

          Das Angebot ist da, nur fehlen die Schiffe

          Schließlich zählten die Veranstalter von Hochsee- und Flußkreuzfahrten vergangenes Jahr rund 965.000 Passagiere. Das entspricht einem Plus von 8,5 Prozent, wie der Deutsche Reiseverband (DRV) in seiner Kreuzfahrtstudie im März mitteilte. Allein die Anbieter von Hochseekreuzfahrten erzielten trotz eines im vergangenen Jahr weiter schwachen Konsumklimas ein Umsatzwachstum von 7,2 Prozent (siehe Grafik). Auch für das laufende Jahr stimmen die Erwartungen optimistisch: Rund 75 Prozent der vom DRV befragten Unternehmen erwarten eine Steigerung der Passagier- und Umsatzzahlen. Für ausreichend Kapazitäten ist außerdem gesorgt: Mit vier zusätzlichen Schiffen, die 2006 exklusiv für Kunden aus dem deutschen Markt eingesetzt werden, steigern die deutschen Veranstalter von Hochseekreuzfahrten ihr Angebot an Passagiernächten um mehr als 750000.

          Das Angebot ist also da. Nur fehlen die Schiffe, die Frenzel sich wünscht und die er allein bewirtschaften will. Schiffe in einer Größenordnung von 500 bis 600 Plätzen gebe der Markt her, aber Frenzel strebt größere Kategorien an, die sich an den Zahlen der amerikanischen Kreuzfahrtanbieter orientieren, und das wären jeweils rund 2500 Plätze. Da ein neues Schiff, wenn es heute bestellt wird, aber frühestens 2008 in Dienst gestellt würde, könnte sich dann der Markt beruhigt haben. Und noch etwas treibt Frenzel um. Mit einem Schiff allein wäre wohl zusätzlich zu den vier Schiffen der Hapag Lloyd, zwei davon im Eigenbesitz, kein Staat zu machen. Wenn er aber jetzt ein Flottenprogramm verkünden würde, das rund eine Milliarde Euro kosten könnte, wären die negativen Auswirkungen auf den Aktienkurs vorhersehbar.

          Neujustierung der Schiffahrtspläne

          So könnte es sein, daß das Augenmerk der TUI doch eher auf der Containerschiffahrt ruht. Hier ist die Übernahme von CP Ships noch nicht verdaut, wie die Quartalszahlen vom Dienstag zeigen. Die mögliche Neujustierung der Schiffahrtspläne im TUI-Konzern könnte den zuständigen Projektmanager Richard Vogel zur Tatenlosigkeit verurteilen. Denn Vogel, der frühere Geschäftsführer der Aida-Gruppe, ist seit elf Monaten mit diesem Projekt betraut. Bei Aida, dem Flaggschiff der ehemaligen Seetours, die heute wie die italienische Costa Crociere eine Tochtergesellschaft des weltgrößten Kreuzfahrtkonzerns Carnival ist, hat Vogel dem Segment Hochseekreuzfahrt neue Kundengruppen erschlossen.

          Die Clubschiffe sprechen mehr Familien und jüngere Klientel an, während die etablierte Kreuzfahrt - auch wegen des Preises - eher der älteren Generation vorbehalten bleibt. Dies gilt auch für das Flaggschiff der Hapag Lloyd, die MS „Europa“, die seit sechs Jahren als Fünf-Sterne-plus-Schiff ausgezeichnet ist und Seefahrt mit höchstem Komfort verbindet. Die anderen drei Schiffe der TUI-Konzerngesellschaft, „Bremen“, „Hanseatic“ und „Columbus“, erweitern das Angebot mit Entdeckerreisen oder sogenannten „legeren Genußreisen“, sind aber allesamt zu klein, um auf dem deutschen Markt mehr als eine Nebenrolle zu übernehmen.

          Aida Cruises vor Costa

          Den deutschen Hochseekreuzfahrt-Markt dominiert mit einem Anteil von 35 Prozent Aida Cruises vor Costa mit 15 Prozent und MSC Kreuzfahrten mit 8 Prozent. MSC Kreuzfahrten ist eine Tochtergesellschaft der italienischen Reederei Mediterranean Shipping Company. Die übrigen Reedereien, darunter auch Hapag Lloyd, teilen sich die restlichen 42 Prozent des Marktes.

          Für einen Ausbau der Kreuzfahrtaktivitäten der TUI böte sich die kostengünstigere Variante eines Gemeinschaftsunternehmens an. Die NCL (Norwegian Cruise Line) Corporation Ltd. mit Sitz in Miami ist eine international operierende Reederei, die seit Februar 2000 zur Star Cruises Ltd. gehört und versucht, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen, aber damit Schwierigkeiten hat. Eine Marke namens „TUI Cruises“ könnte daher beiden helfen, wird unter Experten spekuliert.

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