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Reiche Kundschaft, dunkle Geschäfte : Soap am Rhein

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Das Oppenheim-Arcandor-Schickedanz-Debakel: Bei Josef Esch (r.) laufen die Fäden zusammen. Nicht zufällig steht Kölns OB Schramma neben ihm bei der Grundsteinlegung für die Nordhallen der Köln-Messe Bild: Wolfgang Jorzik

220 Jahre lang war die Privatbank Sal. Oppenheim selbständig. Jetzt sind die vermögenden Kunden vergrätzt, die Bank verliert ihre Unabhängigkeit. Und Namen wie Thomas Middelhoff, Josef Esch und Matthias Graf von Krockow sind eine Last.

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          Eine renommierte Unternehmerfamilie hat schon Konsequenzen gezogen. Sie unternimmt seit geraumer Zeit Schritte, ihr Engagement so weit wie möglich zurückzuführen. Diese tief im Christentum verwurzelte Familie hat strenge ethische Unternehmensleitlinien. Es sind die Deichmanns aus Essen. Sie haben bis 2003 in verschiedene Immobilienfonds investiert, die das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim gemeinsam mit dem Immobilien-Entwickler Josef Esch aus Troisdorf aufgelegt hat. Es sollte damals Kapital für die im Erbfall fällige Steuer gesammelt werden. Dann erfuhren die Deichmanns über die Medien mehr und mehr über angeblich fragwürdige Geschäftspraktiken, die hinter einigen dieser Beteiligungsmodelle stecken sollten. Und das hat sie irritiert: "Wir können diesen Komplex bisher nicht abschließend beurteilen, legen aber Wert auf die Feststellung, dass für Deichmann korrektes und transparentes Wirtschaften Fundament des unternehmerischen Handelns ist." Vorverurteilen will man nicht, lässt sich aus dieser Stellungnahme schließen. Doch die 220 Jahre alte Privatbank, die gerade dabei ist, ihre Eigenständigkeit zu verlieren, erschüttert so etwas ins Mark. Galt sie doch immer als die Bank, der die Reichsten der Republik gern Vermögen anvertrauten.

          Andere waren nicht so konsequent. Thomas und Cornelie Middelhoff haben ebenfalls geschlossene Fonds von Oppenheim-Esch gezeichnet. Es sind vor allem die, die fünf Handelsimmobilien an Karstadt vermieten. Das Engagement stammt aus alten Vor-Arcandor-Zeiten Middelhoffs. Der Ex-Bertelsmann-Manager hatte Geld aus hohen Prämien und Abfindungen anzulegen. Die Empfehlung, sich mit der Betreuung seines wohl nicht unbeachtlichen Vermögens doch an den auch in Steuerfragen versierten Immobilienfachmann und Vermögensverwalter Esch zu wenden, soll angeblich aus dem Hause der Deutschen Bank gekommen sein. Als Middelhoff später von der in Vermögensfragen ebenfalls von dem Selfmademan Esch betreuten Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz gebeten wurde, zunächst den Aufsichtsrats- und wenig später den Vorstandsvorsitz des Handelskonzerns zu übernehmen, legte er das Engagement zwar offen. Gleichwohl beschäftigte das Thema später fast jede Hauptversammlung. Denn es hat unzweifelhaft einen merkwürdigen Beigeschmack, mit dem Anspruch des Sanierers anzutreten und zugleich privat von den hohen Mieten zu Lasten des Unternehmens zu profitieren. Ein Ausstieg wäre kompliziert und steuerlich äußerst unvorteilhaft gewesen, heißt es.

          Auf der verzweifelten Suche nach Einnahmen für Karstadt

          Es war Middelhoffs Vorvorgänger Urban, der den Immobiliendeal mit den umstrittenen Mietverträgen Anfang des Jahrtausends abgeschlossen hatte. Auf der verzweifelten Suche nach Einnahmequellen für den maroden Konzern wollte er auch das Immobilienrad drehen. "Mein Freund Josef" (O-Ton Oppenheim-Gesellschafter Matthias Graf von Krockow über Esch) oder "das Phantom von Troisdorf", bei dem so viele Fäden in dem gesamten ineinander verwobenen Oppenheim-Arcandor-Schickedanz-Debakel zusammenlaufen, stand bereit. Was Esch und Urban in welcher Form miteinander verabredet haben und ob Arcandor später unter Leitung Middelhoffs daraus millionenschwere Ansprüche hätte geltend machen können, all das ist nun die große Frage. Sie hat schon viele gutachterliche Seiten gefüllt und beschäftigt inzwischen die Staatsanwaltschaft Bochum. Esch soll Urban damals mehr als 100 Millionen Euro als Ausgleich aus anderen Immobiliengeschäften versprochen, später aber lediglich 25 Millionen überwiesen haben. Nach dem Rauswurf des glücklosen Handelsmanagers kam jedenfalls nichts mehr aus Troisdorf.

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