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Regenwald : Palmöl für die Welt

  • -Aktualisiert am

Die Ölpalme liefert so viel Öl wie keine andere Pflanze Bild: Jan Hauser

Margarine, Kekse, Waschmittel: Jeder kauft Produkte mit Palmöl. Das zerstört den Regenwald, sagen die einen. Andere sehen das Geld und die Arbeit, die es Indonesien und Malaysia bringt. Dem Klima schaden will keiner.

          Musa Hitam könnte auch die Aussicht genießen. Rings um ihn herum strecken sich die Bäume im Regenwald zum Himmel, der Nebel verdeckt die Spitzen der Gipfel. Doch er muss sich verteidigen. Hitam erhebt sich vom Sofa auf der Veranda des Hauses einer kleinen Siedlung im Regenwald in Sabah, ein Gebiet Malaysias auf der Insel Borneo. Er muss darüber sprechen, was dieses Idyll im Nebel bedroht. „Ihr Leute aus dem Westen habt genauso euer Holz abgeholzt und seid reich geworden“, sagt er. „Und jetzt sagt ihr, dass wir das nicht dürfen.“

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit dem Hubschrauber ist er eben auf der Lichtung am Fluss in Maliau Basin gelandet, ein weitgehend unberührtes Naturschutzgebiet mit bislang 40 entdeckten Wasserfällen. Erst ein Viertel der 500 Quadratkilometer des Regenwaldes ist erkundet, den sie Sabahs „Vergessene Welt“ nennen. Die Bedrohung für die Wälder geht von der Industrie aus, für die Musa Hitam arbeitet: Er ist Verwaltungsratsvorsitzender von Sime Darby, dem größten börsennotierten Palmölproduzenten der Welt. Die Branche ist verdammt erfolgreich: 50 Millionen Tonnen Palmöl hat die Welt im vergangenen Jahr geschluckt – mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren und weit mehr als Soja, Raps oder irgendein anderes Öl. Indonesien und Malaysia sind mit Abstand die größten Lieferanten. Und der Bedarf wächst ununterbrochen. Wohin also mit immer mehr Plantagen? Am einfachsten fällt es den Großunternehmen, Regenwald schnell abzubrennen und dort Ölpalmen zu pflanzen – egal, wer an dem Land die Rechte hat, welche Tiere dort herumtollen, wie viel Torf im Boden verbrennt und noch mal mehr Kohlenstoffdioxid freisetzt. Abgeholzt wird außer für Palmölplantagen vor allem für Papier und Zellstoff.

          Das alles weiß der 77 Jahre alte Musa Hitam. In den achtziger Jahren war er stellvertretender Ministerpräsident von Malaysia, später Sonderbeauftragter bei den Vereinten Nationen für sein Land. „Vor 30 Jahren habe ich als Minister eine Rede gehalten, in der ich sagte, dass wir uns dafür schämen müssten, der größte Exporteur von Tropenholz zu sein“, sagt er auf der Veranda im Regenwald. Hitam ist derzeit auch Vorsitzender des World Islamic Economic Forum. Er trägt ein kariertes Hemd, darüber eine blaue Jacke, auf der „Kuala Lumpur Golf & Country Club“ mit Emblem eingestickt ist. Ob er jetzt zufrieden ist? „Nein, niemals“, sagt er. „Das Problem damit ist das Geld.“

          „Die Plantagen werden hier bleiben”, sagt Glen Reynolds

          Der Raubbau lässt den Klimawandel immer weiter voranschreiten. Am Palmöl klebt Blut von Tigern, Orang-Utans und Nashörnern, deren Lebensraum schrumpft. So sehen es jedenfalls die, die sich ihren Schutz auf die Fahne geschrieben haben. Auf der indonesischen Insel Sumatra etwa steht nur noch jeder zweite Baum: Von 1985 bis heute ging die Hälfte der Tropenwälder verloren, haben Umweltschützer berechnet – 13 Millionen Hektar Wald weniger, 7,5 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid mehr. Für die anderen ist der Anbau der Ölpalmen eine wirtschaftliche Überlebensfrage, es ist der Rohstoff, aus dem ihre Träume sind, mit dem asiatische Staaten zu Wohlstand kommen können.

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