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Initiative von Reedern : Ein Tempolimit auf den Weltmeeren?

  • -Aktualisiert am

Ein Containerschiff im Hafen von Oakland Bild: dpa

Die internationale Seeschifffahrt ist einer der großen Klimasünder. Deshalb wollen einige Reeder die Schiffe langsamer fahren lassen. Einig ist sich die Branche aber offenbar nicht.

          Es ist, als würde die Autoindustrie die Bundeskanzlerin um ein Tempolimit auf der Autobahn bitten: Vertreter von 120 internationalen Schifffahrtsgesellschaften haben an die Weltschifffahrtsorganisation appelliert, eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Wasserstraßen zu verhängen. Langsameres Fahren auf den Weltmeeren soll Treibstoff sparen und dem Klimaschutz dienen. Denn die internationale Seeschifffahrt ist einer der großen Klimasünder: Mit rund 3 Prozent der Kohlendioxidemissionen blasen die Massengutfrachter, Containerschiffe und Tanker im Jahr mehr CO2 in die Atmosphäre als alle Emittenten in Deutschland zusammen tun.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Wenn schon ein Tempolimit auf der Autobahn Sprit und CO2 spart, dann auch auf den internationalen Handelsroute. Es muss ja nicht Tempo 130 sein. Handelsschiffe durchpflügen meist mit 18 bis 24 Knoten, das sind 33 bis 45 Stundenkilometer, die Meere. Läuft es mit der Weltwirtschaft nicht so rund, wie nach dem Crash 2008/2009, lassen die Reeder ihre Schiffe auch mal trödeln. Damals sei es zu „einem dramatischen Einbruch der Treibhausgasemissionen“ gekommen, erinnern sich die Schreiber.

          Doch mit der anziehenden Nachfrage der Weltwirtschaft hätten auch die Frachter wieder einen Zahn zugelegt. „Hält der Trend an, werden die Emissions-Einsparungen durch das Langsamfahren der vergangenen Jahre wieder verschwinden.“ Damit würde das Ziel, CO2- und andere Emissionen der Seeschifffahrt bis 2050 um die Hälfte oder mehr zu senken, wohl nicht erreicht.

          Auch im Binnenland ein Thema

          Deshalb schlagen sie ein Tempolimit vor, abhängig von Typ und Größe des Schiffs. Containerfrachter zum Beispiel sollten eine auf das Jahr bezogene durchschnittliche Höchstgeschwindigkeit vorgegeben bekommen, während für alle anderen Schiffstypen ein absolutes Tempolimit eingeführt würde. Unter den Zeichnern sind viele Vermieter von Handelsschiffen, auch deutsche Charterreeder wie die F. Laeisz-Gruppe, die Peter Döhle Schifffahrts KG oder die Reederei Nord aus Hamburg. Große Linien-Reedereien wie Hapag Lloyd, Maersk oder MSC fehlen indes auf der Liste.

          Das Thema stand vergangene Woche bei einem Treffen der Weltschifffahrtsorganisation in London auf der Tagesordnung. Frankreich und Griechenland sprachen sich für das Langsamfahren aus, in der Hoffnung, bis zu einem Drittel der CO2-Emissionen zurückhalten zu können. Doch sie konnten sich nicht durchsetzen. „Anstatt über den Inhalt, diskutieren die Länder lieber über den Prozess“, sagt Faig Abassov von der Umweltgruppe „Transport & Umwelt“.

          Immerhin verschärfte die Versammlung mit 49 gegen 5 Stimmen die Effizienzvorgaben für sieben Schiffstypen – allerdings nur für Neubauten. Dan Rutherfort vom Internationalen Rat für sauberen Verkehr, nannte das einen moderaten aber notwendigen Schritt. Als nächstes müsse die Weltorganisation schärfere Regel für die Energieeffizienz schon bestehender Schiffe erwägen, um kurzfristig die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren.

          Langsamfahren gehört als Option dazu. Auch im Binnenland ist die Debatte längst angekommen. In Köln forderten Lokalpolitiker ein Tempolimit für Schiffe auf dem Rhein, für große Pötte gilt dies seit Februar schon auf der Unterelbe zwischen Wedel und dem Hamburger Hafen.

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