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Manager : Sanfter Rüffel der Redner-Profis

Telekom-Chef Timotheus Höttges Bild: EPA

Der Verband der Redenschreiber hat die Auftritte von Spitzenmanagern auf virtuellen Hauptversammlungen analysiert. Heraus kamen eine Portion Spott und ein paar leuchtende Vorbilder.

          3 Min.

          Wenn Rhetoriker von großen Reden schwärmen, denken sie selten an die Auftritte von Spitzenmanagern auf der Hauptversammlung großer Konzerne. Wirtschaftsbosse tun sich oft schwer, ihre Themen sind meist schon sperrig genug, viele verheddern sich im Jargon und in Anglizismen. Einige neigen auch noch dazu, langatmig und passiv von den eigenen Erfolgen zu berichten. Seit Beginn der Pandemie kämpfen die Vorstandschefs großer Unternehmen zudem mit dem neuen Format: der virtuellen Hauptversammlung. Wie schwer sie sich damit tun, zeigt eine neue Auswertung des Verbandes der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS). Zwar fanden die Redner-Profis auch einige leuchtende Beispiele, doch der Mehrheit der Vorstandsvorsitzenden der 30 Dax-Unternehmen gelingt auf der virtuellen Hauptversammlung keine wirklich überzeugende Inszenierung. Insgesamt ist das Urteil der Redner-Profis ernüchternd: „Die Konzerne fordern von der Bundesregierung immer, sie müsste mehr für die Digitalisierung machen. Aber wenn diese Unternehmen mal zeigen können, wie sie die Potentiale digitaler Technologien einsetzen können, gibt es bei den meisten nur Schwarzbrot statt Cremeschnittchen“, spottet Jacqueline Schäfer, die Präsidentin des Verbandes. Teilweise stünden die Vorstandsvorsitzenden „wie angewurzelt“ an ihrem Pult.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die meisten Hauptversammlungen seien – wie schon im vergangenen Jahr – einfach nur „abgefilmte Präsenzformate“. Das erinnert ein wenig an die zögerlichen Anfangstage des Fernsehens, als vorwiegend Theaterstücke auf der Bühne abgefilmt wurden, statt die neuen Möglichkeiten des neuen Formats auszuschöpfen. In der virtuellen Hauptversammlung kämpfen viele Manager mit ihren Telepromptern und haben daher ein Distanzpro­blem. „Selbst gute Redner haben Schwierigkeiten, in die Kamera zu gucken“, sagt Redenschreiber Christian Gasche, ihnen fehle das unmittelbare Feedback, das Redner anspornt oder frustriert: „Ohne Augenkontakt fühlt sich der Aktionär aber nicht wahrgenommen.“ Um die Di­stanz zu überwinden, müsse auch die Regie bei der Inszenierung helfen. Die Anforderungen an eine gute Hauptversammlung seien eigentlich ähnlich wie bei einer TV-Produktion.

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