https://www.faz.net/-gqe-7bvjv

Rechtsstreits : Skandale kosten die Deutsche Bank Milliarden

  • Aktualisiert am

Die beiden Chefbanker Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain Bild: dpa

Das Investmentbanking des wichtigsten deutschen Finanzhauses läuft ordentlich. Die vielen juristischen Auseinandersetzungen drücken den Gewinn aber stark nach unten.

          Die Deutsche Bank hat wegen hoher Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten im zweiten Quartal überraschend wenig verdient. Der Vorsteuergewinn schrumpfte auf 792 Millionen Euro, teilte Deutschlands bedeutendstes Geldhaus mit. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 967 Millionen Euro gewesen.

          Das Ergebnis ist nicht nur schwächer als im Vorjahr, es ist auch deutlich schwächer als von professionellen Marktbeobachtern erwartet worden war: Sie hatten im Schnitt mit rund 1,3 Milliarden Euro gerechnet. Unter dem Strich - also nach Steuern - blieben 335 Millionen Euro übrig; im vergangenen Jahr waren es noch 666 Millionen Euro.

          Der Investmentbanking-Bereich der Deutschen Bank lief während  der Frühjahresmonate April, Mai und Juni ganz ordentlich - wenn auch nicht ganz so stark wie bei den amerikanischen Wettbewerbern: Zwar verdiente das Institut im Kapitalmarktgeschäft vor Steuern 785 Millionen Euro und damit mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, was auch gesenkten Kosten liegt. Doch der Anleihehandel, eigentlich die Domäne der Deutschen Bank, schwächelte. Stattdessen legten der Aktienhandel und das Beratungsgeschäft zu.

          Besseres Privatkundengeschäft

          Im Privatkundengeschäft rund um die Postbank  konnte die Deutsche Bank den Vorsteuergewinn um 38 Prozent auf 507 Millionen Euro steigern. In der Vermögensverwaltung schrumpfte das Ergebnis dagegen um 17 Prozent auf 82 Millionen Euro, weil der Umbau der Sparte noch immer viel Geld kostet. Die konzerneigene „Bad Bank“ weitete ihren Verlust auf knapp 700 Millionen Euro aus.

          Was schließlich bleibt, ist die juristische Aufarbeitung der vielen Finanz-Skandale, die die Bank richtig Geld kostet. Alleine für das zurückliegende Quartal legte die Bank für Rechtsstreitigkeiten weitere 630 Millionen Euro zurück. Damit belaufen sich die die Rückstellungen jetzt auf insgesamt drei Milliarden Euro.

          Unterdessen teilte die Bank mit, dass sie auf einem anderen Themenfeld deutlich vorankommen könnte: Nach eigenen Angaben hat sie bis zu 250 Milliarden Euro Spielraum für den beabsichtigten Bilanzabbau. Die bereinigte Bilanzsumme könne ohne maßgebliche Auswirkungen auf das Ergebnis um 16 Prozent gedrückt werden, um die Verschuldungsquote zu senken. „Wir werden unsere Bilanzsumme weiter verringern. Dies wollen wir auf eine Weise tun, die es uns ermöglicht, die Anforderungen in Hinblick auf das Verhältnis von Bilanzsumme zu Kapital zu erfüllen, unser Angebot für Kunden beizubehalten und unser Geschäftsmodell zu stärken, ohne dass dies materielle Auswirkungen auf unser Ergebnis hätte“, erklärten die Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain.

          213 Milliarden Euro Liquiditätsreserven

          Ende Juni kam die Deutsche Bank nach den neuen Bilanzvorschriften „Basel III“ auf eine Verschuldungsquote von drei Prozent und erfüllt damit die von 2018 an geltenden Vorgaben knapp. Eine sogenannte Leverage Ratio von drei Prozent bedeutet, dass die Bilanzsumme der Bank 33 Mal höher ist als ihre Eigenkapitaldecke.

          Dabei kalkuliert die Deutsche Bank, dass die Bilanzsumme durch die Folgen der neuen Regulierung in Europa noch um mehr als 400 Milliarden auf fast 1,6 Billionen Euro aufgebläht würde. Ohne die nur nach dem amerikanischen Bilanzstandard US-GAAP erlaubte Bereinigung um bestimmte Derivate-Positionen lag die Bilanzsumme Ende Juni bei 1,91 Billionen
          Euro.

          „Der Werkzeugkasten bei der Verschuldung gibt uns genügend Spielraum, um mit beschleunigten oder strengeren regulatorischen Anforderungen fertig zu werden“, hieß es in einer Präsentation der Bank. Dazu gehörten unter anderem die Überprüfung von Kreditlinien, der fortgesetzte Risikoabbau in der internen „Bad Bank“ oder die Verbesserung des Managements von Sicherheiten, aber auch ein möglicher Abbau der Liquiditätsreserven, die Ende Juni allein 213 Milliarden Euro betrugen.

          Weitere Themen

          Pilotenheld kritisiert Boeing Video-Seite öffnen

          „Sully“ schlägt Alarm : Pilotenheld kritisiert Boeing

          Mehrere Piloten fordern den US-Flugzeugbauer Boeing auf, Piloten besser zu schulen, bevor die Flieger vom Unglückstyp 737 Max nach zwei Abstürzen mit hunderten Toten wieder fliegen dürfen. Die von Boeing angebotenen Schulungen reichten nicht aus, sagt unter anderem Chesley "Sully" Sullenberger. Er schrieb mit der geglückten Notlandung mit einem Airbus auf dem Hudson in New York 2009 Geschichte.

          Topmeldungen

          Steinbach und der Fall Lübcke : „Du trägst Mitschuld an seinem Tod“

          Nach dem Mord an Walter Lübcke hat der frühere CDU-Generalsekretär Peter Tauber seinen Vorwurf gegenüber seiner früheren Parteifreundin Erika Steinbach wiederholt. Steinbach sieht darin eine Diffamierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.