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Rechte an Musikaufnahmen : David Guetta macht Kasse

David Guetta 2017 bei den MTV Europe Music Awards in London Bild: Reuters

Der Star-DJ folgt dem Beispiel diverser prominenter Musiker von Bob Dylan über Imagine Dragons bis Stevie Nicks. Doch sein Deal mit Warner Music unterscheidet sich von denen der meisten anderen.

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          Hochdekorierte Songwriter-Veteranen wie Bob Dylan, Neil Young oder Stevie Nicks mögen mit die prominentesten Musiker sein, die in jüngerer Zeit Rechte an ihren Werken verkauft haben. Alleine sind sie damit bei weitem nicht. Diverse jüngere Musiker wie beispielsweise Shakira oder Imagine Dragons haben sich in den vergangenen Monaten ebenfalls gegen eine wohl stattliche Einmalzahlung von einzelnen Rechten und den damit verbundenen Tantiemen-Anteilen getrennt.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nun gesellt sich auch David Guetta zu dieser Gruppe hinzu: Die Rechte an den Musikaufnahmen der „vergangenen zwei Jahrzehnte“ des französischen Star-DJs und Produzenten gehen an die Warner Music Group, wie beide Parteien am Donnerstag mitteilten. Teil des Deals ist auch die weitere Zusammenarbeit für künftige Veröffentlichungen des 53 Jahre alten Künstlers. Der Mitteilung zufolge hat Guetta bislang rund 50 Millionen Platten verkauft. Gestreamt wurde sein Katalog zusammengenommen aktuell mehr als 14 Milliarden Mal.

          Wie der Manager des Künstlers, Jean-Charles Carré, erklärte, seien viele Kaufinteressenten auf sie zugekommen: „Wir haben uns jedoch dafür entschieden, weiter mit Warner zusammenzuarbeiten, da sie Wissen über und Leidenschaft für Davids Musik verfügen, mit einem globalen Team, das permanent daran arbeitet, diese in neuen Umfeldern zu platzieren.“ 

          Auch Finanzinvestoren greifen nach Hits

          Über den Kaufpreis wurde wie in der Regel üblich bei derartigen Abschlüssen nichts mitgeteilt. Während die Financial Times, die zuerst über den Verkauf berichtet hatte, eine Quelle zitierte, die den Preis auf mehr als 100 Millionen Dollar taxierte, berief sich die Branchenwebseite Variety auf mehrere Quellen, denen zufolge es „definitiv“ weniger als 100 Millionen Dollar seien. Der Preis sei jedoch in dieser Größenordnung einzuordnen. Das mit der Einigung über die „Innovative Career-Spanning Partnership“ bezeichnete Vereinbarung auch die bestehende Zusammenarbeit für künftige Aufnahmen fortgeführt wird, macht die Preisfrage nochmals komplizierter.

          Vor allem durch das Streaming wächst der globale Markt für Musikaufnahmen seit Jahren wieder. Zuletzt stand ein Umsatz von 21,6 Milliarden Dollar und damit ein Plus von 7,4 Prozent im Vergleich zu 2019 zu Buche – der höchste Wert seit 2002. Diese Entwicklung hat auch den Fokus von finanzstarken Akteuren außerhalb der Branche wieder stärker auf Musik gelenkt. Kataloge mit lang bewährten Hits, die auch in einigen Jahren weiter beliebt sein und damit Geld einspielen dürften, sind besonders beliebt und gelten als sicheres Investment. Durch die Platzierung in Serien, Werbung, Video-Spielen, anderen digitalen Kanälen oder schlicht weiteres Wachstum im Streamingbereich lassen sich die jährlichen Einspielsummen bisweilen auch noch steigern, so das Kalkül der Käufer. 

          Alleine der an der Londoner Börse notierte Hipgnosis-Fonds des ehemaligen Künstlermanagers Merck Mercuriadis, einer der umtriebigsten Rechte-Käufer in den vergangenen Jahren, hat seit seiner Gründung Mitte 2018 mehr als 1,5 Milliarden Dollar für einzelne Rechte an aktuell rund 64.500 Songs ausgegeben – darunter Werke von Blondie, RZA oder eben Neil Young. Mitte der Woche kündigte der Fonds an, über die Ausgabe neuer Aktien weitere 210 Millionen Dollar für weitere Akquisitionen einnehmen zu wollen.

          Die Konkurrenz um begehrte Kataloge ist groß. So erwarb zum Beispiel Sony kürzlich den Autorenkatalog von Paul Simon, Concord Music übernahm die Rechte an 145.000 Werken von Downtown Music und schon Ende März hatten sich die Bertelsmann Musiksparte und der Finanzinvestor KKR für Katalogkäufe verschiedenster Art zusammengetan. Die Liste ließe sich noch deutlich verlängern. Entsprechend stattlich sind die Preise mittlerweile.

          Guetta verkauft keine Autorenrechte

          Für 50 Prozent der Rechte an Texten und Kompositionen von 1180 Neil Young-Songs soll Hipgnosis beispielsweise im Januar 150 Millionen Dollar gezahlt haben. Der Preis für die Autorenrechte an mehr als 600 Bob Dylan-Werken, die im Dezember an die Verlagssparte von Universal Music gingen, wird sogar auf bis zu 400 Millionen Dollar geschätzt. 

          Wer Autorenrechte oder einen Teil dieser an einem Song hält, wird bei jedweder Verwendung der zugrundeliegenden Texte oder Kompositionen beteiligt – also etwa auch im Falle von Cover-Versionen, die bisweilen erfolgreicher sind als die Originalversion. In der Mehrzahl der Katalogverkäufe geht es derzeit um solche Rechte – oftmals auch von prominenten Songwritern, die selbst nicht oder kaum als Interpreten in Erscheinung treten, wohl aber mit Stars zusammenarbeiten oder für diese schreiben.

          Im Fall von Guetta jedoch kauft Warner, das kleinste der drei großen globalen Musikunternehmen hinter Sony und Branchenprimus Universal Music, lediglich die Rechte an den Aufnahmen, die Dylan, Young und Co ihrerseits wiederum nicht veräußert haben. Äußerst reizvoll für Investoren können diese Masterrechte dennoch sein, nicht zuletzt, da deutlich mehr Tantiemen etwa über Spotify & Co. an die Labelseite respektive die Inhaber der Rechte an den Aufnahmen gehen: Von den rund zwei Drittel ihrer Einnahmen, die die Streamingdienste an die Rechteinhaber der Musik auszahlen, fallen etwas mehr als 50 Prozent auf die Aufnahme ab. Oftmals halten gerade bei älteren Künstler allerdings die jeweiligen Labels nach wie vor langfristig die Rechte an den Musikaufnahmen.

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