Rebuy-Chef Philipp Gattner : „Immer weniger Hemmungen Gebrauchtes zu kaufen“
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Rebuy-Chef Phillip Gattner Bild: Saskia Uppenkamp
Die Gebrauchtwarenplattform Rebuy profitiert von steigenden Preisen und sparsamer gewordenen Konsumenten. Erstmals knackt das Unternehmen die Umsatzmarke von 200 Millionen Euro.
Die Berliner Gebrauchtwarenplattform Rebuy hat 2022 zum ersten Mal in der fast 20-jährigen Unternehmensgeschichte einen Umsatz von mehr als 200 Millionen Euro erzielt. Das gab Rebuy-Chef Philipp Gattner im Gespräch mit der F.A.Z. bekannt. „Menschen haben immer weniger Hemmungen Gebrauchtes zu kaufen“, sagt Gattner. Dazu würden neben dem Trend zu mehr Nachhaltigkeit auch die Preissteigerungen der vergangenen Monate beitragen.
„Die Leute sind vorsichtiger im Geld ausgeben geworden“, sagt Gattner, „da sind günstigere gebrauchte Produkte natürlich attraktiv.“ Dem Gebrauchtwarenhändler in die Karten gespielt hätte auch die teils schlechte Verfügbarkeit neuer Elektronikgeräte wegen Lieferkettenproblemen. Die 204 Millionen Umsatz im vergangenen Jahr entsprechen einem Wachstum von knapp 13 Prozent. Details zum Gewinn veröffentlicht das Unternehmen nicht, es arbeitet aber seit 2019 profitabel.
Allerdings musste Rebuy lange durchgehalten, ohne Gewinne erwirtschaftet zu haben. Seit 2004 kauft das Unternehmen gebrauchte Produkte erst an und verkauft sie dann an neue Besitzer. Anfangs waren das vor allem Bücher, CDs und Computerspiele. Heute macht die Firma den Großteil der Erlöse mit gebrauchten Smartphones, Laptops, Tablets und Spielekonsolen.
„Der Ankauf ist der Flaschenhals“
Rebuy überprüft diese Geräte, lässt sie neu verpacken und wenn nötig reparieren, bevor sie über den eigenen Onlineshop oder Plattformen wie Amazon zu einem höheren Preis wieder angeboten werden. Zehntausende Produkte verkauft das Unternehmen jeden Tag. Es könnten noch deutlich mehr sein, sagt Gattner, wenn es denn genügend Angebot gäbe: „Der Ankauf ist der Flaschenhals.“ Einige Konkurrenten würden oft von professionellen Zwischenhändlern zukaufen. Dort sei die Qualität häufig schlecht. Manchmal seien die dort verfügbaren Geräte nicht einmal in der EU zugelassen. Rebuy bezieht knapp 90 Prozent seiner Ware von privaten Verkäufern. Ausnahmen macht das Unternehmen bei stark nachgefragten Produkten wie dem iPhone 13 oder 14. „Die sind noch so frisch, dass sie kaum jemand verkaufen will.“ In diesen Fällen kauft Rebuy dann von einigen ausgewählten Partnern.
Auch wegen der Engpässe im Ankauf wirbt Gattner für ein Recht auf Reparierbarkeit. Die EU-Kommission hatte solch kostenlose Reparaturpflichten von Verkäufern oder Herstellern ins Spiel gebracht. Seit 2021 müssen etwa Hersteller von Kühlschränken, Spülmaschinen, Waschmaschinen, TV-Geräten und anderen elektrischen Großgeräten Ersatzteile teils bis zu 10 Jahre bereithalten. Gattner erhofft sich durch eine solche Regelung für Smartphones oder Tablets besseren Zugang zu Ersatzteilen. „Knapp 5 Prozent der angekauften Handys müssen wir wieder zurückschicken, weil wir sie nicht reparieren können.“ Noch gibt es eine solche Regelung aber nicht.
Dennoch blickt der Rebuy-Chef optimistisch in die Zukunft: „Wir stehen in Sachen Kreislaufwirtschaft noch am Anfang.“ Glaube man den Prognosen dürfte der Sekundärmarkt künftig stärker wachsen als der Primärmarkt. Gattner will sich erstmal auf die Produktkategorien fokussieren, die das Unternehmen jetzt schon im Portfolio hat. Da gebe es immer noch „enormes Potential für Wachstum.“ Perspektivisch könnte für Rebuy ein Börsengang winken. Gattner will sich da noch nicht festlegen. „Das ist nicht die einzige Option.“ Wenn das Geschäft stimme, ergebe sich der Rest schon von alleine, sagt er.