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Reaktionen in Deutschland : Auswirkungen der Bankenkrise „verkraftbar“ - oder nicht?

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Deutschland verkraftet die amerikanische Finanzkrise, glaubt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Bild: AP

Die Folgen der amerikanischen Finanzkrise auf Deutschland dürften sich in Grenzen halten. Diese Ansicht vertreten das Bundesfinanzministerium, die Finanzaufsicht Bafin und die Bundesbank. Manche Börsianer zeigen sich unterdessen weniger optimistisch.

          Das Bundesfinanzministerium sieht derzeit keine akute Gefahr, dass sich die Bankenkrise in den Vereinigten Staaten auf das deutsche Wirtschaftswachstum und damit auf den deutschen Haushalt auswirkt. Die Finanzmarktkrise in Amerika habe „bisher erstaunlich wenig Auswirkungen“ auf die Gesamtwirtschaft, sagte Ministeriumssprecher Torsten Albig am Montag in Berlin.

          Aber natürlich könne diese Krise auch Auswirkungen auf das deutsche Wachstum und damit den deutschen Haushalt haben. Nach bisherigen Erkenntnissen seien deutsche Finanzinstitute - im Gegensatz zu angelsächsischen Instituten - in einem Umfang in die Krise verwickelt, der beherrschbar und verkraftbar sei. Über weitere Erkenntnisse werde, „sobald wir es können und wollen“, informiert, sagte Albig.

          Zuvor hatten Finanzministerium, Finanzaufsicht Bafin und Bundesbank in einer gemeinsamen Erklärung die Auswirkungen der Krise bei der amerikanischen Bank Lehman Brothers auf den deutschen Markt ebenfalls als „verkraftbar“ bezeichnet. Darin hieß es: „Die Engagements deutscher Kreditinstitute bei Lehman Brothers Holding, die einen Antrag auf Gläubigerschutz angekündigt hat, halten sich in einem überschaubaren Rahmen und sind verkraftbar.“ Ministerium, Bafin und Bundesbank stünden in engem Kontakt mit den internationalen Partnerbehörden und den Spitzen der deutschen Kreditwirtschaft. Die weitere Entwicklung werde „sehr genau“ beobachtet, hieß es weiter.

          Im Finanzsektor zeigt man sich unsicher, ob die Krise ohne Blessuren für die deutschen Märkte ausgestanden werden kann. Die genauen Auswirkungen sind nach Ansicht der Commerzbank noch nicht absehbar. Zunächst müsse abgewartet werden, wie die nächsten Tage verlaufen, sagte Volkswirt Bernd Weidensteiner. Zu hoffen sei aber, dass die Auswirkungen begrenzt blieben. „Es wird eine interessante Woche werden“, sagte Weidensteiner. Es stimme aber hoffnungsvoll, dass sich die Zentralbanken des Problems angenommen hätten. Die Europäische Zentralbank hat den angespannten Finanzmärkten rund 30 Milliarden Euro frisches Geld zur Verfügung gestellt. Dennoch sei absehbar, dass die Krise noch einige Zeit andauern werde, sagte der Ökonom.

          Der Chefvolkswirt der Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt, Stefan Schilbe, sprach in der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ von zu erwartenden negativen Folgen für die deutsche und die europäische Volkswirtschaft: „Über die Handelsverflechtungen werden wir Probleme bekommen, weil immer weniger deutsche und europäische Güter gekauft werden.“ Außerdem kauften die Amerikaner weniger chinesische Güter, für die Investitionsgüter wiederum aus Deutschland geliefert würden. Während in den Vereinigten Staaten die Immobilienpreise weiter fallen würden und der Bedarf an Wertberichtigungen bei den Banken noch größer werde, sei eine ähnliche Entwicklung in der deutschen Bankenlandschaft nicht zu befürchten. Konzentrationsprozesse hätten hier bereits stattgefunden. „In Deutschland geht es nicht darum, große Banken in der Krise zu retten“, wird Schilbe zitiert.

          Auch der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Carsten Schneider, warnte vor Auswirkungen der amerikanischen Bankenkrise auf Deutschland. Die Ereignisse würden „mit Sicherheit“ Auswirkungen auf das Zinsniveau, die Eigentümerstrukturen und auf die deutsche Wirtschaft haben, sagte Schneider im Deutschlandradio. Angesichts der Milliarden Dollar, die die Vereinigten Staaten schon für die Rettung der Banken und Konjunkturprogramme ausgegeben hätten, sei Deutschland bisher aber noch „glimpflich davon gekommen“.

          Unterdessen hat die Bafin im Fall des deutschen Lehman-Ablegers reagiert. Die Finanzaufsicht blockierte weitere Geschäfte der Lehman Brothers Bankhaus AG. Gegenüber der Bank sei ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen worden, teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Bonn mit. Außerdem sei der Bank untersagt worden, Zahlungen entgegen zu nehmen, die nicht zur Tilgung von Schulden ihr gegenüber bestimmt seien. Dieses Moratorium habe angeordnet werden müssen, um die verbliebenen Vermögenswerte zu sichern.

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