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Reaktion auf Einreiseverbot : Spekulationen über Trumps Geschäftsinteressen

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Donald Trump, seine Tochter Ivanka und der Chef der Doyan-Mediengruppe im April 2012 vor der Trump Towers Istanbul Mall. Bild: dpa

Donald Trump hat vorübergehend die Einreise von Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern untersagt. Beobachter stellen nun eine gewagte These auf, warum es gerade diese Staaten trifft und manch anderen nicht.

          Kurz nachdem der neue amerikanische Präsident ein Einreiseverbot für sieben mehrheitlich muslimische Länder dekretierte, ist einigen Beobachtern aufgefallen, dass gerade diese Staaten eines gemeinsam haben: Trumps Unternehmen haben offenkundig in keinem dieser Staaten geschäftliche Interessen, schreibt die „Washington Post“

          Trump verhängte das Einreiseverbot gegen Syrien, Irak, Iran, Sudan, Somalia, Jemen und Libyen. Nicht auf der Liste stehen beispielsweise Saudi-Arabien, Ägypten, Indonesien oder die Türkei sowie viele kleinere Staaten in der Golfregion.

          Weißes Haus weist Vorwurf zurück

          Die Trump-Organisation hatte dem Bericht zufolge mehrere Gesellschaften gegründet, um Geschäfte in Saudi-Arabien zu machen. Diese seien im Dezember allerdings mit der Begründung, keines der avisierten Projekte mache Fortschritte, wieder geschlossen worden. In Dubai wiederum hat Trump eine Lizenzvereinbarung mit einem Golf-Ressort, in Indonesien würden zwei Ressorts auf den Weg gebracht, die Trumps Namen tragen, es gehe um Gemeinschaftsprojekte mit lokalen Firmen. Außerdem tragen zwei große Immobilien in der türkischen Metropole Istanbul den Namen des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

          Der renommierte Politikanalyst Ian Bremmer schreibt auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Das ist kein Verbot für Muslime. Das ist ein Verbot für muslimische Länder, in denen Trump keine Geschäfte macht.“

          Fragezeichen an dieser spekulativen Einschätzung sind allerdings angebracht. Immerhin ist Saudi-Arabien seit vielen Jahren ein wichtiger Verbündeter Amerikas in der Region, Ägypten ebenfalls. Dass die meisten Attentäter der Anschläge vom 11. September aus Saudi-Arabien stammten, fiel auch unter den vorherigen Präsidenten Obama und Bush diesbezüglich nicht sonderlich ins Gewicht.

          Die Türkei ist Mitgliedsland der Nato. In diesem Fall hat allerdings zumindest das amerikanische Außenministerium in der jüngeren Vergangenheit durchaus Bedenken vor einem Übergreifen des Terrorismus geäußert. Am Mittwoch erst hat die Behörde ihre Reisewarnung für amerikanische Touristen erneuert, die in das Land am Bosporus reisen wollen – auch mit der Begründung, dass „ein Anstieg anti-amerikanischer Rhetorik das Potential hat (...), Gewalttaten gegen amerikanischer Bürger auszulösen“, wie die „Washington Post“ berichtet.

          Stephanie Grisham, eine Sprecherin des Weißen Hauses, wies Spekulationen über Trumps geschäftliche Interesse zurück. „Die Hoch-Risiko-Territorien basieren auf den Vorgaben des Kongresses und nichts anderem.“

          Ein Dreh- und Angelpunkt der Kritik an der Entscheidung scheint auch zu sein, dass Trump seine Unternehmensgeschäfte zwar für die Dauer seiner Präsidentschaft an seine beiden Söhne übergeben hat. Er selbst bleibt allerdings Eigentümer. Woraus folgt: Wenn die Geschäfte gut laufen, wirkt sich das auch auf seinen Wohlstand aus. Und umgekehrt. Ein Anwalt von Trumps Unternehmen sagte unlängst der „Washington Post“ zufolge, um Interessenkonflikte zu vermeiden, wolle die Organisation während Trumps Präsidentschaft keine Deals im Ausland abschließen.

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