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PwC unter Druck : Razzia für Beratungsriesen doppelt heikel

  • -Aktualisiert am

Das Markenzeichen von PwC an einem Bürogebäude des Unternehmens Bild: Reuters

Ein Verdacht auf Steuerhinterziehung gegen Mitarbeiter von PwC überschattet die anstehende Wahl der Deutschland-Spitze des Prüfungs- und Beratungskonzerns.

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          Deutschlands größtes Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen erlebt eine turbulente Adventszeit. Am Dienstag begannen Staatsanwälte und Polizisten mit Durchsuchungen in Unternehmensgebäuden und Wohnungen von PwC-Mitarbeitern. Hintergrund ist ein Verdacht auf schwere Steuerhinterziehung. Aus Wirtschaftskreisen war zu hören, dass die Durchsuchungen am Tag darauf noch andauerten. Heikel ist nicht nur der Verdacht selbst, sondern auch der Zeitpunkt der Razzien. Denn am Mittwoch trafen sich auch die Partner von PwC zum Auftakt einer wichtigen Versammlung, auf deren Agenda unter anderem die Wahl der Deutschland-Spitze steht, während gleichzeitig Staatsanwälte im Haus waren.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          An welchem Ort die Versammlung stattfindet, war nicht zu erfahren. Sie dürfte allerdings länger als einen Tag dauern und angesichts der Pandemie sowohl in Präsenz als auch online durchgeführt werden. Auf der Versammlung werden die PwC-Partner unter anderem ihren Deutschland-Chef wählen. Als Alternative zum Amtsinhaber Ulrich Störk steht mit Petra Justenhoven eine Gegenkandidatin bereit, wie im Oktober bekannt geworden ist. Justenhoven leitet das Wirtschaftsprüfungsgeschäft von PwC in Deutschland und ist Mitglied der deutschen PwC-Geschäftsführung, deren Sprecher Störk ist. PwC beschäftigt in Deutschland 12.000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 2,3 Milliarden Euro. Aktuelle Zahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr will das Unternehmen in der kommenden Woche vorstellen.

          Die aktuellen Durchsuchungen betreffen den Geschäftsbereich Steuerberatung, sind aber für die Stimmung im gesamten Unternehmen ein schwerer Schlag. Dass Prüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften durchsucht werden, kommt zwar hin und wieder vor, doch stehen dabei meist Mandanten der Unternehmen im Fokus, nicht die Kanzleien selbst. Im Fall PwC dagegen richtet sich der Verdacht auf schwere Steuerhinterziehung gegen aktuelle und ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens. Ihnen wird vorgeworfen, in den Jahren von 2012 bis 2017 in Deutschland erbrachte Beratungsleistungen über eine PwC-Gesellschaft in der Schweiz abgerechnet zu haben, wodurch dem deutschen Fiskus Umsatzsteuer in Höhe von 11 Millionen Euro entgangen sein soll.

          250 Beamte im Einsatz

          Für die Durchsuchungen quer durch die Republik waren laut Behördenangaben 250 Beamte der Eingreifreserve der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, der hessischen Steuerfahndung und des Bundeskriminalamts im Einsatz. Durchsucht wurden demnach auch die Wohnungen von vier leitenden und vier ehemaligen leitenden PwC-Mitarbeitern im Alter zwischen 50 und 67 Jahren.

          Die Untersuchung dreht sich um die Umsatzsteuer auf Steuerberatungsleistungen. PwC half Mandaten, Gewinne aus Geldanlagen in der Schweiz nachträglich zu versteuern, sodass die Kunden durch eine Selbstanzeige straffrei blieben. Der Gesetzgeber hat dieses Muster bewusst als Anreiz für Steuerpflichtige geschaffen, ihre ausländischen Vermögen aufzudecken. Der in den Jahren ab 2010 forcierte Kauf von aus Schweizer Banken entwendeten Kundendaten durch deutsche Finanzbehörden hat das Risiko einer Entdeckung stark erhöht. Nicht zuletzt deshalb boomte das Geschäft der Steuerberater mit Selbstanzeigen. Im Fokus der aktuellen Durchsuchungen steht nicht die steuerliche Beratung in Zusammenhang mit Selbstanzeigen. Stattdessen geht es um die Umsatzsteuer, die bei der Abrechnung und Bezahlung dieser PwC-Dienstleistungen fällig geworden wäre.

          PwC äußerte sich zu Einzelheiten nicht, weil die Untersuchung noch andauert. Ein Sprecher des Unternehmens verweist lediglich darauf, dass staatsanwaltliche Untersuchungen immer wieder vorkämen. PwC habe dafür präzise Prozesse und klare Vorgehensweisen, die den Mitarbeitern bekannt seien. „Wir kooperieren selbstverständlich in vollem Umfang mit den Behörden und begrüßen eine baldige Aufklärung der Situation“, so der Sprecher.

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