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Rausch und Reue (11) : Der vierte Großaktionär in zwanzig Jahren

  • -Aktualisiert am
Unter dem Zeichen der Axa: Zentrale der ehemaligen Colonia-Versicherung in Köln
          5 Min.

          Vor wenigen Tagen, am 6. Juli, wurden zum letzten Mal an der Börse Aktien der Axa Konzern AG gehandelt. Danach verschwand der Titel mit weit mehr als hundertjähriger Börsentradition aus dem Kurszettel. Dazu musste die französische Axa in den vorangegangenen Tagen noch einmal in die Tasche greifen, um zehn Jahre nach dem Einstieg die deutsche Dependance ohne Rücksicht auf Mitaktionäre gestalten zu können. In einem Vergleich wurden jetzt Anfechtungsklagen auf eine höhere Ausgleichszahlung erledigt.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die um gut 10 Euro auf 144,68 Euro je Aktie erhöhte Abfindung kommt auch den Aktionären zugute, die Anfang 2006 das Abfindungsangebot akzeptiert haben. Gemessen an der Börsenbewertung von zuletzt 4,9 Milliarden Euro dürfte das Einsammeln der restlichen sieben Prozent mindestens 300 Millionen Euro gekostet haben.

          Eine Gründung namhafter Bankiers

          Damit ist der Schlussstrich unter eine fast zwanzigjährige Übernahmegeschichte gezogen. Wehmut dürfte nicht mehr aufgekommen sein. Schließlich hat die 1839 von so namhaften Bankiersfamilien wie Oppenheim, Rothschild und Herstatt in der Domstadt gegründete „Kölnische Feuer-Versicherungs-Gesellschaft, genannt Colonia“, längst nicht nur ihre Eigenständigkeit verloren. Auch traditionsreiche Namen des in den zwanziger Jahren gebildeten Versicherungsverbundes Colonia-Nordstern mussten 2001 dem einheitlichen Markenauftritt des Weltkonzerns weichen.

          Verkaufte die Colonia: Oppenheim-Bankier Matthias Graf von Krockow
          Verkaufte die Colonia: Oppenheim-Bankier Matthias Graf von Krockow : Bild: dpa

          Der Axa-Vorstandsvorsitzende Henri de Castries verfolgt eine globale Ein-Marken-Strategie. Er führt die Landesgesellschaften an der kurzen Leine. Für Regionalfolklore ist in seiner Strategie kein Platz. Seit Mai 2000 dirigiert der adlige Absolvent der Eliteschule Ena den Konzern mit weltweit rund 150000 Mitarbeitern und Vermittlern, darunter die etwa 8200 Beschäftigen in Köln. Starkes Wachstum und hohe Erträge lauten seine Vorgaben. Diesen Anforderungen ist die Axa-Konzern-Vorgängergesellschaft, die Colonia-Nordstern-Versicherungsgruppe, seit den achtziger Jahren nicht so oft gerecht geworden.

          Sal. Oppenheim zog sich zurück

          De Castries ist nicht der erste französische Regent in der wechselhaften Historie der Colonia. Seit fast zwei Jahrzehnten wird - mit zunehmender Intensität - in Paris über die Geschicke des Colonia-Konzerns entschieden. Die Liaison zwischen Rhein und Seine begann 1989. Überraschend trennte sich damals das Bankhaus Sal. Oppenheim nach 150 Jahren von seinen Versicherungsbeteiligungen, die im Wesentlichen aus den drei Schwesterkonzernen Colonia, Nordstern und Kölnische Rück bestanden.

          Über eine niederländische Holding erlangte die französische Versicherung Victoire Einfluss auf 53 Prozent des Colonia-Nordstern-Verbundes. Über den von Beobachtern auf umgerechnet fast 2,5 Milliarden Euro veranschlagten Verkaufspreis verloren die Kölner Privatbankiers natürlich kein Wort. Aber für Sal. Oppenheim war diese bis dahin größte Transaktion der Auftakt zur Stärkung und Ausweitung des Bankgeschäftes.

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