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Raumfahrt : Schlagabtausch der Milliardäre im Weltall

Ab ins All: Amazon-Chef Jeff Bezos (rechts) und Tory Bruno von der ULA zeigen das Triebwerk dazu. Bild: AFP

Amazon-Vorstandschef Jeff Bezos hat mit seinem Raumfahrtunternehmen ein Bündnis mit Boeing und Lockheed Martin geschlossen. Seine Partner sind Rivalen von Elon Musk. Ein Duell.

          3 Min.

          Die amerikanische Raumfahrt wird zu einem Tummelfeld der Milliardäre. Nur einen Tag nachdem sich Elon Musk mit seinem Unternehmen Space X einen hochdotierten Auftrag der Raumfahrtbehörde Nasa gesichert hat, meldet auch Jeff Bezos Ansprüche an, im Weltraum mitzumischen. Bezos ist vor allem als Gründer und Vorstandsvorsitzender des Online-Händlers Amazon bekannt, daneben gehört ihm aber auch der Raumfahrtspezialist Blue Origin, der jetzt eine Allianz mit einem Gemeinschaftsunternehmen von Boeing und Lockheed Martin geschlossen hat. Blue Origin wird den Verbund dieser zwei Unternehmen, der den Namen „United Launch Alliance“ (ULA) trägt, künftig mit Raketentriebwerken beliefern.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Damit deutet sich ein Schlagabtausch der Milliardäre im Weltall an, denn die neuen Partner von Bezos sind Rivalen von Musk. Blue Origin und Space X gehören zu einer Gruppe junger und aufstrebender Weltraumunternehmen in Amerika, die es mit etablierten Großkonzernen wie Boeing aufnehmen wollen. Blue Origin wurde im Jahr 2000 gegründet, Space X zwei Jahre später. Bezos hat um Blue Origin stets ein großes Geheimnis gemacht, und über die Aktivitäten des Unternehmens ist nur wenig bekannt.

          Ganz anders Space X mit dem ins Rampenlicht verliebten Musk, der daneben auch den Elektroautohersteller Tesla führt. Space X blickt schon auf mehrere erfolgreiche Missionen mit eigenen Raumschiffen ins All zurück, die von Musk öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt wurden. Musks Unternehmen ist schon seit einigen Jahren ein Partner der Nasa für unbemannte Transportflüge zur Raumstation ISS. Mit dem neuen Auftrag darf Space X nun auch bemannte Raumschiffe für die Nasa entwickeln.

          Mit Atlas-Raketen ins All

          Das Unternehmen ist damit aber nicht allein, denn auch Boeing wurde von der Nasa mit einem Auftrag für ein separates Raumschiff bedacht. Und auf der Seite von Boeing findet sich nun auch Bezos mit Blue Origin. Denn die künftige Boeing-Raumkapsel CST-100 soll von Atlas-Raketen ins All gebracht werden, die das Gemeinschaftsunternehmen mit Lockheed Martin liefert. Und in der nächsten Generation der Atlas-Raketen sollen Triebwerke von Blue Origin stecken.

          Damit hört die Rivalität zwischen Musk und Bezos nicht auf. Musk arbeitet mit aller Macht daran, an Aufträge der amerikanischen Regierung zur Beförderung von Militärsatelliten ins All heranzukommen, die bislang regelmäßig an den neuen Bezos-Partner ULA gingen. Musk hat in diesem Jahr sogar die amerikanische Luftwaffe verklagt, um sich Zugang zu solchen Aufträgen zu verschaffen. Für Space X würden diese Missionen eine zusätzliche Einnahmequelle bringen, neben den Nasa-Aufträgen und der Arbeit für kommerzielle Kunden, für die das Unternehmen Satelliten ins All bringt.

          Das Bündnis zwischen ULA und Blue Origin hat auch eine politische Dimension. Denn bislang kommen in den Atlas-Raketen Triebwerke aus Russland zum Einsatz. Das aufgrund der Ukraine-Krise gespannte Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Russland sorgt nun für Unsicherheit in dieser Lieferbeziehung. Vor einigen Monaten drohte Russland sogar mit einem Lieferstopp dieser Triebwerke. Umso gelegener käme daher eine Alternative aus heimischer Produktion. Bezos sagte, die Partnerschaft von Blue Origin und ULA beschleunige die Entwicklung eines in Amerika hergestellten Triebwerks. Auch der in dieser Woche von der Nasa vergebene Auftrag an Space X und Boeing verfolgt das Ziel, die Abhängigkeit von Russland zu vermindern. Denn seit dem Ende des Spaceshuttle-Programms im Jahr 2011 müssen die Amerikaner Plätze in russischen Sojus-Raumschiffen buchen, wenn sie Astronauten ins All bringen wollen.

          Die Vorstellung der Partnerschaft zwischen ULA und Blue Origin auf einer Pressekonferenz in Washington war einer der wenigen Fälle, in denen Bezos mit seinem Weltraumunternehmen die Öffentlichkeit gesucht hat. Finanzielle Details zu dem Bündnis nannte Bezos nicht. Er sagte lediglich, ULA habe eine „sehr signifikante Investition“ versprochen. Die ersten Flüge von Raketen mit dem von Blue Origin kommenden Triebwerk BE-4 sollen im Jahr 2019 absolviert werden. Für Blue Origin wendet Bezos nach eigener Aussage einen Tag in der Woche auf. „Der Weltraum ist etwas, in das ich verliebt bin, seit ich fünf Jahre alt gewesen bin. Ich habe zugesehen, wie Neil Armstrong den Mond betreten hat, und das hat wohl einen Eindruck bei mir hinterlassen.“ Amazon bleibe aber sein Hauptberuf, den er auch liebe.

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