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Raumfahrt : Neue Raumfähre „Orion“ von Lockheed Martin

  • Aktualisiert am

Die Nasa will wieder weit weg oder hoch hinaus Bild: AFP

Der größte amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin soll für die Nasa die neue „Orion“-Raumfähre bauen. Die Raumschiffe sollen die veraltete Shuttle-Flotte ersetzen und erstmals seit 1972 wieder Astronauten zum Mond fliegen - irgendwann vielleicht sogar zum Mars.

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          Ein Vierteljahrhundert nach dem Erstflug eines Space-Shuttles hat die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa dem Luft- und Raumfahrtunternehmen Lockheed Martin den Zuschlag für den Bau einer neuen Raumfähre gegeben.

          Die neue Generation von Raumtransportern mit dem Namen „Orion“ solle spätestens im Jahr 2014 mit einer sechsköpfigen Crew zur Internationalen Raumstation ISS fliegen, teilte die Nasa am Donnerstag in Washington mit. Die derzeitigen Space-Shuttle werden nach dem Ausbau der ISS im Jahr 2010 ausgemustert. Die Nasa kündigte aber auch eine neue Ära der Weltraumfahrt an. „Der Weltraum wird nicht länger ein Ziel sein, das wir nur kurz ansteuern“, sagte Nasa-Sprecher Michael Braukus. Astronauten würden im Weltraum „wie früher die Pioniere“ leben. „Heute beginnt eine neue Reise“.

          Nicht-Amerikaner müssen draußen bleiben

          Der Konzern Lockheed Martin mit seinem Hauptsitz in Bethesda (Maryland) setzte sich bei der Nasa gegen ein Konkurrenzangebot eines Konsortiums der Unternehmen Northrop Grumman und Boeing durch. Nasa- Sprecher Doug Cook sprach von einem „scharfen“ Wettbewerb der Anbieter um den mindestens 3,9 Milliarden Dollar (3,04 Milliarden Euro) schweren Auftrags der Nasa. Eine Beteiligung nicht- amerikanischer Firmen ist laut der Nasa nicht vorgesehen.

          Eine Illustration der Orion
          Eine Illustration der Orion : Bild: REUTERS

          Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hatte schon vor der Entscheidung nicht mit einer Beteiligung der Deutschen oder Europäer gerechnet. Nasa-Direktor Michael Griffin wolle die Entwicklung und Produktion kritischer Technologien amerikanischen Firmen vorbehalten, hieß es. Die EADS sei jedoch offen für denkbare Beteiligungen in einer späteren Phase, sagte ein EADS-Sprecher am Donnerstag in Bremen. Das Unternehmen habe beispielsweise interessante Technologien für Rendezvous- und Andockmanöver entwickelt.

          Menschen zum Mars und Monate auf den Mond

          Es handelt sich um den ersten Großauftrag der Nasa seit mehr als drei Jahrzehnten. Die Nasa leitet damit ihr neues Programm für die bemannte Raumfahrt ein. Danach sollen mehr als ein halbes Jahrhundert nach der ersten Mondlandung vom 20. Juli 1969 spätestens bis zum Jahr 2020 vier Astronauten zum Erdtrabanten fliegen. Seit der Mondlandung von „Apollo 17“ im Dezember 1972 hat kein Mensch mehr den Mond betreten. Nach dem Aufbau eines Außenpostens auf dem Mond sollen später Nasa-Raumfähren mit einer sechsköpfigen Crew an Bord zu einer anderthalb Jahre langen Reise zum Nachbarplaneten Mars starten.

          „Das All ist nicht länger ein Ziel, wo wir uns nur für kurze Zeit aufhalten wollen“, sagte Scott Horowitz, bei der Nasa für die Entwicklung neuer Raumschiffe zuständig. Irgendwann könnten Menschen vielleicht für sechs Monate auf einer Mondstation bleiben, fügte er hinzu. Der Außenposten auf dem Erdtrabanten ist Teil der „Vision zur Erkundung des Alls“ des amerikanischen Präsidenten George W. Bush.

          „Orion“ soll nach Angaben der Nasa aber auch weiter Service-Flüge zur ISS machen. Darüber hinaus soll die Kapsel helfen, irgendwann nach 2020 das alternde Weltraumteleskop „Hubble“ gezielt zum Absturz zu bringen. Auch Flüge zu Asteroiden hat die Nasa im Blick. Der Name „Orion“ wurde nach Angaben der Nasa gewählt, weil das Sternbild am Nachthimmel besonders hell leuchtet und einfach zu finden ist. Das Nachfolgemodell der Space-Shuttle wird mit seiner Glockenform wieder den früheren bemannten Raumsonden ähneln. Es bietet aber zweieinhalb mal mehr Platz als die „Apollo“-Kapseln und hat viel modernere Technik. Die Nasa bezeichnet deshalb „Orion“ auch als „Apollo auf Steroiden“.

          Nasa-Führung drückt auf den Zeitplan

          Der wichtigste Vorteil: Anders als bei dem Space-Shuttle sitzt die Kapsel direkt auf der Spitze einer Trägerrakete. Damit ist sie von herabfallendem Schaum- oder Eisstücken beim Start geschützt.

          Nach dem Willen des amerikanischen Präsidenten George W. Bush sollen die drei Spaces-Shuttle spätestens im Jahr 2010 ausgemustert werden. Mit insgesamt 16 Flügen soll bis dahin der Ausbau der Internationalen Raumstation beendet sein. Die Nasa-Führung dringt darauf, daß das Nachfolgemodell schon weitaus früher als 2014 in Dienst gestellt wird.

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