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Ratan Tata : Der Autobauer für die kleinen Leute

Es ist die Verwirklichung eines langgehegten Traums: Ratan Tata präsentiert sein „Auto für die kleinen Leute” Bild: AFP

Ratan Tata ist am Ziel seiner Träume: Der Billigwagen Nano soll als Auto für die kleinen Leute die heranwachsende indische Mittelschicht vom Zweirad aufs Auto umsteigen lassen. Nun lässt Tata sich feiern für seinen Coup - aber die neuen Herausforderungen warten schon.

          Ratan Tata schält noch ein Ferrero Rocher aus dem Goldpapier und schiebt es sich genüsslich in den Mund. Die süße Belohnung hat er sich verdient: Das neue Jahr fängt besser für ihn an, als das alte endete. Vergangenen Freitag, als in Deutschland der Frühling begann, feierte Ratan Tata, die Leitfigur des allmächtigen Tata-Konzerns, noch das Neujahrsfest seiner Glaubensgemeinschaft der Parsen. Am gestrigen Montag kam dann der Paukenschlag, auf den Tata ein knappes Jahrzehnt wartete. Im altehrwürdigen Taj-Hotel in der indischen Wirtschaftsmetropole Bombay – das ebenfalls zum Konzern gehört – wurde das billigste Auto der Welt vorgestellt: der Tata Nano.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Vor sechs Jahren, auf der Autoshow in Genf, hatte der indische Konzernlenker einem ungläubigen Fachpublikum seinen Plan präsentiert, ein Auto für „1 Lakh Rupien“, umgerechnet 1439 Euro, auf den Markt zu bringen. Es folgten eine beispiellose Marketingkampagne, das Erheben des Kleinstwagens zur Ikone Indiens und viele, viele Enttäuschungen. Vom 9. April an können die Inder den Wagen nun bestellen, im Sommer wird er ausgeliefert.

          Die große Genugtuung

          Für Ratan Tata ist es die große Genugtuung, auf die er hingearbeitet hat. Doch ist es nicht die letzte Herausforderung des 71 Jahre alten Unternehmers. Denn er muss seinen Konzern noch entschulden und seine Nachfolge regeln. Aber der Vorzeigemanager der indischen Industrie ist Herausforderungen gewohnt – keines seiner 18 Jahre an der Spitze des Konglomerats verlief ruhig. Schon der Einstieg war mit Dornen gepflastert.

          Ratan Tata, der viel eher den gebildeten Gentleman des indischen Establishments gibt als den kaltschnäuzigen, neureichen Unternehmenslenker, hatte sich nie um den Spitzenposten der India Inc. beworben. Nach dem Architektur-Studium an der Cornell Universität trat er 1962 in den Konzern ein. Knapp drei Dekaden später wurde er Chairman von Tata Sons, der Konzernholding. Dieser Konzern aber ist kein normales Unternehmen. Seine Geschichte ist noch am ehesten mit der Krupp-Saga in Deutschland vergleichbar. Tata war nicht Arbeitsplatz, sondern Heimat für seine Mitarbeiter. „Ich will jeden Abend zu Bett gehen können, ohne jemand den Tag über verletzt zu haben“, sagt Ratan Tata.

          Erst aufräumen, dann umbauen

          Aber mit warmen Worten allein war es nicht mehr getan, als der damals 54-Jährige an der Spitze des Stiftungsunternehmens stand. Er musste erst aufräumen und dann umbauen. Dass Tata auch anders als freundlich und zurückhaltend sein kann, zeigte sich bei seiner Entscheidung, die Fabrik des Nano aufgrund nicht enden wollender politischer Proteste kurz vor ihrer Fertigstellung aus dem Bundesland Westbengalen nach Gujarat zu verlagern. Tata mag solches Durchgreifen nicht. Aber er ist in der Lage, die Reißleine zu ziehen. „Wir mussten so entscheiden. Für Westbengalen tut es mir leid. Aber wir hatten keine Alternative“, sagte er am Montag kurz und knapp.

          Tatas erster Meilenstein war die Produktion des Indica ab 1998, eine Art eierlegende Wollmilchsau: robust, billig, groß und mit einem Hauch von Luxus für die Inder. In das Pantheon indischer Götter wurde Tata erhoben, als er vor einem Jahr mit Jaguar und Land-Rover die kränkelnden Traditionsmarken der ehemaligen Kolonialherren kaufte. Der gefeierte Coup stürzte den alten Herrn und sein Haus indes in die Krise: Ihm geht das Geld aus. Was also ist mit den Träumen? „Träume habe ich keine mehr. Nur Albträume, die den Nano betreffen.“

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