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Radikale Veganer : Die Tierschützer machen Ernst

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Es kostet Kathrin und Peter Seeger Mut, von ihrem Fall zu erzählen. Viele Landwirte lehnen es ab, mit Journalisten zu sprechen, aus Angst, es könnten Tierrechtsaktivisten sein, die sich oft als Journalisten in die Ställe einschleichen. Wie im Fall der Seegers: Eines Tages stand die Veterinärin vom Amt am Stall, sie hatte ekelhafte Bilder zugespielt bekommen. Eines zeigte einen Kadaver, der von zwei Schweinen angefressen wird. Seegers erklärten: Eines von 1500 Schweinen im Stall sei nachts gestorben, und Schweine sind nun mal keine Vegetarier. Das zweite Bild zeigte eine überfüllte Bucht, 13 Schweine standen eng beieinander. Aber der Ausschnitt war so gewählt, dass die untere Hälfte der Bucht abgeschnitten war. Schweine rücken oft zusammen, um sich zu wärmen. Das dritte Bild zeigte wieder ein totes Schwein inmitten von lebendigen. Die Seegers sagen, es sei eindeutig aus einer Kadavertonne entnommen und in die Bucht gelegt worden, denn das Tier sei größer als die anderen. Das kann ein Laie wiederum nicht beurteilen. Die Tierrechtler liefern Bilder, aber wenige Erklärungen.

Die Bauern sind sich keiner Schuld bewußt

Die Veterinärin fand bei den Seegers nichts Gravierendes und ging. Stattdessen stand bald ein Kamerateam vor der Tür. Drei Fernsehsender berichteten, die Seegers hielten ihre Tiere schlecht. „Die Paranoia ist heute noch da. Bei jedem Anruf gibt mir mein Mann ein Zeichen, dass alles okay ist“, sagt Kathrin Seeger. Sie und ihr Mann, deren beider Eltern schon Bauern waren, sind sich keiner Schuld bewusst. Sie haben die gesetzlichen Vorschriften eingehalten, die sich seit Jahrzehnten verschärfen. Die Seegers erklären sich den Kleinkrieg mit den Tierrechtlern so: Auf der einen Seite stehen Landmenschen, die arbeiten wie seit Generationen, auf der anderen Seite neue urbane Eliten, die davon nichts verstehen.

Vielleicht meinen sie damit Rudolf Steffen. Der Veganer lebt allerdings nicht in der Stadt, sondern noch abgeschiedener als die Bauernfamilie Seeger. Im verschneiten Mittelgebirge bei Hagen bewohnt er einen von drei Höfen, die einsam im Land liegen. Steffen hat mit seiner Freundin im Vorgarten einen Stall hergerichtet. Darin leben elf Hühner, die ihre Freunde aus Legebatterien entführt haben, das letzte wurde im Sommer gebracht. Die Hühner wackeln durch das Stroh, nennen ein Freigehege, Spielecken und eine Infrarotleuchte ihr Eigen. „Hertas WG“ steht auf der Tür. Sie erhalten Nudeln oder Reis zum Essen. „Jedes Huhn ist eine eigene Persönlichkeit“, sagt Rudolf Steffen. Über den Alltag der Hühner bloggen die Tierhalter: www.herta-huhn.de. Auf der Seite erzählen die Hühner von ihrem guten Leben „ohne Angst“. Weiter unten steht eine Traueranzeige: „In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von einem Lebewesen, das uns so sehr am Herzen lag, und werden ihr immer gedenken. Du warst ein besonderes Huhn.“

Letztlich wird der Fleischesser zum Mörder

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