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Radikale Veganer : Die Tierschützer machen Ernst

  • -Aktualisiert am

Auch die Geflügelkonzerne manipulieren

Die reißerischen Bilder, die nicht die ganze Realität zeigen, sondern Extremfälle, werden in Zeitungen gedruckt und sind im Internet zugänglich. Sie sind extrem, sie zeigen Wirkung. Mit Bildern manipulieren aber auch die Geflügelkonzerne, wenn sie ihre Billigfleischverpackungen mit grünen Wiesen und Almhöfen verkitschen.

Tierrechtler kämpfen – anders als herkömmliche Tierschützer, die sich für bessere Haltungs- oder Transportbedingungen einsetzen – für eine Welt ganz ohne Schlachtungen, eine Welt der freien Tiere. So wie manche für die Emanzipation der Arbeiter kämpfen. Die Szene besteht längst nicht nur aus Peta. Es gibt Dutzende friedliche Bürgerinitiativen, die sich gegen den Bau von immer größer werdenden Schweineställen einsetzen. Sie empört, dass die Tiere immer hochgezüchteter sind, so kurz leben. Aber es gibt auch Extremisten jenseits von Peta. Sie ließen im Frühjahr 2010 in Brandenburg Tausende Nerze frei, die umherirrten und Hühner aus den Gärten rissen. Die Täter sympathisierten mit der Animal Liberation Front, Terroristen, die kein Gesicht haben, aber eine englischsprachige Website, auf der Menschen mit Sturmmasken zu sehen sind, die süße Welpen tragen.

In Sprötze brannte der erste Hof

In Deutschland versuchen Autonome in Wietze den Bau eines gigantischen Schlachthofs zu verhindern. Andere fackelten im Sommer in Sprötze nahe Lüneburg einen Stall ab. Dort sollten 36 800 Hühner einziehen. Der Hof war nicht versichert, Familie Eickhoff, Landwirte seit 200 Jahren, sah ihre Zukunft über Nacht in Flammen aufgehen. Ihr Verband half finanziell, in dieser Woche wurde der Stall mit gläsernem Besucherraum neu eröffnet. Seit kurzem schlagen nun die Bauern zurück. Geflügelkonzerne engagieren PR-Agenturen. Die Zeitschrift „Agrarmagazin“ hat eine Internetseite gebaut: „Stoppt den Terror gegen unsere Tierhalter.“

Wort steht gegen Wort in diesem Kampf: Die Hühner leiden, sagen die Tierrechtler. Die Landwirte sagen: Sie leiden nicht, denn ein Huhn sieht, riecht und fühlt nicht wie ein Mensch. Die Tierrechtler sagen: Die Bauern vernachlässigen die Tiere. Die Gescholtenen wehren sich: Der Bauer habe doch gerade ein wirtschaftliches Interesse daran, dass seine Tiere gesund seien. Alles eine Mafia, entgegnen die Tierrechtler: Veterinäre, Bauern, ihre Anwälte. Unsinn, schallt es zurück, die Tierrechtsorganisationen seien eine eiskalte Mitleidsindustrie, Profi-Spendensammler. Der Konsument aus der Stadt, der außer Katz und Dackel mit Tieren nichts zu tun hat, kann sich schwer ein Bild von der Wahrheit machen.

Nachts kommen die Ermittler

Fahrt zu einem Bauernehepaar im Odenwald. Hier gibt es eine klare Meinung, wer die Wahrheit sagt und wer manipuliert. Die Eheleute Peter und Kathrin Seeger, Anfang dreißig, sitzen in ihrer Küche, über der Türschwelle hängt ein Kruzifix. Sie haben drei Kinder, fünf Ställe, acht Mitarbeiter, 800 Sauen und 4000 Mastschweine und müssen bei sinkenden Margen immer mehr Tiere halten, um den Verdienst zu halten. Die Schweine leben auf Beton in Buchten à 13 Tiere. Sie haben Platz, aber nicht viel Platz.

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