https://www.faz.net/-gqe-7qaxm

Prozess um Privatflüge : Quelle-Erbin Schickedanz widerspricht Middelhoff

  • Aktualisiert am

Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz und ihr Mann Leo Herl warten auf ihre Aussagen. Bild: dpa

Im Prozess gegen den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat heute Quelle-Erbin Schickedanz ausgesagt. „Dass ich Privatflüge übernehme - wie komme ich dazu?“, sagt sie den Richtern.

          2 Min.

          Im Prozess gegen den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat Großaktionärin Madeleine Schickedanz bestritten, ihm einen Freibrief für private Flüge auf Firmenkosten ausgestellt zu haben. „Dass ich Privatflüge übernehme - wie komme ich dazu?“, sagte die Quelle-Erbin an diesem Mittwoch vor dem Essener Landgericht. „Es gab keine Vereinbarung und es wäre nicht gerechtfertigt - es ist privat.“

          Die Staatsanwaltschaft wirft Middelhoff in dem Prozess vor, Arcandor mit Privatflügen auf Firmenkosten einen Schaden von rund 945.000 Euro zugefügt zu haben. Unter anderem sei er immer wieder mit dem Hubschrauber von seinem Wohnort Bielefeld zur Arcandor-Zentrale in Essen geschwebt.

          An viele Dinge aus der Zeit vor der Arcandor-Pleite könne sie sich aber auch nicht mehr erinnern, räumte Schickedanz ein, auch nicht an Middelhoffs Vertragsgestaltung. Zudem habe sie auch immer wieder Dokumente unterzeichnet, ohne diese gelesen zu haben. Middelhoff hatte angedeutet, Schickedanz habe zugesagt, Flugkosten zu übernehmen.

          Der Arcandor-Konzern meldete im Jahr 2009 Insolvenz an. Schickedanz, die einst zu den reichsten Deutschen gehörte, verlor große Teile ihres Erbes. Gegen den 60 Jahre alten früheren Spitzenmanager Middelhoff laufen in der Folge der spektakulären Pleite neben dem Prozess in Essen auch eine Reihe von Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Bochum untersucht etwa seit Jahren, ob Middelhoff die Arcandor-Insolvenz verschleppt hat. Middelhoff weist alle Vorwürfe zurück. Die Flüge, um die es nun in dem Strafprozess vor dem Landgericht Essen geht, waren auch schon Gegenstand eines Zivilverfahrens. Middelhoff müsse rund 3,4 Millionen Euro an den Arcandor-Insolvenzverwalter zahlen, hatten die Richter dort entschieden. Middelhoff ist dagegen in die Berufung gegangen.

          Auch Schickedanz hat nach der Arcandor-Pleite Erfahrungen mit der Justiz gesammelt, unter anderem trat sie im Sal-Oppenheim-Verfahren vor dem Landgericht Köln als Zeugin auf. Der Niedergang des Bankhauses ist eng verknüpft mit der Arcandor-Pleite. Wie schon in Köln sagt Schickedanz nun auch in Essen, sie habe fast blind ihren Beratern vertraut. Zu diesen zählte der Immobilienunternehmer Josef Esch, der ebenso wie Mitglieder der einstigen Sal.-Oppenheim-Führung in Köln auf der Anklagebank sitzt.

          Sie habe Middelhoff über Esch kennen gelernt, berichtete Schickedanz in Essen. Esch verwaltete ihr Vermögen, sie habe „große Hoffnungen“ gehabt, dass Middelhoff den damals schon in schwerem Fahrwasser steuernden Arcandor-Vorgänger Karstadt Quelle wieder auf Kurs bringen könne. Über Konditionen eines Vertrages habe sie mit Middelhoff nicht gesprochen - das habe Esch übernommen: „Im Grunde hat all diese Absprachen Herr Esch gemacht.“

          Weitere Themen

          Wird Dosenwein der neue Hype? Video-Seite öffnen

          Start-Up aus Südafrika : Wird Dosenwein der neue Hype?

          In den Vereinigten Staaten ist der Markt schon gut etabliert. Ein Start-Up in Südafrika will expandieren und sieht auch Chancen in Europa. Wird Dosenwein auch hierzulande der neue Hype?

          Topmeldungen

          Wuhan und die Bilder des neuen Alltags: Medizinische Mitarbeiter mit Atemmasken und Schutzanzügen.

          Virenalarm: Schock und Risiko : Die Seuche in unseren Köpfen

          Der Coronakrisenstab übernimmt: Sind die Reaktionen auf die Ausbreitung der neuen Viren übertrieben oder angemessen? Die Angst vor der Panik ist mittlerweile so groß wie die Angst vor dem Erreger selbst.

          Angriffe auf Sanders : Bernie, die rote Gefahr?

          Was viele Demokraten über den Spitzenreiter Bernie Sanders sagen, geht über die übliche Kritik in einem Vorwahlkampf hinaus. Ist er ein Kommunist? Will er das Gesundheitswesen in Planwirtschaft ersticken? Ja, ist er überhaupt ein Demokrat?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.