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85 Fahrzeuge storniert : Qualitätsmängel kosten Tesla Großauftrag

  • Aktualisiert am

Ein Tesla Modell 3 auf einer Motormesse in Seoul im März dieses Jahres Bild: AFP

Beschwerden über Service-Mängel bei Tesla-Autos gibt es häufig. Nun platzte aus diesem Grund ein Großauftrag des deutschen E-Auto-Vermieters Nextmove.

          Der amerikanische Elektroauto-Hersteller Tesla hat einen Millionenauftrag aus Deutschland verloren. Der Elektroauto-Vermieter Nextmove aus Leipzig hatte eigentlich Ende des vergangenen Jahres 100 „Model 3“ bestellt. Doch nach der Lieferung der ersten 15 Fahrzeuge im Frühjahr gerieten sich Tesla und Nextmove wegen Qualitätsmängeln in die Haare. Nun ist der Auftrag storniert - von wem, ist aber derzeit umstritten. 

          Tesla behauptet, Nextmove habe die Lieferung der restlichen 85 Modelle im Wert von rund fünf Millionen Euro storniert. Nextmove hingegen besteht darauf, dass Tesla den Auftrag storniert habe, nachdem der Autovermieter Verbesserung des Auslieferungsprozesses und von Reparaturen verlangt habe. Statt die schweren Qualitäts- und Sicherheitsmängel zu beheben, habe Tesla zunächst ein 24-Stunden-Ultimatum gestellt und anschließend die Bestellung storniert.

          „Nur jedes vierte Fahrzeug war fehlerfrei, in einigen Fällen waren die Fahrzeuge nicht einmal fahrtüchtig“, erzählt Nextmove-Gründer Stefan Möller in einem Youtube-Video unter dem Titel „Service-Hölle“. Man habe Lackfehler, falsch verlegte Kabel, Kratzer am Armaturenbrett und Kondenswasser in den Scheinwerfern festgestellt.

          Tesla habe auch Fahrzeuge liefern wollen, die schon einmal angemeldet gewesen sein, was Nextmove aber den Anspruch auf die E-Auto-Prämie gekostet hätte. Tesla sagt, es habe ich um ein „temporäres Problem“ gehandelt.

          Nach Angaben von Tesla sei man noch dabei gewesen, die Schäden zu beheben, als die restliche Bestellung storniert worden sei. Tesla habe Nextmove in der Zwischenzeit Leihautos zur Verfügung gestellt. „Wir glauben, dass die Entscheidung des Kunden (...) nicht zur Gänze an Qualitätsthemen lag, sondern größtenteils beeinflusst von Frust über einen - damit nicht in Zusammenhang stehenden - Streit Anfang des Jahres war“, sagte ein Sprecher, ohne Einzelheiten zu dem früheren Vorfall zu nennen.

          Nextmove hat nach eigenen Angaben eine ausschließlich elektrisch betriebene Fahrzeugflotte von 370 Fahrzeugen, zu denen 38 Tesla Model 3 und 12 Model X gehören. Das „Model 3“ sei ein fantastisches Fahrzeug, so Möller, aber der Kundenservice passe nicht dazu. das sei ernüchternd. Zwei Jahre habe man gewartet, bis Tesla den Sitz eines Model X ausgetauscht habe, der mit einem Loch geliefert worden sei.

          Tesla-Chef Musk hatte nach Angeben der Nachrichtenagentur Bloomberg Anfang des Jahres eingeräumt, dass der Mangel an Service-Centern das Wachstum in Deutschland beeinträchtige.

          Nicht nur in Deutschland scheint Tesla Service-Probleme zu haben. Im größten europäischen E-Auto-Markt Norwegen hätten Verbraucherschützer den höchsten Pro-Stück-Anteil von Beschwerden über verbeulte und nachlässig lackierte Neufahrzeuge registriert, berichtet Bloomberg.

          Pionierkunden vergäben Tesla eine Menge, sagte Stefan Bratzel, Leiter des An-Instituts im Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach zu Bloomberg. Aber je mehr Tesla sich breitere Kundensegmente erschließe, desto mehr müssten Vertrieb und Service funktionieren.

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