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Klinik-TÜV : Qualität in 73 Krankenhäusern „unzureichend“

Wie gut ist die Behandlung von Patenten in deutschen Krankenhäusern wirklich? Bild: dpa

Über die Hälfte der deutschen Kliniken wurden vom Gemeinsamen Bundesausschuss auf ihre Qualität getestet. Einige davon weisen hohe Mängel auf. Sie könnten nun sogar geschlossen werden.

          Geburtshilfe, Gynäkologie, Brustkrebsoperationen: In einigen Bereichen können sich Patienten neuerdings selbst ein Bild machen, wie gut die Qualität im nächstgelegenen Krankenhaus ist – oder wie schlecht.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In einer umfassenden Untersuchung hat das höchste Gremium der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, der Gemeinsame Bundesausschuss, Daten von 1084 der insgesamt rund 2000 Kliniken in Deutschland analysiert. Das Ergebnis: In 73 Krankenhäusern gibt es bei zumindest einem von elf Qualitätsindikatoren klare Mängel, für sie wurde eine „unzureichende Qualität“ festgestellt.

          So ist nun für jeden auf den Internetseiten des Gemeinsamen Bundesausschusses einsehbar, dass die Klinik Rothenburg Nachholbedarf hat im Bereich der gynäkologischen Operationen und das Klinikum Freising im Bereich der Brustkrebsoperationen. Stein des Anstoßes für diese neue Transparenz ist das im Jahr 2016 verabschiedete Krankenhausstrukturgesetz.

          Qualität der Versorgung entscheidet über Finanzen

          Es sieht vor, dass die Qualität der Behandlung von Patienten Einfluss darauf haben soll, wie hoch die finanziellen Mittel sind, die eine Klinik erhält. Hierüber entscheiden die Bundesländer. Treten wiederholt Mängel auf, sollen sie einzelne Häuser sogar schließen können und so Überkapazitäten in der deutschen Krankenhauslandschaft abbauen.

          Um zu beurteilen, wie es um die Qualität in den einzelnen Abteilungen bestellt ist, wurde eigens ein neues Institut geschaffen, das Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen. Es hat die Aufgabe, Qualitätsindikatoren zu entwickeln. Die ersten liegen seit kurzem vor.

          So wurde im Bereich der Geburtshilfe festgelegt, dass im Fall von Komplikationen während einer Geburt zwischen der Entscheidung für einen Notkaiserschnitt und der Entbindung des Kindes nicht mehr als 20 Minuten vergehen sollten, damit das Kind keine schwerwiegenden Schäden davonträgt. 13 Kliniken schnitten hier nicht ausreichend ab. Ein anderes Beispiel: Wie oft ist bei Frühgeburten ein Kinderarzt anwesend? Nicht überall häufig genug, ergaben die Abrechnungsdaten der Krankenhäuser. Diese erhielten die Möglichkeit, Stellung zu nehmen.

          Geburtshilfe, Gynäkologie und Brustkrebsoperationen sind nur der Anfang, Qualitätsindikatoren für weitere Fachbereiche sollen folgen. Doch auch aus den ersten Befunden müssten schon Konsequenzen gezogen werden, forderte Josef Hecken, der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses.

          Die Länder müssten auf Versorgungsmängel reagieren, forderte er. Ob die dort jeweils zuständigen Behörden die Ergebnisse in der Krankenhausplanung berücksichtigen, ist ihnen überlassen.

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