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Kapitalerhöhung : Qatar steigt bei der Deutschen Bank ein

Die deutsche Bank will durch die Ausgabe neuer Aktien acht Milliarden Euro einsammeln. Bild: dpa

Das Scheichtum Qatar übernimmt eine Beteiligung an der Deutschen Bank von rund sechs Prozent. Das Eigenkapital der Bank steigt um acht Milliarden Euro. Auf lange Sicht wird noch mehr nötig sein.

          Die Deutsche Bank meldet sich wenige Tage vor ihrer Hauptversammlung mit einer spektakulären Nachricht. Wie die Bank am Sonntagabend mitteilte, will sie durch Ausgabe von Aktien ihr Eigenkapital um rund acht Milliarden Euro erhöhen.

          Das wäre die zweitgrößte Kapitalerhöhung in der Geschichte der Bank. Von diesem Betrag wurde knapp ein Viertel bereits durch eine Privatplazierung eingenommen: Die unter Kontrolle von Scheich Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani von Qatar stehende Paramount Holdings Services Company hat 1,75 Milliarden Euro investiert und dabei fast 60 Millionen Aktien zum Stückpreis von 29,20 Euro erworben.

          Der im Jahre 1959 geborene Scheich ist Mitglied der Königlichen Familie Qatars und war früher Premier- und Außenminister. Er beabsichtigt, als sogenannter Ankeraktionär längerfristig im Kapital der Bank investiert zu bleiben. Der Börsenwert der Bank betrug am vergangenen Freitag ohne Berücksichtigung der Kapitalerhöhung 31 Milliarden Euro. Der Anteil Qatars beliefe sich damit auf rund 6 Prozent.

          Ausgabe neuer Aktien

          Der größte Teil der Kapitalerhöhung soll durch Ausgabe neuer Aktien mit einem Bezugsrecht für die Altaktionäre vonstatten gehen. Wie aus Finanzkreisen zu hören ist, soll die Plazierung dieser Aktien durch ein unter Führung der Deutschen Bank stehendes Bankenkonsortium garantiert werden. Der Ausgabepreis der neuen Aktien ist noch nicht bekannt. Es wäre aber nicht erstaunlich, wenn er rund 25 Prozent unter dem Aktienkurs vom vergangenen Freitag, der 30,74 Euro betrug, liegen würde.

          Die Unterlagen für die Kapitalerhöhung sollen in den ersten Junitagen vorliegen; als Ende der Bezugsfrist ist der 24. Juni vorgesehen. Eine zu geringe Ausstattung mit Eigenkapital galt schon seit geraumer Zeit als eine Achillesferse der Bank im Vergleich zu vielen Konkurrentinnen. In der Vergangenheit hatte der Vorstand einen solchen Schritt nicht ausgeschlossen, aber darauf verwiesen, dass er eine Zunahme des Eigenkapitals durch Einbehaltung von Gewinnen bevorzugt.

          Bank benötigt auf lange Sicht deutlich mehr Eigenkapital

          Unmittelbar würde die Deutsche Bank, ein Erfolg der Kapitalerhöhung unterstellt, mit Blick auf die Überprüfungen der großen europäischen Banken durch die Europäische Zentralbank eine höhere Eigenkapitalquote ausweisen. Die Kernkapitalquote, ein gebräuchliches Maß für die Ausstattung einer Bank mit Eigenkapital, würde durch die Kapitalerhöhung von 9,5 auf 11,8 Prozent steigen.

          Willkommen wäre zusätzliches Eigenkapital auch mit Blick auf die noch existierenden Rechtsrisiken. Die Bank benötigt aber auch auf lange Sicht deutlich mehr Eigenkapital, um sich an ihren eigenen Ansprüchen messen zu lassen. Ihre Absicht besteht darin, sich unter den größten globalen Universalbanken zu etablieren. Allerdings bleibt ihr Börsenwert weit hinter Konkurrenten wie der amerikanischen JP Morgan Chase oder der britischen HSBC zurück. In der Deutschen Bank ist man sich schon seit längerer Zeit bewusst, dass die eigenen Absichten nur verwirklicht werden können, wenn es ihr gelingt, zu attraktiven Preisen neues Eigenkapital aufzunehmen.

          Investoren aus Qatar auch an VW beteiligt

          Das Emirat Qatar ist im Westen als Großanleger unter anderem durch seinen Staatsfonds wohl bekannt. Investoren aus Qatar sind unter anderem mit rund 17 Prozent am Volkswagen-Konzern beteiligt. Über einige Jahre hatte Qatar eine Beteiligung an Porsche besessen. Seit längerer Zeit kursieren Gerüchte, nach denen Qatar bereits eine kleine Beteiligung an der Deutschen Bank halte. Qatar ist unter anderem auch an der britischen Barclays Bank beteiligt und besitzt den Fußballklub Paris Saint-Germain. Offizielle Angaben über das Anlagevolumen des Fonds sind nicht bekannt. An den Finanzmärkten wird es auf 150 bis 200 Milliarden Dollar geschätzt.

          Wegen niedriger Zinsen, neuer Auflagen und anhaltender Prozessrisiken muss die Bank zudem ihre Ziele zum Teil senken oder nach hinten schieben. Im Geschäft mit Privatkunden und in der Zahlungsabwicklung wurden die Ziele für das Vorsteuerergebnis im Jahr 2015 um rund eine Milliarde Euro reduziert. Zudem werde die Rendite im Investmentbanking bei 13 bis 15 Prozent erwartet statt bisher bei 15 Prozent, teilte die Bank am Sonntag mit. Auch dürften Kosten für die Abarbeitung der Skandale aus der Finanzkrise weiter auf das Ergebnis drücken. Daher dürften die bisher für 2015 angestrebten Ziele für die Eigenkapitalrendite und die Kostenquote erst im Jahr darauf erreicht werden.

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