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Luftverkehr : Qatar Airways am Pranger der UN

Flugbegleiterin von Qatar Airways Bild: dpa

Die arabische Fluggesellschaft soll Stewardessen diskriminieren. Die Arbeitsorganistaion der UNO fordert Arbeitsverträge nach westlichem Muster.

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          Seit Monaten steht Qatar Airways wegen fragwürdiger Arbeitsbedingungen am Pranger. Die staatliche Fluggesellschaft aus dem Wüstenemirat Qatar bezahlt angeblich ihr Bodenpersonal schlecht und diskriminiere weibliche Flugbegleiter, lautet der Tenor der Kritik. Gewerkschafter aus Amerika und Europa halten dem Anbieter aus Doha dabei vor, Stewardessen bei Schwangerschaften aus dem Unternehmen zu drängen. Angesichts solcher Missstände riefen deutsche Bundestagsabgeordnete unlängst sogar zu einem Boykott der Fluggesellschaft auf.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Vorwürfe erhalten durch einen Aufruf der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) neuen Auftrieb. Die Organisation in Genf fordert, dass Qatar Airways die Mitarbeiterinnen des Kabinenpersonals bei einer Schwangerschaft nicht automatisch entlassen dürfe, auch nicht aus Gründen des Gesundheitsschutzes. Das Vorgehen der Gesellschaft verstoße gegen das 57 Jahre alte Diskriminierungsverbot am Arbeitsplatz, teilte die Organisation in Genf weiter mit. Die Arbeitsverträge der Fluggesellschaft, die insgesamt 20 000 Mitarbeiter beschäftigt, müssten daher entsprechend geändert werden, was in Teilen sogar erfolgt sei. Betroffene Stewardessen sollten die Möglichkeit haben, eine berufliche Auszeit zu nehmen oder an einem anderen Arbeitsplatz im Unternehmen zu arbeiten. Zudem müssten die Herrscher des Emirats „unverzüglich Maßnahmen ergreifen“, damit die Mitarbeiterinnen für eine Heirat nicht mehr die Erlaubnis ihres Arbeitgebers einholen müssten.

          Zur jüngsten Attacke aus Genf hielt sich Qatar Airways am Mittwoch strikt bedeckt. Vorstandschef Akbar Al Baker hatte die Vorwürfe der Gewerkschafter, auf die sich die ILO jetzt bezieht, vor Monaten empört zurückgewiesen. Zwar räumte er ein, dass die Stewardessen in ihren Arbeitsverträgen einen Passus hätten, der den Verzicht auf eine Heirat in den ersten fünf Berufsjahren festlegt, weil es nach internationalen Normen den Flugbegleiterinnen nicht erlaubt sei, in schwangerem Zustand zu fliegen. Für alle anderen weiblichen Beschäftigten seiner Gesellschaft gelte dieser Passus jedoch nicht. Wenn eine Stewardess schwanger sei, werde ihr eine andere Stelle beim Bodenpersonal angeboten, betonte Al Baker weiter.

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