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Rückzug aus Russland : Geschäfte mit Putin

Der schwedische Möbelkonzern hat sich aus Russland zurückgezogen. Bild: Reuters

Die Teilmobilmachung hat den Druck auf westliche Unternehmen nochmals erhöht. Wer weiterhin Geschäfte mit Putin macht oder auf ein baldiges Ende des jetzigen Regimes setzt, geht ein gehöriges Geschäftsrisiko ein.

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          Als Präsident Putin Ende Fe­bruar den Überfall auf die Ukraine befahl, war die westliche Welt zunächst geschockt und dann empört. Es folgten wirtschaftliche Sanktionen von Amerikanern und Europäern gegen Russland, die einhergingen mit der generellen Forderung, mit dem Land des Aggressors dürften westliche Unternehmen überhaupt keine Geschäfte mehr machen. Wer will schon dem Kriegsherrn im Kreml die Kassen füllen?

          Seitdem zeigt sich nicht nur auf der Importseite am Beispiel verschiedener Rohstoffe, wie schwierig es in einer vernetzten Weltwirtschaft ist, gewachsene Bindungen rasch zu kappen. Auch der Rückzug vom russischen Markt ist oft nicht über Nacht zu stemmen. Zwar haben nicht zuletzt wegen des öffentlichen Drucks viele westliche Hersteller den Absatz ihrer Produkte dort gestoppt.

          Doch gibt es viele Grenzfälle: Pharmahersteller verweisen auf die Abhängigkeit der Zivilbevölkerung und verdienen weiter gutes Geld. Schon bei Konsumgüterherstellern wird dieses Argument fragwürdig. Und mag Apple in der Moskauer Innenstadt auch keine iPhones mehr verkaufen, werden doch weiter Software-Updates aufgespielt. Zum Schutz der Privatsphäre, heißt es – auch von Dissidenten. Ein Fehler?

          Noch schwieriger sind die Entscheidungen über eigene Produktionsstätten im Land. Das Damoklesschwert der Enteignung schwebt über ihnen. In westlichen Hauptquartieren wachsen seit der jüngsten Teilmobilmachung zudem die Sorgen um russische Mitarbeiter. Bald könnten sie bewaffnet an der Front stehen. Mag man Managern im Westen die Fürsorge um ihre Belegschaft absprechen?

          So schwierig die Entscheidungen über einen Rückzug aus Russland im Einzelnen auch sein mögen – die Teilmobilmachung hat den Druck auf westliche Unternehmen nochmals erhöht. Wer weiterhin Geschäfte mit Putin macht oder auf ein baldiges Ende des jetzigen Regimes setzt, geht ein gehöriges Geschäftsrisiko ein.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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