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Pumas grüner Weg : Die Öko-Rechnung

„Die Grenzen der Belastbarkeit unseres Ökosystems sind überschritten”, sagt Jochen Zeitz Bild: dapd

Puma geht neue Wege: Erstmals soll eine Gewinn- und Verlustrechnung zeigen, was Raubbau an der Natur kostet. Jochen Zeitz, den Sanierer des Unternehmens, hat der Umgang mit den Ressourcen der Welt schon lange gestört.

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          Naturschutz ist für Jochen Zeitz eine Lebensaufgabe, der er sich auch als Vorstandsvorsitzender von Puma gestellt hat. Künftig will er sich um das Thema als Chef der neuen Sparte Sport & Lifestyle im französischen Mutterkonzern PPR kümmern. Dorthin wechselt er im Sommer, und Zeitz ist dann zugleich verantwortlich für Nachhaltigkeit. Nach Paris wäre er am liebsten schon vor zwei Jahren gegangen, weil er nach 16 Jahren bei Puma etwas anderes machen wollte. Dann aber kam die Krise. Und Zeitz sollte den drittgrößten Sportartikelhersteller der Welt für PPR-Chef François-Henri Pinault erst wieder stabilisieren.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Immerhin übernahm Zeitz fast zur gleichen Zeit, vor eineinhalb Jahren, eine Aufgabe, die ihm ans Herz wachsen sollte - und mit der er rechtzeitig zum Abschied von Herzogenaurach noch einmal einen Meilenstein setzen kann. Als erstes Unternehmen, wie Zeitz sagt, hat Puma eine Umwelt-Gewinn-und-Verlustrechnung erstellt. Die wird er in diesem Frühjahr für das Geschäftsjahr 2010 vorstellen. Damit kann ein direkter Vergleich mit der für Aktionäre maßgeblichen Ertragsrechnung erfolgen, die Dividende und Aktienkurs bestimmt.

          Schon lange hat es den 47 Jahre alten Sanierer von Puma gestört, dass Raubbau an den Ressourcen dieser Welt betrieben wird. „Die sind nicht umsonst“, sagt er. Und warnt: „Die Grenzen der Belastbarkeit unseres Ökosystems sind überschritten.“ Diese Aussagen mögen nicht neu sein, sie wurden schon oft aus dem Munde mancher Spitzenmanager gehört. Doch die Öko-Erfolgsrechnung ist ein Novum. „Es geht nicht darum, zu zeigen, dass nun der Gewinn um 30, 40 oder 50 Prozent niedriger gegenüber der traditionellen Rechnung ausfällt“, beschreibt Zeitz den virtuellen Charakter dieser Aufstellung. „Es sollen die Effekte visualisiert werden, die wir bislang als Geschenk betrachten.“ Es geht ihm um den Denkanstoß. Intern sollen die Aspekte in Geschäftsmodelle einbezogen werden: wenn es um Transporte von in Fernost produzierter Ware nach Europa, um den Ausstoß von Kohlendioxid, den Verbrauch von Wasser und die Belastung mit Abwasser geht. Puma arbeitet bei der schwierige Berechnung solcher Kosten mit dem Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse Coopers (PwC) zusammen. Außerdem ist das Analyseinstitut Trucost involviert, das sich auf die Messung von Umweltrisiken spezialisiert hat und umfassende Daten über Umweltauswirkungen von Unternehmensaktivitäten ermittelt. Das ist komplex und kostet Zeit.

          „Erst einmal müssen wir Erfahrungen sammeln“

          Immerhin will sich der amerikanische Chemiekonzern Dow Chemical fünf Jahre Zeit nehmen, um in einer Kooperation mit der Naturschutzorganisation The Nature Conservancy die Beanspruchung von Ökosystemen zu bewerten. Im Januar hatte Dow ein ähnliches Vorhaben wie das von Puma angekündigt und will 10 Millionen Dollar dafür bereitstellen. Wie Dow stehen auch die Sportartikelhersteller immer wieder unter Beobachtung von Naturschützern, die ab und an Produktionsmethoden anprangern. Daher verfolgen Nike, Adidas und Puma seit langem präventiv eine öffentlichkeitswirksame Ökostrategie. Erst Anfang dieser Woche hatte Adidas angekündigt, von 2018 an nur noch ökologisch hergestellte Baumwolle zu verwenden. Alle werden nicht müde, auf ihre Bemühungen hinzuweisen, möglichst umweltschonend Ware zu produzieren, zu verpacken und zu transportieren.

          Für Zeitz ist seine Öko-Erfolgsrechnung „der nächste konsequente Schritt“ in einem verantwortungsbewussten wirtschaftlichen Handeln. Es gehört indes nicht viel Phantasie dazu sich auszumalen, dass er von dem einen oder anderen als Spinner betrachtet oder gar belächelt werden wird.

          Andererseits: Sollte sich eine solche Umweltrechnung als stichhaltig erweisen, könnte der eine oder andere von Unternehmen veröffentlichte Nachhaltigkeitsbericht als modische Imagekampagne entlarvt werden. Das aber wird noch dauern. „Erst einmal müssen wir Erfahrungen sammeln“, sagt Zeitz. „Danach schauen wir weiter.“ Dann ist er längst bei PPR. Hat er Erfolg damit, kann er die Idee bei den Franzosen umsetzen - dort, wo Nachhaltigkeit zumeist noch ein Fremdwort ist.

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