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Puma-Chef steigt auf : Der Ritterschlag für Jochen Zeitz

Puma-Chef Jochen Zeitz neben einem Poster mit dem Läufer Usain Bolt in Beijing Bild: AFP

Puma-Chef Zeitz sanierte hart und positionierte in einem langwierigen Prozess die Marke als modernes, modisches Label. Jetzt wird er belohnt, steigt als Architekt einer neuen Einheit im Mutterkonzern PPR auf - und soll die wichtigste Konzernsäule aufbauen.

          Es hat gedauert, bis Jochen Zeitz den Ritterschlag für die Erfolge der Marke Puma bekommt, die einst fast dem Tod geweiht war. Streng genommen erhält der Vorstandsvorsitzende des Sportartikelherstellers Puma AG die Ehrung gleich zwei Mal. Auf die Beförderung zum Architekten der neuen Säule Sport & Lifestyle im Mutterkonzern PPR muss er bis zur gesellschaftsrechtlichen Umwandlung von Puma in eine europäische Aktiengesellschaft noch warten. Um das zu überbrücken, hat ihn PPR-Chef Francois-Henri Pinault mit sofortiger Wirkung zum Chief Sustainable Officer in das Management erhoben, der im französischen Luxusgüterkonzern verantwortlich für Nachhaltigkeit ist.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Das ist eine Aufgabe, die dem 47 Jahre alten Chef der Herzogenauracher Sportmarke am Herzen liegt. Zeitz setzt Prioritäten auf soziales Engagement und auf ökologisch ausgerichtete Geschäfte. Verantwortungsbewusster Umgang mit natürlichen Ressourcen, Schutz der Artenvielfalt, ehrgeizige Umwelt- und Sozialstandards, sind Teil der Lebensphilosophie. Das gilt besonders für die Kontinent Afrika; nicht nur weil er eine Farm in Kenia betreibt, auf die der Hobbypilot gerne selbst von oben blickt.

          Die Zeitz-Stiftung hat sich dem Schutz lokaler Ökosysteme verschrieben

          Insgesamt ist für ihn der schwarze Kontinent ein persönliche Anliegen. Zu viel Negatives werde über ihn berichtet, die schönen Dinge wie Musik, Kunst, Kultur und Sport ignoriert. Um so mehr ist für ihn mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen, weshalb er für diese Zeit sogar das Firmenlogo von Puma mit dem afrikanischen Kontinent statt mit der Raubkatze schmückte.

          Der Sportartikelhersteller Puma AG will seine Rechtsform in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) wandeln. Die Umwandlung soll auf der Hauptversammlung im April 2011 beschlossen werden

          Das Engagement geht weiter: Seine eigene Zeitz-Stiftung hat sich mit der Initiative „The Long Run“ dem Schutz lokaler Ökosysteme sowie Kulturen mit der Förderung von nachhaltigen, ökologischen und sozial verantwortlichen Konzepten verschrieben. Seine Ideen kann der sportlich leger gekleidete Manager im Polohemd oder Shirt - meist die beiden oberen Knöpfe geöffnet - nun auf der Ebene der sehr viel größeren PPR umsetzen, nachdem Vorstandschef Pinault den unaufhaltsamen Trend der Nachhaltigkeit für seinen Konzern entdeckt hat.

          Der durchtrainierte Marathonläufer wird wesentlich wichtiger

          Bís es zum zweiten Ritterschlag für Jochen Zeitz kommt, wird es noch etwa ein Jahr dauern. Mit der Ernennung zum Vorsitzenden des dann eingliedrigen Verwaltungsrates einer Puma SE wird er die strategischen Zügel im deutschen Unternehmen nicht aus der Hand geben, die alltägliche operative Kärrnerarbeit dann jedoch an den mit weniger Befugnissen ausgestatteten Vorsitzenden der Geschäftsführung delegieren. Das schafft Raum für die noch wichtigere Aufgabe, im Mutterkonzern die neu aufzubauende Markt Sport & Lifestyle zu verantworten und neben der Luxusmarke Gucci zu positionieren; ein Geschäft, das vom Umsatz her die wichtigste Säule im PPR-Konzern bilden soll.

          Die Ernennung ist eine Beförderung durch Pinault. Denn der durchtrainierte Marathonläufer Zeitz wird damit im Vergleich zur bisherigen Aufgabe künftig eine wesentlich wichtigere Rolle in der PPR-Gruppe spielen. Seit mindestens einen Jahr weiß der leise, aber bestimmt auftretende, noch immer jugendhaft wirkende Puma-Sanierer um seine Perspektiven, die ihn lange an die Franzosen binden werden. „Ich würde nicht weitermachen, wenn es langweilig wäre“, sagte Zeitz, dessen Vorstandsvertrag formal bis 2012 läuft, einmal dieser Zeitung. Und genauso hat er zu verstehen gegeben: „Geld macht mich nicht happy.“ Das ist natürlich leicht gesagt, wenn Zeitz zu den am besten bezahlten Managern Deutschlands gehört. 7,2 Millionen Euro hat er im Jahr 2007 verdient. Aktuelle Zahlen gibt es nicht, denn mit 2008 weist Puma nicht mehr die Vergütung einzelner Vorstände aus.

          Zeitz wollte Chirurg werden, ist aber zur Betriebswirtschaftlehre gewechselt

          Mit diesen Maximen ist Zeitz nun durchgekommen. Es geht ihm vorrangig um Werte, Aufgaben und Herausforderungen. Seit der Übernahme der Mehrheit durch PPR (früher Pinault-Printemps Redoute) im Sommer 2007 hat er jeher eine besondere Rolle gehabt. Oftmals präsentierte er die Zahlen von Puma, bevor der Mutterkonzern seine Ergebnisse vorlegte, was ansonsten undenkbar wäre, besonders für ein französisches Unternehmen. Darin kommt nicht nur die Bedeutung von Puma für PPR zum Ausdruck, sondern auch der Respekt vor dem Geleisteten.

          Denn der Marketingfachmann hat nach seiner Ernennung zum Vorstandsvorsitzenden von Puma eine eigentlich im Niedergang nicht mehr zu stoppende Marke wiederbelebt. 1988 fing er dort an. Nur fünf Jahre später wurde Zeitz am 1. Mai 1993 mit gerade einmal 30 Jahren jüngster Unternehmenschef einer börsenotierten deutschen Gesellschaft. Zu dem Zeitpunkt gab der Aktienmarkt mit einem Kurs von 7 Euro kaum noch einen Pfifferling für die schwarze Raubkatze. Als PPR einstieg, kostete die Aktie 330 Euro.

          Operation gelungen. Zeitz wollte Chirurg werden, hat aber zur Betriebswirtschaftlehre gewechselt; ohne zu wissen, dass ihm später chirurgische Kräfte, wenn auch nicht im medizinischen Sinne, abverlangt werden, Zunächst sanierte er hart die Finanzen des Konzerns, danach positionierte er in einem langwierigen Prozess die Marke Puma als modernes und modisches Label. Jetzt erwarten Jochen Zeitz bei PPR nun genau die Herausforderungen, die er sucht: Um Puma herum die wichtigste Konzernsäule für PPR-Chef Pinault aufzubauen.

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