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Auto-Kommentar : PSAs Umgang mit Opel grenzt an Erpressung

  • -Aktualisiert am

Bild aus früheren Tagen: PSA-Chef Carlos Tavares und Opel-chef Michael Lohscheller Bild: Reuters

Lohnverzicht, Werksschließung, Arbeitsplatzabbau – den Mitarbeitern von Opel wird ein ganzes Arsenal an Folterwerkzeugen präsentiert. So darf man nicht mit Menschen umspringen, die sich ins Zeug legen.

          Im Gespräch mit der Bundesregierung über die Zukunft von Opel habe PSA-Chef Tavares „die Standort- und Jobgarantien erneuert, die der bisherige Eigentümer in geltenden Tarifverträgen gegeben hatte“ – so stand es im April 2017 in der F.A.Z. Ein Jahr später ist die Meldung Geschichte. Der französische Hausherr legt dem chronisch notleidenden Autohersteller Bandagen an, die an Erpressung grenzen. Kein Wunder, dass Bundeskanzlerin Merkel mahnende Worte gen Paris sendet. Lohnverzicht, Werksschließung, Arbeitsplatzabbau – ein ganzes Arsenal an Folterwerkzeugen wird jetzt präsentiert.

          Dabei klingt noch in den Ohren, was Tavares aus Anlass der Übernahme verkündet hat: Opel solle dank deutschem Gütesiegel die Premiummarke im Konzern werden, er wolle den Umbau mit den Menschen gestalten, die Chancen stünden gut, alle Werke zu erhalten. Jetzt stehen die Chancen auf allen Feldern schlecht. Der Gang der Dinge ist geeignet, all jene zu bestärken, die den zentralistisch denkenden Franzosen von Beginn an misstraut haben.

          Erst sollte das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim mehr Kompetenz bekommen, nun sind Tausende Stellen gefährdet. Erst war der Standort Eisenach durch den Nachfolger des SUV Mokka gesichert, jetzt steht er auf der Kippe. Erst lag die größte Synergie im Einkauf, nun laufen Abfindungsprogramme, die fatalerweise eher von wichtigen Mitarbeitern angenommen werden. Erst sollte die Marke aufblühen, nun schlingert sie konturlos dahin, und alle Händlerverträge sind gekündigt. So darf man mit den Menschen nicht umspringen, die sich täglich in den bonusfreien Büroetagen und am Band ins Zeug legen.

          Die Ankündigungen vor Jahresfrist waren Beschönigungen, wenn nicht arglistige Täuschungen. Ja, viele Motoren und Getriebe von Opel sind Altmetall, die Produktion ist ineffizient. Daher wird alle Technik auf französische umgestellt. Doch sind Tavares und seine Truppen wirklich überrascht worden? Falls es jemand vergessen haben sollte: Tavares ist Kostenkiller, ein menschlich erquicklicher, im Geschäft indes humorfreier Typ. Er hat seinerzeit auch gesagt: „Wir können nicht den Status quo in einem Unternehmen verteidigen, das Verluste macht.“ Wohl wahr. Aber ein Zukunftskonzept ist das noch nicht. Und es wird sicher keines daraus, wenn Belegschaft und Kunden auch noch das letzte Vertrauen verlieren.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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