https://www.faz.net/-gqe-9ss9z

Autoindustrie im Wandel : Fusion in höchster Not

Sauber, schöner, größer: PSA sucht die Fusion mit Fiat-Chrysler Bild: dpa

Die Autobranche sucht nach Größe: Gelingt PSA die Fusion mit Fiat-Chrysler? Renault war am gleichen Vorhaben gescheitert.

          4 Min.

          Frankreich und Italien wollen in der Autoindustrie weiter miteinander anbandeln. Vor fünf Monaten waren die Fusionspläne von Renault und Fiat-Chrysler gescheitert, nun aber tritt der Renault-Rivale PSA Peugeot Citroën nach vorne: Am Mittwoch bestätigte der Konzern in Rueil-Malmaison nahe Paris, mit Fiat-Chrysler „in laufenden Diskussionen zu stehen, durch die eine der größten Automobilgruppen der Welt entstehen soll“.

          Martin Gropp
          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Wenn der Zusammenschluss zustande kommt, setzt sich die Konsolidierung in der Autoindustrie fort. Die Suche nach klimafreundlichen Antrieben und die Digitalisierung erfordern in den Augen der Hersteller hohe Investitionen, die alleine nicht mehr zu stemmen sind.

          Wie es in Verhandlungskreisen hieß, sind in den Gesprächen schon einige Eckpunkte abgesprochen worden. Die operative Führung käme danach in die Hand des PSA-Vorstandsvorsitzenden Carlos Tavares, während der aus der italienischen Agnelli-Familie stammende Präsident von Fiat-Chrysler, John Elkann, zum Präsidenten und Verwaltungsratsvorsitzenden ernannt werden soll. Schon für den Mittwochnachmittag wurde der PSA-Verwaltungsrat zusammengerufen, hieß es, um zu Entscheidungen zu kommen. Die Fusion würde den viertgrößten Autohersteller der Welt nach VW, Toyota und der Allianz aus Renault-Nissan-Mitsubishi entstehen lassen.

          Den amerikanischen Markt erobern

          Wie zuvor für Renault besteht auch für PSA der Reiz einer Fusion mit Fiat-Chrysler darin, ein Händlernetz in den Vereinigten Staaten und die Geländewagenmarke Jeep zu erhalten. Tavares hat oft von seinem Traum gesprochen, den Markt in den Vereinigten Staaten zu erobern. Das europäische Geschäft von Fiat-Chrysler ist dagegen in den vergangenen Jahren kräftig geschrumpft. Gerade deswegen gibt es nicht mehr so viele Überschneidungen in der Modellpalette zwischen Peugeot-Citroën und Fiat.

          An der Börse hat am Mittwoch vor allem der Fiat-Kurs profitiert; bis zum Nachmittag stieg er um gut 9 Prozent, während PSA-Papiere knapp 4 Prozent gewannen. Die Unternehmen stellen sich eine Fusion unter Gleichen vor, denn die Börsenbewertung ist ähnlich: Für PSA in Paris zuletzt rund 23 Milliarden Euro, für Fiat in Mailand knapp 20 Milliarden Euro.

          Die Aktionäre von Fiat-Chrysler müssen sich deshalb darauf einstellen, dass es wohl kaum eine Sonderdividende geben wird, wie sie im Fall einer Fusion mit Renault als Wertausgleich vorgesehen war. Andererseits wird es dieses Mal schwieriger, die Gewichte der Aktionäre auszutarieren. Fiat-Chrysler ist zu 29 Prozent im Besitz der Agnelli-Finanzholding Exor. PSA gehört zu jeweils 12,2 Prozent der Familie Peugeot, der staatlichen französischen Investitionsbank BPI und dem chinesischen Autohersteller Dongfeng.

          Die französische Regierung ließ verlauten, dass sie die Gespräche „mit Offenheit“ verfolge. Anfang Juni waren die Gespräche zwischen Fiat-Chrysler und Renault an den Machtansprüchen der französischen Regierung in der Führung des Konzerns und wegen Querelen mit dem japanischen Renault-Partner Nissan gescheitert. Doch während der französische Staat bei Renault größter Aktionär mit 15 Prozent des Kapitals und 23 Prozent der Stimmrechte ist, hat er bei PSA nur knapp 10 Prozent der Stimmrechte.

          Jeep und Dodge Ram

          Traditionell wird PSA in Frankreich weniger als nationales Symbol und mehr als Familienunternehmen gesehen, zumal die Peugeots lange dominierten. „Zwischen PSA und den Agnellis gibt es eine gemeinsame Kultur der Familien. Andererseits dürften diese auch härter ums Geld ringen, denn es ist ihr eigenes“, sagte der Transportfachmann Arnaud Aymé von der Beratungsgesellschaft Sia Partners.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.