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International mit Rekordumsatz : Prüfriese PWC wächst trotz Krisen kräftig

  • -Aktualisiert am

Nah an der Macht: Vor einem Gebäude von PWC in der Hauptstadt Berlin Bild: Imago

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PWC hat sich stark von der Pandemie erholt und will seine Dienste anders als der Konkurrent EY weiter aus einer Hand anbieten.

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          Die deutsche Mitgliedsgesellschaft des internationalen Wirtschaftsprüfer- und Beraternetzwerks PWC hat für ihr jüngst abgeschlossenes Geschäftsjahr ein starkes Wachstum gemeldet. In den zwölf Monaten von Juli 2021 bis Juni 2022 stiegen die gesamten Einnahmen demnach um fast 14 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          PWC ist in Deutschland der größte Anbieter von Prüfungs- und Beratungsdienstleistungen für Unternehmen und war im von der Corona-Pandemie geprägten Vorjahr nur schwach um 1,5 Prozent gewachsen. Nun aber hat sich PWC von der Corona-Krise kräftig erholt. Das internationale PWC-Netzwerk steigerte seinen Gesamtumsatz in 150 Ländern rund um die Welt ebenfalls um mehr als 13 Prozent und erreichte sogar einen Rekordwert von 50,3 Milliarden Dollar.

          Bereinigt oder unbereinigt?

          Wegen der Pandemieeffekte im Vorjahr ist ein genauerer Blick auf die aktuellen Zahlen angebracht. Denn die Branche misst ihre Umsätze üblicherweise an der Gesamtleistung, also einschließlich der den Kunden in Rechnung gestellten Reisekosten, weil Prüfer und Berater häufig bei Mandanten vor Ort eingesetzt werden und daher viel unterwegs sind. Weil im Vorjahr von 2020 bis 2021 wegen der Corona-Lockdowns kaum Dienstreisen stattfanden und die Prüfer und Berater vorwiegend von zu Hause aus arbeiteten, hatte PWC damals innerhalb der Gesamtleistung fiktive Reisekosten angesetzt und dadurch den realen Wert auf 2,39 Milliarden Euro nach oben korrigiert.

          Trotzdem berechnet PWC das Wachstum nun im Vergleich zur unbereinigten Vorjahreszahl von nur 2,3 Milliarden Euro, die wegen der damaligen Lockdowns wenig Reisekosten enthält. Das schmeichelt dem aktuell gemeldeten Wachstum etwas. PWC bezeichnet die Betrachtung aber als ordnungsgemäß. „Wir vergleichen Äpfel mit Äpfeln“, sagte die neue Deutschlandchefin Petra Justenhoven am Dienstag während der Präsentation der Geschäftszahlen.

          Schutz vor Hackerangriffen

          Justenhoven ist seit 1. Juli Sprecherin der Geschäftsführung von PWC in Deutschland. Trotz der heraufziehenden Rezession sieht sie weiter gute Geschäftsaussichten, denn die großen Herausforderungen für Kunden von PWC blieben auch über aktuelle Krisen hinaus bestehen. Justenhoven verwies dazu auf die Digitalisierung, die Dekarbonisierung sowie den Fachkräftemangel. Diese Entwicklungen verlangen Unternehmen einen starken Wandel ab, wobei sie sich von Beratern unterstützen lassen. Auch das ab Januar in Kraft tretende Gesetz über mehr ethische Sorgfalt in den internationalen Lieferketten wird der Firmenwelt und ihren Beratern einiges abverlangen. Eine stark wachsende neue Dienstleistung von PWC und anderen Prüfungsgesellschaften ist zudem der Kampf gegen Hackerangriffe auf Unternehmen und zunehmend auf die kritische Infrastruktur.

          Im Zuge dieser Entwicklungen ist die Unternehmensberatung von den PWC-Geschäftsbereichen am stärksten gewachsen und erwirtschaftete eine Gesamtleistung von 1,12 Milliarden Euro, knapp ein Viertel mehr als im Vorjahr. Aber auch die Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Beratungsleistungen legten um 9,7 Prozent auf 841 Millionen Euro zu. Mit der Steuerberatung und Rechtsberatung konnte PWC in Deutschland mit 588 Millionen Euro 2,6 Prozent mehr einnehmen.

          Trotz des im Vergleich zur Unternehmensberatung schwächeren Wachstums ist die Wirtschaftsprüfung ein Aushängeschild für PWC. Der Anbieter konnte die Dax-Riesen Siemens und Mercedes-Benz als Prüfungskunden gewinnen und hat Aufträge für die Prüfung von 17 der 40 Dax-Unternehmen erhalten. Der Marktanteil im Leitindex ist damit auf 42 Prozent gewachsen. „Wir sehen uns als Gewinner der Rotation“, sagte Justenhoven. Sie betonte aber, dass nicht nur börsennotierte Unternehmen eine wichtige Kundengruppe seien, sondern auch der Mittelstand.

          Wegen des Wachstums schafft das Prüfungs- und Beratungsnetzwerk zahlreiche Stellen. Allein in Deutschland stellte PWC 3449 Mitarbeiter ein und beschäftigte im Durchschnitt des Geschäftsjahres 13.095 Personen. Insgesamt schuf das PWC-Netzwerk auf der ganzen Welt sogar 32.000 neue Jobs.

          PWC will auch weiter Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung aus einer Hand anbieten, anders als der Konkurrent EY, der gerade an einer großen Aufspaltung beider Geschäftsbereiche arbeitet. EY will sich mit diesem Schritt mehr Wachstum verschaffen, denn bisher dürfen Prüfungskunden nicht gleichzeitig von demselben Anbieter beraten werden. Das soll die Unabhängigkeit der Abschlussprüfer stärken, kann aber dazu führen, dass Prüfungs- und Beratungssparten des gleichen Hauses sich gegenseitig Kunden abjagen.

          Manche in der Prüferbrache trauen EY zu, mit seinen Vorbereitungen für eine Abspaltung der Beratungssparte als die erste der vier größten Prüfungs- und Beratungsnetzwerke möglicherweise verschärften regulatorischen Auflagen für die gesamte Branche zuvorzukommen. PWC dagegen sieht laut Justenhoven in einer solchen Aufspaltung keinen „First Mover Advantage“, also keinen Vorteil aufseiten eines Pioniers.

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