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Prozess : Schlecker-Insolvenz zeichnete sich schon 2009 ab

  • -Aktualisiert am

Schlecker reichte 2012 einen Insolvenzantrag ein. Bild: dpa

Die Drogeriekette war nach Ansicht eines Gutachters schon drei Jahre vor dem offiziellen Insolvenzantrag quasi pleite. Auch Chef Anton Schlecker soll darüber Bescheid gewusst haben.

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          Der Niedergang der Drogeriemarktkette Schlecker hat laut einem Wirtschaftsgutachter vielschichtige Gründe laut einem gehabt - der zunehmende Konkurrenzdruck von den Rivalen DM und Rossmann, die Ausweitung des entsprechenden Angebots von Discountern oder auch das wohl zu späte Gegensteuern von Unternehmensgründer Anton Schlecker. „Das Geschäftsmodell geriet immer mehr unter Druck“, sagte Michael Harz am Montag im Strafprozess vor dem Stuttgarter Landgericht. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft durchleuchtete er die Hintergründe der Insolvenz des einst größten europäischen Drogerieunternehmens. Auf seiner Analyse stützt sich in wesentlichen Teilen auch die Anklage.

          Nach seiner Auffassung hatte sich das drohende Ende des Unternehmens schon deutlich vor dem Insolvenzantrag im Januar 2012 abgezeichnet. „Nach meinem Dafürhalten drohte Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit“, sagte Harz. Über Jahre hinweg habe es einen klar erkennbaren negativen Trend gegeben. Das Programm zum Umbau von Schlecker sei zwar gut gewesen, aber zu spät gekommen und nicht mehr finanzierbar gewesen.

          Keine Darlehen von Banken

          Die Anklage geht davon aus, dass spätestens Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte und der heute 72 Jahre alte Angeklagte über die Lage im Bilde war. Schlecker hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und erklärt, er sei bis zum Schluss nicht davon ausgegangen, dass er Insolvenz anmelden müsse. Der Drogeriemarktkette ging Anfang 2012 das Geld aus. Die Anklage wirft dem Gründer vorsätzlichen Bankrott vor. Er soll außerdem Geld aus dem Unternehmen gezogen und an seine Kinder Lars und Meike verschoben haben, die wegen Beihilfe angeklagt sind. Das Verfahren läuft bis Oktober, als Hauptangeklagter muss Schlecker im schlimmsten Fall mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe rechnen.

          Im Gerichtssaal zeichnete Harz detailliert die Abwärtsspirale nach, die der Gründer irgendwann nicht mehr stoppen konnte. Das Unternehmen habe zunächst über mehrere Jahre hinweg durch „bilanzpolitische Maßnahmen“ die entstandenen Verluste nicht ausgewiesen. Ende 2010 betrug das Minus schließlich 119 Millionen Euro und ein Jahr später wurde mit rund 200 Millionen Euro Verlust gerechnet. Die Liquiditätskrise hatte sich schon ab Mitte 2009 ausgewirkt. Nach Auffassung des Gutachters hatte das Unternehmen nicht die entsprechenden flüssigen Mittel, um den geplanten Umbau zu finanzieren. Es hätten keine Darlehen von Banken zur Verfügung gestanden, berichtete Harz den Richtern.

          Mehr als eine Milliarde Euro an Forderungen

          Die Umstellung auf modernisierte, größere Märkte bei gleichzeitiger Schließung unrentabler Filialen wäre nach seiner Darstellung ein gangbarer Weg gewesen. Das aber wäre ein Kampf gegen die Zeit gewesen. „Das Schiff fährt erst einmal 30 Seemeilen gerade aus weiter, bis es eine leichte Rechtskurve macht.“ Mit der Restrukturierung hätte Schlecker ein paar Jahre früher beginnen müssen, sagte Harz. Anton Schlecker hatte in dem Verfahren mehrfach deutlich gemacht, dass er von Unternehmensberatern nicht viel hielt und dem Gang zu Banken sehr skeptisch gegenüberstand. Erst das Konzept der zuletzt angeheuerten Berater hätte ihn damals überzeugt, hieß es in seiner früheren Aussagen.

          Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hatte Schlecker „eine Mischung aus Naivität und Beratungsresistenz“ bescheinigt. Das habe den Konzern mit seinen tausenden Filialen in die Pleite getrieben, erklärte Geiwitz in seiner Zeugenaussage vor zwei Wochen. Mehr als eine Milliarde Euro an Forderungen haben die Gläubiger insgesamt angemeldet. Was am Ende für sie noch herausspringt, und was der Prozess dazu beiträgt, ist unklar. Der Insolvenzverwalter will über Schadenersatzklagen bei Lieferanten im besten Fall 300 Millionen Euro eintreiben, die dann in die Insolvenzmasse fließen. Daraus sollen auch die ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter bedient werden.

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