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Schweizer Wirtschaftskrimi : Auf Spesen ins Striplokal

Pierin Vincenz im Februar 2015 Bild: Picture-Alliance

Dem ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz drohen bis zu sechs Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Banker gewerbsmäßigen Betrug und Veruntreuung vor. In der Anklage geht es nicht nur um Ausflüge in Rotlichtbars.

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          So viel ist klar: In dieser Nacht ging es hoch her. Vom 11. auf den 12. Juni 2014 logierte Pierin Vincenz im Hotel Park Hyatt in Zürich. Der Aufenthalt endete mit einer Rechnung über 3778 Franken. Die stattliche Summe kam nicht etwa durch den exzessiven Konsum von Champagner und Kaviar zustande, sondern durch die Reparaturkosten für beschädigte Wände, Teppiche, Betten, Kissenbezüge, Badetücher und weiteres Inventar, das in jener wilden Nacht zu Bruch ging. Derlei Eskapaden kennt man von benebelten Rockstars. Aber Pierin Vincenz gehört einer ganz anderen Berufsgruppe an: Der Schweizer war Bankmanager. Von 1999 bis 2015 führte er Raiffeisen Schweiz , die drittgrößte Bankengruppe des Landes. Er galt als bodenständiger Vorzeigemanager – bis zu seinem tiefen Fall.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          In jener Nacht im Hyatt war Vincenz nicht allein. Mit ihm in Zimmer 507 befand sich eine junge Frau, die Vincenz wohl im King’s Club kennengelernt hatte. In diesem Striplokal in der Züricher Altstadt hatte sie mindestens bis zum Frühjahr 2013 als Tänzerin gearbeitet. Vincenz war dort gern und oft gesehener Gast. Der verheiratete Bankboss und die Tänzerin gerieten bei ihrem Stelldichein im Sommer 2014 jedenfalls in einen heftigen Streit, in dessen Verlauf das Hotelzimmer teilweise verwüstet wurde. Für die Reparaturkosten kam Vincenz per Firmenkreditkarte auf. Er ließ also Raiffeisen dafür zahlen.

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