https://www.faz.net/-gqe-ahtm4

Resilience-Barometer 2021 : Umfrage unter Managern: Profit schlägt Nachhaltigkeit

Stimmt die Kasse? Mehr Gewinn ist in der Manager-Umfrage das meistgenannte Ziel. Bild: dpa

Überraschend viele Unternehmen haben Probleme damit, ihr Geschäft zu digitalisieren. Eine aktuelle Umfrage zeigt zudem: Profit ist doppelt so vielen Managern wichtig wie Nachhaltigkeit.

          2 Min.

          Obwohl die Digitalisierung längst in den Alltag eingezogen ist, kämpfen zwei von drei Unternehmen noch immer mit ihr. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Andersch, in der knapp 3000 Entscheider aus Unternehmen in den 20 führenden Industriestaaten (G 20) befragt wurden. Der Aussage „Das Unternehmen tut sich mit der Digitalisierung schwer“ stimmten exakt zwei von drei Managern zu. In der EU waren es 64 Prozent, in Deutschland „nur“ 61 Prozent – aber damit immer noch überraschend viele.

          Christoph Schäfer
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Warum eine Firma mit der Digitalisierung kämpft, lässt sich natürlich nur im Einzelfall beantworten. Christian Säuberlich, Vorstand der Unternehmensberatung Andersch, beobachtet nach eigener Aussage aber zwei Ursachen immer wieder: „Zum einen sind viele Unternehmen mit der Komplexität von Digitalisierung überfordert, da sie sich über alle Bereiche und Wertschöpfungsstufen erstreckt. Gerade mittelgroße Unternehmen kommen in ihren Management-Strukturen und -Kompetenzen da schnell an ihre Grenzen.“ Zum anderen erfordere Digitalisierung eine andere Art von Führung. „Agiles Management wird zwar seit Jahren propagiert, aber in der Praxis wird sehr oft noch traditionell-hierarchisch geführt, einfach weil es in der Vergangenheit oft ein Erfolgsprinzip war“, sagt Säuberlich. Sich dennoch anzupassen, falle fielen Unternehmen schwer.

          Noch etwas anderes fällt in der Umfrage stark auf: Nur 17 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland haben in den vergangenen zwölf Monaten zusätzlich in Forschung und Entwicklung investiert – weltweit haben das 35 Prozent angegeben, in der EU 32 Prozent. „Nach wie vor nehmen Innovation und Veränderung keine Top-Priorität bei deutschen Unternehmen ein“, bedauert Restrukturierungsfachmann Säuberlich. „Deutsche Unternehmen bekräftigen auch in dieser Umfrage ihren Ruf, eher abwartend und reagierend statt Innovationstreiber zu sein.“

          Stärker als auf Zukunftsinvestitionen haben die deutschen Entscheider in den vergangenen zwölf Monaten nach eigener Aussage auf den Abbau von Arbeitsplätzen (28 Prozent) gesetzt, auf die Restrukturierung ihrer Firma (25 Prozent) und auf die Straffung ihrer Lagerhaltung beziehungsweise ihres Angebots (20 Prozent).

          Nachhaltigkeit ist kein Top-Ziel

          Ziemlich traditionell sind auch die Prioritäten mit Blick auf die nähere Zukunft. Auf die Frage „Welche Ziele verfolgt Ihre Firma in den nächsten zwölf Monaten mit Hochdruck?“ antworteten 48 Prozent der deutschen Manager: Profite steigern. Mehr Gewinn ist damit das meistgenannte Ziel. Dem folgen: Umsatz erhöhen (42 Prozent) und neue Märkte entwickeln (34 Prozent). Weit abgeschlagen am Ende der Liste: die Nachhaltigkeit. Gerade mal jeder vierte Manager will sich hier mit Hochdruck engagieren. Mit anderen Worten: Am Wohl des Planeten wollen mit 24 Prozent exakt halb so viele Entscheider arbeiten wie am Wohl der Firmenkasse.

          Für das „Resilience-Barometer 2021“ (Widerstandsfähigkeits-Barometer 2021) wurden dieses Jahr exakt 2869 Entscheider aus Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehrheitlich 100 Millionen bis 3 Milliarden Dollar nach aktuellen Trends und Risiken für das eigene Geschäft befragt. 73 Prozent der Teilnehmer sind für Unternehmen im Privatbesitz tätig, 27 Prozent für Unternehmen mit Börsennotierung.

          Weitere Themen

          Das ist Frankreichs nächstes Einhorn

          F.A.Z. Exklusiv : Das ist Frankreichs nächstes Einhorn

          Die Zahl der französischen Jungunternehmen im Wert von mindestens einer Milliarde Euro hat sich in kürzester Zeit vervielfacht – noch schneller als von Präsident Macron gefordert. Nun folgt Nummer 26.

          Topmeldungen

          Kennt die Vorzüge Emdens als Standort bestens: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil.

          Wettlauf um Batteriefabriken : „Unsittlich hohe Subventionen“

          Emden wäre der perfekte Standort für eine Batteriezellfabrik, findet Stephan Weil. Im Interview spricht Niedersachsens Ministerpräsident über Klimaschutz, Probleme bei VW – und was die Bundespolitik dringend befolgen sollte.
          Eine Intensivfachpflegerin betreut auf der Intensivstation des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe einen Covid-19-Patienten.

          Coronavirus in Deutschland : Die Inzidenz steigt weiter stark an

          Die Omikron-Variante des Coronavirus breitet sich weiter aus. Das Robert-Koch-Institut registriert fast 75.000 Neuinfektionen und eine Sieben-Tage-Inzidenz von 553,2. Seit Pandemie-Beginn hat sich fast jeder Zehnte in Deutschland mit Covid-19 infiziert.
          Obwohl selbst gerade unter Beschuss hat Boris Johnson viel vor mit der BBC: Muss der britische Sender bald ohne Rundfunkgebühren auskommen?

          Medienplan von Boris Johnson : Geht die BBC jetzt pleite?

          Boris Johnson will die Rundfunkgebühren für die BBC streichen. Was folgt daraus für den öffentlich-rechtlichen Sender, der wie die Queen britische Werte verkörpert?