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Millionenverluste : Filmproduzent Luc Besson rauscht in die Tiefe

Regisseur Luc Besson im September 2018 bei der Eröffnung des französischen Themenbereiches im Europa-Park Rust Bild: dpa

Die Produktionsfirma des bekannten Filmemachers Luc Besson ist pleite. Dazu trugen auch schwere persönliche Vorwürfe bei: Neun Frauen werfen ihm sexuelle Übergriffe vor.

          Ausgerechnet in der Eröffnungswoche des Filmfestivals von Cannes macht der bekannteste französische Regisseur mit einer Hiobsbotschaft von sich reden: Luc Bessons Produktions- und Vertriebsunternehmen Europacorp ist zahlungsunfähig; ein Handelsgericht im Pariser Vorort Bobigny stellte sie zu Wochenbeginn für sechs Monate unter Gläubigerschutz. Europacorp erlitt zuletzt hohe zweistellige Millionenverluste und sitzt auf einem Berg von Schulden. Vor allem ein Misserfolg zog das Unternehmen in die Tiefe: der Science-Fiction-Streifen „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“, der 2017 in die Kinos kam. Die Produktion kostete 197 Millionen Euro und war damit der teuerste Film, der jemals in Europa hergestellt wurde. Seine Verluste sollen im zweistelligen Millionenbereich liegen; in den Vereinigten Staaten spielte er kaum mehr Geld ein als in Frankreich, und auch das Abschneiden in China lag unter den Erwartungen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der 60 Jahre alte Besson setzte schon immer gern viel auf eine Karte, wenn er sich wie bei der Verfilmung der französischen Comic-Serie „Valerian et Laureline“ einen Lebenstraum erfüllen wollte. Doch nun könnte der Traum ein Albtraum werden. Damit ist auch seine 2012 eröffnete Filmschule im Pariser Vorort Saint-Denis mehr denn je von der Schließung bedroht. Viele Aktionäre haben sich von Europacorp abgewandt. Die vor knapp zwölf Jahren für gut 14 Euro an die Börse gebrachte Aktie notiert heute nur noch bei rund 80 Cent; allein in den vergangenen zwölf Monaten verlor der Titel 70 Prozent seines Werts.

          Dazu trugen auch die schweren persönlichen Vorwürfe gegen Besson bei: Neun Frauen werfen ihm sexuelle Übergriffe vor. Im Februar dieses Jahres ist eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft Paris nach der Anzeige einer Schauspielerin ohne weitere Maßnahmen eingestellt worden, doch eine weitere Ermittlung wurde gleich danach eröffnet. Ist er ein französischer Weinstein? Er streitet die Anschuldigungen ab; französische Investigativjournalisten berichten indes über einen großen Mantel des Schweigens, der trotz der „Metoo“-Bewegung über der französischen Filmindustrie liege.

          Persönliche Finanzen in trockenen Tüchern

          Die Gläubiger von Bessons Filmfirma wollen den Franzosen auf jeden Fall nicht länger in der operativen Führung des Unternehmens sehen. An ihnen führt jetzt kein Weg mehr vorbei. Europacorp ist mit Schulden von rund 220 Millionen Euro konfrontiert; davon sollen 138 Millionen Euro von rund 20 Banken gehalten werden und der Rest von der amerikanischen Filmfinanzierungsfirma Vine. Sollten die Gläubiger künftig im Zuge einer Schuldenrestrukturierung Eigentümer werden, wäre Europacorp nicht mehr französisch. Die Wirtschaftszeitung „Les Echos“ zitiert einen ungenannten Bankier, der in diesem Fall ein Einschreiten der Regierung in Paris für wahrscheinlich hält.

          Schon länger ist Europacorp indes kein rein französisches Unternehmen mehr. 2016 holte sich Besson die Firma Fundamental Films aus Hongkong mit 28 Prozent ins Kapital, um Finanzlöcher zu stopfen. Besson hält noch gut ein Drittel der Anteile. Der Franzose braucht jetzt schnell ein neues Konzept. Seine Idee, den amerikanischen Filmriesen einen europäischen Wettbewerber entgegenzusetzen, ist gescheitert.

          Frühere Erfolge wie „Im Rausch der Tiefe“, „Subway“, „Nikita“, die „Taxi“-Filme oder das „Fünfte Element“ liegen lange zurück. Die Serienproduktion aus älteren Titeln könnte ein Weg aus der Krise sein. Bessons neuestes Werk namens „Anna“ soll im Sommer auf die Leinwände kommen.

          Um seine persönliche Finanzlage muss sich indes niemand Sorgen machen. Trotz der Finanzkrise seines Unternehmens und des schon erfolgten Personalabbaus genehmigt sich Besson für „Anna“ laut dem Branchendienst Cinefinances.info ein Gehalt von 4,2 Millionen Euro. Für den Misserfolg „Valerian“ war es sogar eine Million Euro mehr.

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