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Ende beim Defender : Pilgerfahrt nach Solihull

Königlich: Elizabeth II. und ihr Mann Prinz Philip machen einen Ausflug im Defender (1953). Bild: Getty

68 Jahre lang wurde in der britischen Stadt der Geländewagen-Methusalem Defender gebaut. Jetzt ist Schluss. Ein Abschiedsbesuch in der Fabrik.

          „Die Kunden sind ja heute anspruchsvoller als früher“, sagt Mike Bishop. Er zeigt auf die Regentestkabine. Mit ihrer Hilfe vergewissert sich der britische Autohersteller Jaguar Land Rover (JLR), dass die frisch aus der Fertigung rollenden Fahrzeuge seines Traditionsmodells Defender auch wasserdicht sind. Es gibt sie seit drei Jahren, in den 65 Jahren davor war es dagegen völlig in Ordnung, dass es an nassen Tagen auch im Innenraum ein bisschen feucht wurde. Und ist der Defender jetzt dicht? Die Kundschaft kennt die Antwort, und zu viel will selbst Bishop, der bei JLR Besuchergruppen durch die Fabrik führt, nicht versprechen: Ja, es sei schon deutlich besser geworden. „But the car is what it is“, sagt er.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der Ausflug ins Stammwerk des Herstellers im englischen Solihull ist die allerletzte Gelegenheit, um dem Defender „bye-bye“ zu sagen: Diesen Freitag gehen in der betagten Fabrikhalle, wo der Geländewagen montiert wird, die Lichter aus. Nach 68 Jahren und mehr als zwei Millionen produzierten Fahrzeugen wird die Fertigung endgültig eingestellt. Als in Solihull 1948 die ersten Exemplare vom Band rollten, war die Queen noch Kronprinzessin und Konrad Adenauer noch nicht Bundeskanzler. In der modernen Autowelt ist der Defender damit einzigartig: Kein anderes Großserienauto, das heute noch gefertigt wird, hat so viele Jahre auf dem Buckel.

          Nach 68 Jahren Abschied nehmen

          Im Grunde sei er noch immer ganz der alte, versichert Bishop: „Die Türen, die wir heute einbauen, passen problemlos in ein Exemplar von 1958.“ Die Fans des Defender hören solche Sätze gerne. In den vergangenen Monaten sind sie in Heerscharen hierher in die englischen Midlands gekommen, um Abschied zu nehmen. JLR hat eigens ein Besichtigungsprogramm organisiert. Für umgerechnet 60 Euro konnte man sich die Fabrik von innen ansehen.

          Gut 10.000 wehmütige Liebhaber aus der ganzen Welt haben 2015 die Pilgerfahrt nach Solihull unternommen. Die Zahl lässt erahnen, wie groß die Fangemeinde dieses Autos ist. Aber jetzt ist Schluss. Zu viel Geld müsste JLR investieren, damit der hoffnungslos veraltete Defender von den Zulassungsbehörden noch einmal eine Gnadenfrist bekäme. Aber wie hat es dieses Auto ohne Airbag und neumodischen Schnickschnack überhaupt bis ins 21. Jahrhundert geschafft?

          Auch im Jahr 2000 noch königlich: FAZ.NET zeigt die schönsten Defender-Bilder. Bilderstrecke

          Paradoxerweise war es gerade der Niedergang der britischen Autoindustrie, der den Defender vor der Ausmusterung bewahrt hat: In den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts habe der damalige Hersteller British Leyland (Branchenspott: „British Elend“) schlicht kein Geld für ein Nachfolgemodell gehabt, erläutert Bishop. „British Leyland war ein trauriges Kapitel“, sagt er. „Aber es hat uns den Defender in die Gegenwart gerettet.“Irgendwann war der Wagen dann so alt, dass er sich gerade deshalb verkaufte - als knorriges Unikat in einer schnelllebigen Autowelt. Ein nagelneuer Oldtimer, mit allerdings auch heute noch herausragenden Qualitäten im Geländeeinsatz. Der Produktionshöhepunkt mit einer Jahresfertigung von 56.000 Fahrzeugen wurde in Solihull zwar bereits 1970 überschritten. Aber auch vergangenes Jahr schafften sich noch mehr als 23.000 Kunden einen neuen Defender an.

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