https://www.faz.net/-gqe-qe8r

Problem Dresdner Bank : Die Allianz im Endspiel

Den Dresdner-Bank-Kauf hielt Michael Diekmann wohl nie für eine gute Idee Bild: dpa

Der Finanzkonzern versucht mitten in der Bankenkrise sein Problem Dresdner Bank loszuwerden. Allianz-Chef Diekmann hat sich festgelegt, dass die Dresdner keine Zukunft im Konzern hat. Das sehen die Aktionäre schon lange so.

          4 Min.

          Der Allianz-Chef hatte seinen Aktionären eine respektable Erfolgsbilanz auf die Hauptversammlung mitgebracht. Es ist der 11. Juli 2001, und Henning Schulte-Noelle kann den Anteilseignern vorrechnen, dass sich der Allianz-Aktienkurs in den vergangenen zehn Jahren mehr als vervierfacht habe. Dann kommt der großgewachsene Manager mit dem Schmiss auf der Wange zügig auf das Thema zu sprechen, das alle in der Münchner Olympiahalle elektrisiert: die größte Übernahme in der mehr als hundertjährigen Allianz-Geschichte - den Kauf der Dresdner Bank, den der Versicherer drei Monate vorher angekündigt hat. Ein „erstklassiges Institut“, versichert Schulte-Noelle.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Münchner Finanzkonzern sei damit „wie kein zweiter im deutschen Markt“ für den Wettbewerb um die Kunden aufgestellt, schwärmt der Mann an der Allianz-Spitze. „Ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte“ werde aufgeschlagen. Die Aktionäre danken es ihm mit überschwänglichem Lob. „Die beste aller denkbaren Alternativen“, sei das Milliardengeschäft, freut sich ein Aktionärsvertreter. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) stellt Schulte-Noelle für seine Großtat gar „olympisches Gold“ in Aussicht.

          „Trennen Sie sich von der Bank“

          Selber Ort, selber Anlass, sieben Jahre später. Ende Mai 2008 verlangen die Allianz-Aktionäre auf der Hauptversammlung von Schulte-Noelles Nachfolger Michael Diekmann nur noch eines: „Trennen Sie sich von der Bank, sonst werden Sie von der Allianz getrennt“, kalauert einer der Redner. Die Geduld der Aktionäre ist wieder einmal am Ende. Seit der größte deutsche Versicherer die damals zweitgrößte deutsche Bank 2001 übernommen hat, ist die Allianz an der Börse untendurch. Der größte deutsche Finanzkonzern kann tun, was er will, es hilft nichts. Kein anderes deutsches Unternehmen verdiente in den vergangenen Jahren mehr Geld als die Allianz. Doch der Aktienkurs hinkte denen anderer europäischer Versicherer hinterher. Im Zeitraffer geht diese Geschichte einer Enttäuschung so: Erst musste die Bank faule Kredite von mehr als 30 Milliarden Euro abarbeiten, dann keimte Hoffnung auf bessere Zeiten, dann kam die Finanzkrise.

          Lange hat Diekmann, der Schulte-Noelle 2003 ablöste, stillgehalten. Und dies, obwohl Allianz-Kenner stark bezweifeln, dass er die Idee seines Vorgängers jemals so richtig gut fand. „Diekmann war kein Freund der Dresdner-Übernahme. Innerlich war er nie davon überzeugt“, sagt ein Beteiligter. Jetzt will der Allianz-Chef, ein kühler Westfale, das Problem Dresdner Bank lösen. Rund 2,5 Milliarden Euro an Wertberichtigungen durch die tobende Finanzkrise sind bei dem Kreditinstitut allein bis Ende März aufgelaufen.

          Schulte-Noelle, der heute Aufsichtsratschef der Allianz ist, hat sein Büro gleich ums Eck der Schwabinger Allianz-Zentrale. Der Vorgänger ist noch immer mächtig. Aber er lasse seinem Nachfolger freie Hand, heißt es im Konzern. „Schulte-Noelle lässt Diekmann gewähren, weil er nicht als Bremser dastehen will, der starrköpfig sein Werk verteidigt, und wohl auch aus der Einsicht heraus, dass es so nicht weitergehen kann“, sagt ein Beteiligter.

          Verdrängt: Die Dresdner hat auch positive Seiten

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Krisenmanagement : Was man aus der Katastrophe lernen kann

          Nach der Flut mehren sich Stimmen, die fragen, wie man in Zukunft mit Katastrophen umgehen sollte. Es brauche moderne Tieflader, Bagger und Hubschrauber, sagt ein Krisenmanager. Das Kernthema bleibt aber das Training.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.