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Zukunft von Pro Sieben Sat 1 : Ist der Einstieg der Berlusconis erst der Anfang?

Max Conze, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media SE, bei der Bilanz-Pressekonferenz im März 2019 Bild: dpa

Der italienische Medienkonzern Mediaset hat sich mit knapp 10 Prozent an der deutschen Sendergruppe beteiligt. Der Druck auf beide Unternehmen ist groß. Und nun?

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          Vor sechs Wochen noch dementierte Mediaset heftig Gerüchte über eine Fusion mit Pro Sieben Sat 1. Es gebe keine Gespräche mit der deutschen Privatsenderkette, hieß es damals. Seit mehr als einem Jahr gibt es Gerüchte über eine Übernahme der ertragsschwachen Fernsehgruppe aus Unterföhring bei München durch den italienischen Medienkonzern des einstigen Ministerpräsidenten und heute immer noch einflussreichen, omnipräsenten Silvio Berlusconi.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Am Mittwochmorgen wurden die Pro-Sieben-Gremien mit dem Vorstandsvorsitzenden Max Conze sowie die Öffentlichkeit davon unterrichtet, dass Mediaset SpA mit 9,6 Prozent jetzt zweitgrößer Aktionär des M-Dax-Unternehmens ist. Dessen Wert ist innerhalb eines Jahres um mehr als 40 Prozent auf nur noch 3,5 Milliarden Euro geschrumpft.

          Das Vorgehen von Mediaset mit dem klammheimlichen Zusammenkaufen von 22,4 Millionen Pro-Sieben-Aktien zu Ausverkaufspreisen wird wohl nicht der letzte Schritt sein. Weitere Vorstöße – nun jedoch auf offener Bühne und vor Publikum – sind zu erwarten. Eine Übernahme allerdings halten Marktbeobachter für ausgeschlossen.

          Neben der strategischen Vorgehensweise kann die Beteiligung auch als taktische Maßnahme gewertet werden, um Begehrlichkeiten anderer Medienhäuser als Folge des stetigen Kursverfalls auszubremsen. Und niemand weiß, wie sich die anderen Paketaktionäre verhalten, die Finanzinvestoren Capital Group (9,98 Prozent) und Black Rock (rund 6,8 Prozent). 

          Einstieg ohne Vorwarnung

          Dem Vernehmen nach soll Unterföhring von der Meldung über den Einstieg der Italiener zumindest zum jetzigen Zeitpunkt überrascht gewesen sein. Schmallippig und diplomatisch zugleich gab sich Vorstandschef Conze in einer ersten Reaktion. „Wir begrüßen das Investment der Gruppo Mediaset und sehen dieses als einen Vertrauensbeweis in die Strategie und in die Mannschaft.“ Begeisterung klingt anders.

          Mit dem Engagement hat die mächtige italienische  Privatfernsehsender-Gruppe in Pro Sieben eine günstige Gelegenheit gesehen; der Aktienkurs hat sich seit November 2015  mit dem damaligen Höchstkurs von 50 Euro kontinuierlich auf Talfahrt begeben. Die Italiener dürften für das Paket wohl weniger als den aktuellen Wert von 340 Millionen Euro bezahlt haben. Für die gebeutelten Anleger öffnen sich anscheinend neue Phantasien. Die Titel jedenfalls gewannen am Mittwoch bis zu fast 9 Prozent auf rund 16 Euro, auch wenn die deutlichen Zuwächse im Handelsverlauf dahin schmolzen.

          Freundliche Absichten

          Der Vorstoß von Mediaset, größter Privatsender in Italien und Spanien, wird als Einstieg mit dem Ziel gewertet, das Engagement auszuweiten und zu intensivieren. Das nun abgegebene Signal deutet darauf hin, dass nach einem gemeinsamen Vorgehen mit dem Management von Pro Sieben gesucht wird – allerdings unter der Regie von Berlusconis Medienkonzern. Der strebt an, eine Fernseh-Allianz in Europa zu schmieden. Das ist das Bestreben des Sohns Pier Silvio Berlusconi, der Mediaset bereits seit 18 Jahren führt. Der Junior betonte, in freundlicher Absicht zu handeln. Er hob die Wertschätzung für den deutschen Privatsender hervor, der deutlich kleiner ist als die RTL-Gruppe des Medienkonzerns Bertelsmann.

          Silvio Berlusconi hat große Pläne für das europäische Privatfernsehen.

          Der Mediaset-Chef sagte am Mittwoch, dass der Einstieg eine langfristig ausgerichtete Entscheidung sei, die darauf abziele, sich zunehmend international auszurichten und so Werte zu schaffen. Mediaset sei stolz darauf, in die Zukunft des frei empfangbaren europäischen Fernsehens zu investieren. Davon profitierten am Ende beide Unternehmen.

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