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Pro Sieben Sat.1 : Pharmamanager führt Fernsehsender

  • Aktualisiert am

Thomas Ebeling Bild: AP

Der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1 bekommt einen neuen Chef: Thomas Ebeling ist ein völlig unbeschriebenes Blatt im Mediengeschäft. Er hat bei Reemtsma, bei Pepsi Cola und zuletzt beim Pharmakonzern Novartis Karriere gemacht.

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          Seit Monaten sorgte die langwierige Suche nach einem neuen Chef für den angeschlagenen Münchner Fernsehkonzern Pro Sieben Sat.1 in der deutschen Medienbranche für Gesprächsstoff. Zahlreiche klingende Namen und Kandidaten waren in der Diskussion und in der Gerüchteküche. Vor allem aktuelle und frühere Manager des Medienkonzerns Bertelsmann standen ganz oben auf der Liste der Spekulationen: Thomas Middelhoff, der derzeitige Gütersloher Finanzchef Thomas Rabe und sogar Medienveteran Rolf Schmidt-Holtz. Doch für die schwierige Aufgabe in München fand sich kein im Fernsehgeschäft renommierter Mann. Seit der bisherige glücklose Konzernchef Guillaume de Posch im Frühsommer seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt hatte, fahndeten Personalberater vergebens nach einem Nachfolger.

          Den Namen des Neuen, den die Haupteigentümer von Pro Sieben Sat.1 am Dienstag überraschend aus dem Hut zauberten, hatte niemand in der Branche auf der Rechnung: Der 49 Jahre alte Thomas Ebeling ist ein völlig unbeschriebenes Blatt im Mediengeschäft. Der studierte Psychologe hat vielmehr beim Zigaretten-Konzern Reemtsma, bei Pepsi Cola und zuletzt beim Pharmakonzern Novartis Karriere gemacht. "Wir haben genug gute Fernsehmanager bei Pro Sieben Sat.1. Die brauchen keinen Vorstandsvorsitzenden, der ihnen erklärt, wie das Fernsehen der Zukunft funktioniert", verteidigte Aufsichtsratschef Götz Mäuser im Gespräch mit der F.A.Z. die Personalentscheidung.

          Die bisherige Karriere des neuen Vorstandschefs von Pro Sieben Sat.1 hat zuletzt einen herben Dämpfer erhalten: Der gebürtige Hannoveraner Ebeling hatte beim Schweizer Novartis-Konzern bis vor einem Jahr das wichtige Pharmageschäft geleitet. Doch die Sparte enttäuschte unter der Leitung des bulligen und energisch auftretenden Deutschen. Und so wurde ihm stattdessen die Verantwortung für das wenig prestigeträchtige Geschäft für rezeptfreie Medikamente übertragen. Nach dieser Degradierung war es keine große Überraschung mehr, dass Ebeling kürzlich Novartis verließ.

          An seiner neuen Wirkungsstätte erwarten den Hoffnungsträger gewaltige Herausforderungen. Pro Sieben Sat.1 ist völlig aus dem Tritt geraten, seit vor anderthalb Jahren die Finanzinvestoren Permira und KKR die Fernsehgruppe übernommen haben: Der Aktienkurs ist in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 90 Prozent eingebrochen. Die Werbeeinnahmen, von denen der Konzern noch immer großteils lebt, sind im Heimatmarkt dahingeschmolzen. Ein heillos verunglücktes neues Preismodell hatte die Werbekunden vergrätzt. Die Belegschaft ist von immer neuen Sparrunden verunsichert. Finanziell steht Pro Sieben Sat.1 mit dem Rücken zur Wand: Das Unternehmen ächzt unter einem milliardenschweren Schuldenberg, der ihm von Permira und KKR aufgebürdet wurde. Aufsichtsratschef Mäuser, im Hauptberuf Investmentmanager bei Permira, verspricht sich von Ebeling "eine Infusion von Know-How und Energie". Die kann Pro Sieben Sat.1 gut gebrauchen. Am 1. März soll Ebeling in München anfangen.

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