https://www.faz.net/-gqe-7p3il

Pro Sieben Sat 1 : Alle Kanäle auf dem Tabletcomputer

So sieht Fernsehen der Zukunft aus: Ein junges Mädchen beim Betrachten von Medieninhalten auf dem Tabletcomputer Bild: dpa

Immer mehr junge Menschen sehen lieber auf dem Smartphone oder dem Tablet fern. Pro Sieben Sat 1 reagiert und bringt eine neue Bezahl-App auf den Markt: Darin sollen alle sechs Sender der Gruppe live zu sehen sein.

          Es ist ein alarmierendes Signal, das in der Vorstandsetage der Pro Sieben Sat1 Media AG aufmerksam registriert wurde. Viele junge Menschen schauen lieber auf dem Smartphone oder dem Tabletcomputer fern. Dazu hat kürzlich die Arbeitsgemeinschaft für Fernsehforschung (AGF) eine Studie vorgestellt, die nicht gerade für Gelassenheit in den Zentralen der Fernsehsender gesorgt hat. Nicht einmal mehr die Hälfte aller Unter-Dreißig-Jährigen, so das AGF-Ergebnis, schaltet noch regelmäßig den Fernseher ein – und die, die noch einschalten, begnügen sich durchschnittlich mit 128 Minuten am Tag.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Für die kleinen tragbaren Computer wird die Münchner Sendergruppe im Juni eine App auf den Markt bringen, in der für 2,99 Euro im Monat alle sechs Kanäle zu sehen sind – neben Pro Sieben, Sat1 und Kabel1 gehören dazu der Frauensender Sixx, Sat1Gold und der neue Sender Pro Sieben Maxx. Das kündigte Vorstandsmitglied Conrad Albert gegenüber dieser Zeitung an. „Der Trend geht klar in Richtung mobile Mediennutzung. Das Smartphone ist schon heute das individuellste und persönlichste Massenmedium“, sagte Albert.

          Eine vergleichbare App bietet der Bezahlsender Sky seinen Abonnenten schon an. Für das frei empfangbare Fernsehen ist das neue, Seven-TV-App genannte Angebot aber eine Novität. „Mit unserem neuen Digitalangebot wollen wir unseren Innovationszug unter Dampf halten. Die Seven-TV-App ist die erste lineare Signalverbreitung ohne Gatekeeper, also ohne Satelliten- oder Kabelnetzbetreiber. Wir werden als Inhalt damit unabhängiger von herkömmlichen Distributionsstrukturen.“

          Schritt in Richtung Bezahlfernsehen

          Das mobile Internet ist für Pro Sieben Sat 1 aber nicht nur ein zusätzlicher, noch dazu kostenloser Verbreitungsweg. Das börsennotierte Unternehmen, das schon heute Internetspiele vermarktet, im Musikgeschäft unterwegs und am Onlineversender Zalando beteiligt ist, kann sich damit einen neuen Zahlungsstrom erschließen. In gewisser Weise marschiert Pro Sieben Sat1 in Richtung Bezahlfernsehen – wenn auch in sehr kleinen Schritten.

          Über die monetäre Zielsetzung für die Seven-TV-App äußerte sich Albert nicht. Aber eine Abonnentenzahl, die im ersten Jahr im mittleren zweistelligen Tausenderbereich liegen sollte, dürfte wohl nicht ganz aus der Luft gegriffen sein. Zumindest dann nicht, wenn man die kostenlosen Downloads von Pro Sieben Sat1 heranzieht: „Unsere bestehenden Applikationen wurden bisher über 20 Millionen Mal heruntergeladen, und bestehende Angebote zeigen uns, dass eine Zahlungsbereitschaft für ein Livestream-Angebot vorhanden ist.“ Pro Sieben Sat1 vernetzt das klassische Fernseh-Kerngeschäft immer stärker mit den digitalen Aktivitäten. „Mit solchen Geschäftsmodellen reduzieren wir die Abhängigkeit von Werbeerlösen“, sagte Albert.

          Die Seven-TV-App soll noch zu einem weiteren Nebeneffekt führen: Weil junge Menschen immer seltener zu einer festen Sendezeit einschalten, wird die App mit einem sogenannten Catch-up-Dienst ausgestattet. Damit sind sämtliche Sendungen sieben Tage lang abrufbar, so dass niemand mehr eine Sendung verpasst. Denn auch das ist ein Trend unter jungen Menschen: Sie rufen Inhalte aus dem Netz dann ab, wenn es ihnen passt – und nicht, wenn es ein Fernsehsender vorschreibt.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          China beklagt sich über Twitter-Sperrungen

          Proteste in Hongkong : China beklagt sich über Twitter-Sperrungen

          „Die Leute urteilen selbst darüber, was die Wahrheit ist“, findet Chinas Regierung und kritisiert die Sperrung von Twitter- und Facebook-Konten. Man müsse sich fragen, warum die offizielle Darstellung Chinas falsch sein solle.

          Topmeldungen

          SPD-Vorsitz : Scholz will im Duo mit Klara Geywitz antreten

          Vizekanzler Olaf Scholz hat eine Frau für die Kandidatur zum SPD-Vorsitz gefunden: die wenig bekannte Klara Geywitz aus Brandenburg. Generalsekretär Klingbeil und Niedersachsens Ministerpräsident Weil wollen nicht antreten.

          Rentenangleichung : Das Märchen von der Armut

          Bald werden die Renten im Osten denen im Westen gleichgestellt sein. Manchen gilt das als Vollendung der deutschen Einheit. Es hat aber auch seine Tücken.
          Jamie Dimon, Vorstandsvorsitzender der Großbank JPMorgan Chase, ist auch Vorsitzender des „Business Roundtable“.

          Erklärung : Amerikas Unternehmenslenker rufen zur Nachhaltigkeit auf

          Eine der wichtigsten Interessengruppen amerikanischer Unternehmen trägt in einer Erklärung die Orientierung am „Shareholder Value“ zu Grabe. Nicht nur das Wohl der Anteilseigner, sondern das der ganzen Gesellschaft soll künftig zählen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.