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Pro : Märklin war Spielzeug für Männer

Sollen die Fleischmann-Fans doch erzählen, was sie wollen: Märklin, das war immer die coolste Marke unter den Modelleisenbahnherstellern. Keine andere war so innovativ, kaum eine so solide - der Mercedes unter den Bahnen. Spielzeug für echte Kerle eben.

          Das tut weh. Nein, nicht nur der deutschen Wirtschaft, die Horrormeldungen in diesen Tagen gewöhnt ist, sondern ganz tief drinnen, in meiner Seele: Märklin ist insolvent - wenn das das Ende ist, stirbt damit auch ein Teil meiner Kindheit. Denn Märklin, das war nicht nur irgendein Spielzeughersteller, Märklin war Faszination, war Begeisterung über Detailreichtum und Naturtreue, war Träumen von Doppeltender-Dampflokomotiven und funkelnagelneuen ICEs, die irgendwann über die eigene Anlage flitzen und alle neidisch machen würden. Mit naturgetreuem Dampf und dröhnendem Signalhorn, versteht sich.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Sicher, ich höre sie schon höhnen, die Fleischmann-Fans oder, noch schlimmer, die von Roco, diesen seltsamen Österreichern, deren Kataloge man früher mit Verachtung strafte und im Laden schnell wieder weglegte. Uncool sei Märklin, sagen sie, schwäbisch-behäbig eben, doch das ist nur purer Neid: Sie könnten nicht falscher liegen. Märklin war immer einen Schritt voraus - die Modelle waren hochwertiger, die Technik ausgefeilter, der Spielspaß höher als bei allen anderen.

          Solide und stabil

          Gut, Märklin war manchmal teurer als die Konkurrenz, und die Metallgleise mit ihren Stromabnehmer-Haken in der Mitte ein bisschen plumper als die pseudo-edlen von Fleischmann oder Roco. Aber dafür konnte man auch mal aus Versehen drauftreten, ohne dass sich deshalb gleich die ganze Anlage verabschiedete. Unsere Metallgleise nahmen es einem auch nicht krumm, wenn man sie zusammen mit einem Kumpel mit rohen Kartoffeln einrieb, weil das so schön glänzte. Und danach drei Tage schrubben musste, um die Stärke wieder von Gleisen und aus den Loks wegzubekommen. Außerdem bot Märklin schon damals auch ein K-Gleis mit echten Schwellen an, für die Anspruchsvollen unter den Mittelklasse-Kindern.

          Überhaupt, liebe Fleischmänner und Rocojaner: Wenn jemand im Modelleisenbahnbusiness „Innovationsspitze“ war, wie es heute neudeutsch heißt, dann doch Märklin. Denn als Ihr noch 45 Trafos brauchtet, wenn Ihr 45 Loks steuern wolltet und spätestens nach 24 Minuten entweder wahnsinnig oder mit den Jungs Radfahren wart, konnten wir mit den neuen Digital-Decodern längst alle Züge mit einem einzigen Trafo steuern. Und gleichzeitig Stellpulte, Signalanlagen, Bahnübergänge, die Beleuchtung der Loks oder die riesige Drehscheibe bedienen, die viel imposanter war, als Ihr es Euch je hättet vorstellen können.

          Stoff für Kinderträume

          Aber schon klar: Wer als Kind abends nie in so schönen Prospekten geschmökert hat, wer nicht von Schienenbussen und Tenderlokomotiven mit drei Achsen träumte und sich an den Scheiben des Spielwarenladens die Nase plattdrückte; wer nie ganze Wochen damit verbrachte, mit der Gleisschablone traumhafte Mega-Anlagen auf A0-Papier zu pinnen und noch heute feuchte Augen kriegt, wenn er an den Seiten eines Märklin-Katalogs riecht, der wird das eben nie verstehen. Märklin, das ist Spielzeug für Männer. Das könnt Ihr ruhig auch Euren Kindern sagen.

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