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Pro Datenschutz : Google erleichtert Nutzern Kontrolle der Privatsphäre

Bild: Picture-Alliance

In einem längst überfälligen Schritt macht Google die Kontoverwaltung nutzerfreundlicher. Künftig können die Nutzer selbst bestimmen, welche Daten der Konzern speichern darf. Damit geht Google auf Kuschelkurs gegenüber Datenschützern.

          Wenn Nutzer der verschiedenen Dienste des Suchmaschinenkonzerns Google ihre Kontoeinstellungen ändern wollten, glich das bislang manchmal der Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Ob sie nun den E-Mail-Dienst Gmail, die Videoplattform Youtube oder das Blogprogramm Blogger nutzten – für jeden einzelnen Dienst gab es spezielle Unterseiten, über die sich Einstellungen zur Nutzung der Dienste oder zum Schutz der Privatsphäre verwalten ließen. Nun führt Google die Kontoverwaltung an einem zentralen Ort zusammen. Im Laufe dieses Montags will Google dafür die neue Übersichtsseite namens „Mein Konto“ offiziell vorstellen.

          Das Kontrollzentrum ist auch für Internetnutzer verfügbar, die kein Konto bei dem amerikanischen Unternehmen unterhalten. Sie können dort zum Beispiel die Einstellungen anpassen, die sich auf die Personalisierung auswirken und sich aufgrund der Suchaktivität auf der unternehmenseigenenSuchmaschine ergibt. Diese kann mit einem Klick deaktiviert werden. Größer ist die Palette der Einstellungsmöglichkeiten jedoch für registrierte Nutzer. Sie sollen über „Mein Konto“ schneller als bisher auf Einstellungen und Instrumente zugreifen können, „mit denen sie ihre Daten und ihre Privatsphäre schützen können“, heißt es auf der Seite, die für manche Nutzer schon in der vergangenen Woche freigeschaltet wurde.

          Daten selbstständig sperren

          Insgesamt finden sich für angemeldete Nutzer drei Unterkategorien. Die erste beschäftigt sich unter dem Stichwort „Anmeldung und Sicherheit“ mit Einstellungen für Passwörter und Kontozugriff. Unter dem Oberbegriff „Kontoeinstellungen“ können Nutzer unter anderem die von ihnen verwendete Sprache ändern oder den Speicherplatz verwalten, der ihnen von dem Suchmaschinenkonzern zur Verfügung gestellt wird.

          Mit Blick auf die Daten der Nutzer interessant wird es dagegen in der Unterkategorie „Persönliche Daten und Privatsphäre“. Unter dem Stichwort „Kontoverlauf“ lässt sich dort auf allerlei Daten zurückgreifen, die Google sammelt, sobald sich Nutzer in ihrem Konto angemeldet haben und sich durchs Netz bewegen. „Dank der in Ihrem Konto gespeicherten Aktivitätsdaten werden Dienste noch individueller an Ihre Wünsche und Bedürfnisse angepasst“, gibt Google als Grund für die Sammlung an. Das ist zum Beispiel bei Suchanfragen der Fall: Das Unternehmen sammelt diese nach eigenen Angaben, um die Suche zu beschleunigen und um Informationen in der Suche auf den Nutzer zuzuschneiden. Ein anderes Beispiel ist der Standortverlauf. Damit sollen die Kartensuche oder bestimmte Routen verbessert werden, etwa der tägliche Weg zur Arbeit. Nutzer, denen die Datensammlung zu weit geht, können diese nun in dem neuen Konto-Kontrollzentrum mit einem Klick auf einen animierten Schieberegler ausstellen.

          Achtung Kontrolle! Startseite des Angebots „Mein Konto“

          Ausschaltbar ist dort auch die sogenannte „interessenbezogene Werbung“. Das sind Anzeigen, die sich nach den Aktivitäten auf Google richten oder sich an besuchten Internetangeboten orientieren. Liest ein angemeldeter Nutzer zum Beispiel auf einer Nachrichtenseite Fußballberichte, wird die Sportart als Interesse gespeichert. Dies lässt sich sowohl für Werbung auf hauseigenen Angeboten als auch auf Internetseiten außerhalb des Netzwerks des Unternehmens deaktivieren, auf denen es im Auftrag der Betreiber Werbung schaltet.

          Hintergrund für die Zusammenführung der Kontrollmöglichkeiten dürfte die Kritik sein, die deutsche Datenschützer an Google üben. Im September erließ der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar eine Verwaltungsanordnung gegen den amerikanischen Konzern. Caspar begründete diese mit Verstößen gegen das Telemediengesetz sowie das Bundesdatenschutzgesetz und verpflichtete Google, mit „technischen und organisatorischen Maßnahmen“ Abhilfe zu leisten. Unter anderem sollen diese sicherstellen, dass Nutzer „künftig selbst über die Verwendung der eigenen Daten zur Profilerstellung entscheiden können“, teilte Caspar damals mit.

          Im April beendete der Datenschutzbeauftragte das Verfahren dann mit einem Widerspruchsbescheid, und bekräftigte damit die Verpflichtung des Unternehmens, „die Verarbeitung der Daten seiner deutschen Nutzer auf eine zulässige Rechtsgrundlage zu stellen“. Caspar forderte unter anderem, dass der Nutzer transparent über das informiert werden müsse, was Google mit den Daten vorhat. Zudem müsse sichergestellt werden, dass für die Erstellung von Persönlichkeitsprofilen eine Einwilligung vorliege. „Google hat dafür einen Mechanismus zu entwickeln und zeitlich befristet umzusetzen“, sagte Caspar. Die neuen Kontrollmöglichkeiten könnten ein Schritt in diese Richtung sein. Ob das den Datenschützern ausreicht, wird sich aber wohl erst nach einer weiteren Bewertung zeigen.

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