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Private Equity : "Die Private-Equity-Finanzierung ist noch lange nicht an ihren Grenzen"

  • Aktualisiert am

Die Hypo-Vereinsbank sieht in dem lukrativen Kreditsegment, Private-Equity-Fonds Geld zu leihen, für sich gute Wachstumschancen.

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          Das Tor zur Börse ist für deutsche Unternehmen ein schmaler Einlaß geworden. Darüber klagen auch Beteiligungsgesellschaften, denen es seit einiger Zeit schwerfällt, sich mit einem Gang an die Börse aus einem Engagement zurückzuziehen. In diesem Jahr ist dies in Deutschland allein der amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft KKR mit Wincor-Nixdorf gelungen. Doughty Hanson blieb dagegen mit der Autowerkstattkette ATU nur der Weiterverkauf an KKR. "Es ist ganz heilsam, daß sich die Exit-Kanäle verändert haben", kommentiert Ronald Seilheimer, Bereichsvorstand der Hypo-Vereinsbank für Corporates & Markets (Konzernkunden und Kapitalmarktgeschäft), den schwieriger gewordenen Ausstieg aus Beteiligungen. "Vor einigen Jahren war noch eine ganze Reihe von Private-Equity-Investments nichts anderes als eine Spekulation auf steigende Aktienkurse." Während in der Hochphase der Börse vor vier bis fünf Jahren Beteiligungsgesellschaften nahezu wahllos Unternehmen erworben hätten, entschieden sie sich jetzt nur noch für Engagements "mit Hand und Fuß". Aber auch er hofft, daß sich die Chancen für einen Ausstieg über die Börse bald verbessern.

          Daß das Segment Private Equity wieder wächst, wenn auch in diesem Jahr in Deutschland vor allem dank großer Transaktionen wie Celanese und ATU, freut Seilheimer. "Wir sind noch lange nicht an den Grenzen, besonders in Deutschland", sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. In der Regel finanzieren die Private-Equity-Gesellschaften 60 bis 70 Prozent ihrer Unternehmenskäufe mit Fremdkapital. In diesem Geschäft sieht sich die Hypo-Vereinsbank (HVB) nach eigener Einschätzung in Deutschland mit einem Marktanteil von 22 Prozent an der Spitze vor JP Morgan und Goldman Sachs. So hat sie zum Beispiel in diesem Jahr an dem Weiterverkauf von ATU mitgewirkt, ebenso, als vor kurzem der britische Finanzinvestor Cinven den Modekonzern CBR in Celle übernommen hat.

          In Westeuropa lag in der Rangliste der New Yorker Loan Pricing Corporation, die die Kreditmärkte analysiert, im ersten Halbjahr die Royal Bank of Scotland an erster Stelle der Leveraged Buy-outs, wie Unternehmenskäufe mit Fremdfinanzierung genannt werden, vor der Bank of Scotland. An dritter Stelle folgte die HVB mit einem anteiligen Kreditvolumen von 1,05 Milliarden Dollar. Sie war an neun Käufen von Private-Equity-Gesellschaften mit einem Gesamtkreditbetrag von 5,68 Milliarden Dollar beteiligt. "Wir sind zufrieden, wenn wir auf Dauer zu den fünf Größten in Westeuropa gehören", sagt Seilheimer. Vom europäischen Portfolio der HVB macht Deutschland ein Drittel aus. Großbritannien, Frankreich und Italien sind ebenfalls wichtige Märkte. Vor zwei Jahren wagte die Bank den Sprung nach Asien. "Dort sind wir aber sehr vorsichtig, weil es schwierig ist, gute Partner zu finden." Die Bank konzentriere sich deshalb auf eine Zusammenarbeit mit bekannten, international tätigen Private-Equity-Gesellschaften. In den Vereinigten Staaten gelang es der HVB Ende September, mit einem anteiligen Kreditvolumen von 190 Millionen Dollar erstmals an einer Private-Equity-Transaktion mitzuwirken. "Wir haben gute Kontakte zu amerikanischen Bankhäusern und Private-Equity-Firmen", begründet Seilheimer den Erfolg, nennt die beteiligten Unternehmen aber nicht.

          Lohnend ist nach seinen Worten das gesamte Geschäft. "Das Segment ist ein fühlbarer Ertragsbestandteil innerhalb von Corporates & Markets." Die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital betrage mehr als 30 Prozent vor Steuern. Die gesamte Sparte C&M hat die Eigenkapitalrendite auf 25 Prozent vor Steuern verbessert und strebt 30 Prozent in drei Jahren an. "Schade ist nur, daß so gute Kredite in der Regel von den Private-Equity-Gesellschaften in relativ kurzer Zeit getilgt werden", meint Seilheimer. (him.)

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