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Private Equity : Der Beteiligungsmarkt läuft heiß

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Anleger werfen Private-Equity-Fonds ihr Geld hinterher. Beobachter befürchten sinkende Renditen und Unternehmenspleiten. „Die Höhe der Schulden und der Liquidität macht mir angst“, sagt ein Manager.

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          Das rasant wachsende Vermögen der weltweiten Beteiligungsfonds nährt die Sorgen vor einem baldigen Überhitzen der Branche. Das Geschäft mit Unternehmensbeteiligungen hat in den vergangenen Jahren floriert wie kaum eine andere Anlageklasse. Angespornt von rekordverdächtigen Renditen, haben insbesondere die weltgrößten Fonds das Geschäft in neue Größenordnungen getrieben. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, daß die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) für den neuen Fonds eine Decke bei 15,5 Milliarden Dollar einzieht - die Anleger würden dem Finanzinvestor also sogar noch mehr geben. Auf KKRs Fersen folgen Blackstone und die Texas Pacific Group (TPG), die Fonds in ähnlicher Größenordnung auf die Beine stellen. Nach Zahlen von Thomson Financial sammelt die Branche dieses Jahr insgesamt mehr als 200 Milliarden Dollar Kapital ein.

          Angesichts des anschwellenden Kapitalbergs von mehr als 1,3 Billionen Dollar wird Fachleuten mulmig. Fast schon Konsens in der Branche ist mittlerweile, daß die Renditen in den kommenden Jahren sinken werden. „Überall, wo viel Geld verdient wird, kommen die Renditen herunter“, sagt Bruno Raschle, Managing Director der Dachfondsgesellschaft Adveq. „Es wird mit Sicherheit schwieriger werden“, sekundiert Britta Lindhorst, Geschäftsführerin von AMB Generali Private Equity. Branchengrößen wie der Carlyle-Mitgründer David Rubenstein prophezeien schon seit einem Jahr, die hohen Renditen in der Branche seien nicht zu halten.

          Die Bedingungen werden schwieriger

          Angeheizt worden ist der Markt zuletzt durch ungewöhnlich freundliche Bedingungen. So war der Wettbewerb durch industrielle Bieter oder die Börse bis ins vergangene Jahr sehr gering. Zudem waren die Fremdfinanzierungskosten extrem niedrig, weil die Leitzinsen auf niedrigem Niveau lagen und vor allem Hedge-Fonds die Nachfrage nach Schuldtiteln und Kreditrisiken nach oben trieben. Beteiligungsgesellschaften finanzieren ihre Übernahmen zum großen Teil mit Schulden, die sie den gekauften Unternehmen aufladen und die diese dann aus dem Mittelzufluß (Cash-flow) abarbeiten müssen. Dieses Umfeld führte zu hohen zweistelligen Renditen. Spitzenreiter Bain Capital erzielte zuletzt eine jährliche Rendite (Internal Rate of Return) von rund 90 Prozent, Blackstone kam auf 70 Prozent.

          Doch die Bedingungen werden schwieriger. Die Notenbanken heben derzeit weltweit die Zinsen an. Zudem kaufen die Industrieunternehmen ebenfalls wieder zu und heizen damit die ohnehin hohen Preise an. Auch die Risikoscheu der Investoren nimmt wieder zu. Zwar lag die Ausfallquote für risikoreiche Anleihen („Ramschanleihen“) - ein bevorzugtes Finanzierungsinstrument für Übernahmen durch Private-Equity-Fonds - zuletzt auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Ratingagenturen warnen davor, daß die steigenden Zinsen die Ausfallquoten in die Höhe treiben könnten. Die Angst davor hat die Nachfrage nach Ramschanleihen zuletzt sinken lassen. Der mehreren Private-Equity-Fonds gehörende Satellitenbetreiber Intelsat beispielsweise war vor kurzem dazu gezwungen, seine Emission um 600 Millionen Dollar auf 2,9 Milliarden Dollar zu verringern und die Rendite zu erhöhen.

          „Erdbeben kommt morgen oder in drei Jahren“

          Doch noch ist sowohl das verwaltete Vermögen als auch das zur Verfügung stehende Fremdkapital auf Rekordhöhe. „Die Höhe der Schulden und der Liquidität macht mir angst“, sagte Rick Hayes, Managing Partner von Oak Hill Partners, vor kurzem auf einer Branchenkonferenz. Und die hohen Renditen locken immer noch mehr Anleger an. Neben die Private-Equity-Platzhirsche wie Pensionsfonds, Stiftungen oder Versicherungen treten zunehmend Privatanleger. Insbesondere die Reichen schichten ihr Geld von Hedge-Fonds in Private Equity um, wie dem aktuellen „World Wealth Report“ der Unternehmensberatung Capgemini und der Investmentbank Merrill Lynch zu entnehmen ist. Zudem blüht das Geschäft mit Dachfonds für Kleinanleger.

          Um noch mehr Geld einwerben zu können und dadurch die jährlichen Gebühreneinnahmen nochmals zu erhöhen, wollen einige der großen Beteiligungsfonds zudem mit eigens gegründeten Investmentgesellschaften an die Börse. Diese investieren das von den Aktionären erhaltene Geld in einzelne Übernahmen der Beteiligungsfonds. KKR hat mit einem 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang an der Euronext im Mai den Anfang gemacht, kurz danach folgte Apollo. „Diese Finanzinvestoren sind eigentlich keine Fondsmanager mehr, sondern eine Art Investmentbanken, die Gebühren generieren, wo immer es geht“, sagt ein Beteiligungsmanager. Der Börsengang von Apollo blieb mit 1,5 Milliarden Dollar freilich hinter den Erwartungen zurück, weshalb andere Fonds wie TPG oder Carlyle ihre Pläne offenbar zunächst auf Eis gelegt haben.

          Wann ein Abschwung in der Branche bevorsteht, wagt niemand vorherzusagen. „Solch ein Erdbeben kann morgen passieren oder in drei Jahren“, sagt Raschle. Falls es dazu kommt, würde es nach Ansicht von Fachleuten die Anleger weit weniger hart treffen als die durch Private Equity gekauften Unternehmen, die unter der Schuldenlast zusammenbrechen könnten.

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