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Private Equity, Chemie : Kampf der Heuschrecken

  • -Aktualisiert am

Bei den Celanese-Aktionären qualmt es gewaltig Bild: dpa

Im Fall Celanese streiten sich ein Hedge-Fonds und ein Private-Equity-Fonds ums liebe Geld. Nun geht der Mehrheitsaktionär Blackstone zu einem Gegenangriff über.

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          Im Streit um die angemessene Abfindung der Kleinaktionäre des Chemieherstellers Celanese AG geht der Mehrheitsaktionär Blackstone zu einem Gegenangriff über. Nachdem der amerikanische Hedge-Fonds Paulson & Co. auf der Hauptversammlung vor einem Monat schwere Vorwürfe gegen das Celanese-Management und den Private-Equity-Fonds Blackstone in den Raum gestellt hatte, eskaliert der Streit damit weiter, den Paulson angesichts des seiner Ansicht nach zu niedrigen Abfindungsangebots 2004 begonnen hatte. Nach langwierigen Debatten hatten die Aktionäre auf der Hauptversammlung den im Vorjahr genehmigten Beherrschungs- und Gewinnabführungvertrag nochmals bestätigt.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Paulson hatte dort schwere Geschütze aufgefahren. Nun hält Blackstone dagegen. Die Behauptung des Vice-President Michael Waldorf, Celanese habe für das Jahr 2003 in Deutschland und in Amerika verschiedene Zahlen für das operative Ergebnis (Ebitda) vorgelegt, um sich jeweils im gerade passenden Licht darzustellen, sei haarsträubend und wider besseres Wissen erfolgt, sagt Hanns Ostmeier, für das Deutschland-Geschäft zuständiger Geschäftsführer von Blackstone, dieser Zeitung. Und damit nicht genug: Hätte ein Vertreter des Paulson-Fonds diese Aussage in New York getroffen, wäre ihm jetzt eine saftige Klage sicher, sagt Ostmeier.

          „Aktionäre wurden kahlgefressen“

          Blackstone war eine der Beteiligungsgesellschaften, die auf der populistischen "Heuschrecken"-Liste der SPD-Fraktion standen. Für die platte Kritik a la Franz Müntefering, ausländische Private-Equity-Fonds schnappten sich deutsche Unternehmen, um ihre Substanz abzugrasen, kann der Fall Celanese freilich nicht herhalten. "Als kahlgefressen müssen sich hier jedoch die außenstehenden Aktionäre vorkommen", beklagt Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

          Der Zwist geht auf die Übernahme der aus der Hoechst AG hervorgegangenen Celanese durch Blackstone Ende 2003 zurück. Mit einem Übernahmeangebot hatte sich der zu den größten Private-Equity-Gesellschaften der Welt zählende amerikanische Finanzinvestor die Mehrheit von 84 Prozent an Celanese gesichert. Anschließend wurde der Firmensitz mit einer neuen Holding nach Amerika verlegt, wo das Unternehmen an die Börse ging. Die deutsche Aktiengesellschaft war danach nur noch ein Anhängsel der amerikanischen Obergesellschaft. In Deutschland sollte die nur noch für das Europa-Geschäft zuständige Kronberger Celanese AG eigentlich vom Kurszettel verschwinden, doch die verbliebenen Aktionäre wehrten sich beharrlich, das Abfindungsangebot anzunehmen. Diese Anleger stehen für 16 Prozent des Kapitals, 11,4 Prozent sind allein in den Händen des Paulson-Fonds. Der Streit wird mittlerweile vor Gericht ausgefochten, ungefähr neun Klagen sind dort anhängig.

          Zweitägiges Wortgefecht auf der Hauptversammlung

          Auf der Hauptversammlung im Mai kulminierte der Zwist - den die SdK mittlerweile als "Kampf einer kleinen gegen eine große Heuschrecke" hochstilisierte - in einem zweitägigen Wortgefecht zwischen den Kleinaktionären und dem Celanese-Vorstand. Paulson-Sprecher Waldorf schleuderte dem Management und dem Großaktionär in einer mehrstündigen Rede allerlei Anschuldigungen entgegen, unter anderem ebenden Vorwurf, die Zahlen würden nach Belieben geschönt oder verschlechtert - je nachdem, ob Blackstone gerade Celanese-Aktien kaufe (wie in Deutschland) oder verkaufe (wie in Amerika). Solche Zahlen würden jedoch von der Aufsichtsbehörde SEC aufs schärfste geprüft und das wisse Paulson auch, entgegnet nun Ostmeier.

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