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Konkurrenz für Deutsche Bahn : Amerikanische Privatbahn will Sylt-Autozug betreiben

Der „Sylt-Shuttle“ rollt auch weiterhin auf die Insel – die Frage ist nur, wer die Autos künftig transportieren darf Bild: Caro / Seeberg

Die Deutsche Bahn stellt ihre Autozüge ein. Nur eine Strecke lohnt sich noch: Der Sylt-Shuttle zwischen Niebüll und Westerland. Die will ihr nun der Bahnbetreiber RDC aus Pittsburgh abspenstig machen.

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          Die Deutsche Bahn streicht gerade die Autoreisezüge aus ihrem Programm, weil sie nicht wirtschaftlich sind. Es gibt eine einzige Ausnahme: den sogenannten Sylt-Shuttle, den die Bahn auch nach 2017 weiterführen möchte. Doch ebendiese Verbindung will ihr jetzt das private Bahnunternehmen RDC Deutschland abspenstig machen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          „Wir wollen den Autozug zwischen Niebüll und Westerland auf der Insel Sylt von Dezember 2015 an betreiben“, kündigten Henry Posner, Vorstandsvorsitzender der amerikanischen Muttergesellschaft Railroad Development Corporation (RDC), und Hans Leister, RDC-Generaldirektor Personenverkehr Europa, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an. „Deshalb hat sich RDC Deutschland jetzt bei der Bahn-Gesellschaft DB Netz um die Zuteilung von Trassen in einem auf zehn Jahre angelegten Rahmenvertrag beworben.“ Der Autozug solle täglich zwischen 4 Uhr morgens und 23 Uhr durchgehend alle 30 Minuten verkehren. Im Moment gilt der Halbstundentakt nur zu Spitzenzeiten, sonst fährt der Shuttle alle 60 oder 90 Minuten. Käme RDC in Sylt zum Zug, erhöhte sich die Zahl der Abfahrten um rund die Hälfte.

          Das 1987 von Posner gegründete amerikanische Eisenbahnunternehmen aus Pittsburgh ist in vielen Ländern der Welt aktiv, in Deutschland als Hauptgesellschafter der Hamburg–Köln-Express GmbH (HKX), die der Deutschen Bahn seit Juli 2012 auf der Strecke Hamburg–Köln Konkurrenz macht. HKX hat die Startschwierigkeiten – auch wegen Problemen mit der Zulassung von Zügen – noch nicht überwunden. Noch schreibt das Unternehmen Verlust. Abschreiben will die amerikanische RDC jedoch HKX nicht. „Wir sind geduldige Investoren und gleichzeitig ungeduldige Manager“, sagte Posner. „Wir führen das Experiment HKX weiter und starten neue Initiativen, um das Geschäft zu optimieren. Dazu gehört der Autoreisezug nach Sylt.“

          Auch andere Verbindungen könnten übernommen werden

          Posner sagte, RDC sei besorgt über den Niedergang des Nachtzug- und Autozugverkehrs der Staatsbahnen in Europa. Man sehe darin aber Möglichkeiten für die eigene Geschäftsentwicklung. „Dass Staatsbahnen wie die Deutsche Bahn das Geschäft als unwirtschaftlich betrachten, heißt nicht, dass andere auf dem Gebiet nicht erfolgreich sein können.“ In den Vereinigten Staaten habe die Erfolgsgeschichte begonnen, als sein Unternehmen Zubringerdienste auf der verlassenen Bahnstrecke Chicago–Omaha (Nebraska) übernommen habe. Amerika sei das Beispiel dafür, dass 600 Bahnunternehmen mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen im Wettbewerb bestehen könnten. Europachef Leister fügte hinzu, dabei gehe es nicht nur um unterschiedliche Kostenstrukturen.

          „Sylt könnte der Anfang sein“, sagte Posner. Nicht erst einmal habe sich die Idee, eingestellte Verbindungen mit einem neuen Konzept wiederzubeleben, als erfolgreich erwiesen. Mittelfristig denkt RDC Deutschland nach Leisters Angaben auch über den bei Stammkunden beliebten Autozug zwischen Hamburg und Lörrach nach sowie über eine Erweiterung der HKX-Strecke über Köln nach Frankfurt sowie über Hamburg nach Sylt. „Sehr gern würden wir auch den Nachtzug Paris–Berlin fahren, den die Deutsche Bahn in diesem Dezember aufgibt“, sagte Leister. Dafür brauche man allerdings einen erfahrenen Partner.

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