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Primark : Hilferufe in Kleidung eingenäht

  • Aktualisiert am

Primark steht immer wieder in der Kritik. Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Billigmode-Kette Primark steht wieder in der Kritik: Eine Kundin aus Belfast fand in ihrer Hose einen eingenähten Hilferuf. Es ist der dritte Vorfall innerhalb weniger Tage – oder ist alles nur eine fingierte Aktion?

          Die irische Billigmode-Kette Primark ist erneut wegen der Arbeitsbedingungen bei der Herstellung ihrer Produkte in die Kritik geraten. Eine Primark-Kundin aus Belfast in Nordirland hatte erklärt, in einem der Geschäfte der Kette gekauften Hose sei ein Zettel eingenäht gewesen, versehen mit der in chinesischen Schriftzeichen verfassten Klage einer Arbeitskraft, wie die BBC am Mittwoch berichtet. Demnach hatte die Kundin die Hose bereits im Jahr 2011 gekauft, sie seither aber nicht mehr zur Hand genommen.

          In der erst jetzt gefundenen Notiz macht der Schreiber geltend, er und seine Kollegen müssten im im Xiangnan-Gefängnis in der chinesischen Provinz Hubei „wie Ochsen“ arbeiten. Das Essen, das ihnen zur Verfügung gestellt werde, wäre für Tiere ungenießbar. Darüber stehen in lateinischer Schrift die Worte „SOS! SOS! SOS!“. In die Nachricht war ein Gefangenenausweis eingelegt.

          Der Vorwurf ist der dritte gegen Primark innerhalb weniger Tage, wie mehrere britische Medien am Mittwoch gleichlautend berichteten. Vor kurzem war im walisischen Swansea ein eingenähter Zettel in einem Kleid aufgetaucht, der die Aufschrift trug: „… forced to work exhausting hours“ (etwa: „… zur Arbeit bis zur Erschöpfung gezwungen...“. Eine weitere Primark-Kundin hatten einen Zettel mit der Aufschrift „degrading sweatshop conditions“ („erniedrigende Bedingungen in eine Knochenmühle“) in ihrem Kleid vorgefunden.

          Die offenbar zufällige Häufung der Vorfälle in England und Nordirland überrascht. Schon im vergangenen Jahr hatte es ähnlich lautende Berichte über eingenähte Zettel gegeben. Fraglich ist allerdings, ob Näherinnen in den betroffenen Ländern über das entsprechende Bildungsniveau verfügen, um einwandfreie englische Sätze auf Etiketten zu nähen und gar bereit sind, ihren Job für diesen vermeintlichen Weckruf aufs Spiel setzen. Die Kontrollen in den Fabriken werden in der Regel sehr engmaschig vollzogen und die Gefahr, entdeckt zu werden, ist dementsprechend groß. Der im aktuellen Fall gefundene Gefangenenausweis allerdings könnte diese Zweifel streuen.

          Primark kündigte der BBC gegenüber eine Untersuchung der Vorfälle an. Eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur beantwortete das Unternehmen nicht. Primark war bereits in die Schlagzeilen geraten, als bekanntwurde, dass das Unternehmen Kleidung in der Fabrik in Bangladesch hatte fertigen lassen, deren Gebäude im April 2013 eingestürzt war und mehr als 1100 Billigarbeiter unter sich begraben hatte.

          Lesen Sie auch unser Pro & Contra: Muss ich jetzt Primark boykottieren?

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